Gedanken zur
Bibel
Unsere Freundschaften erweitern
Apostelgeschichte 2,1–11Die Jünger befinden sich gemeinsam an einem Ort, dh. in einem Raum oder Haus. An einem Ort zu sein kann aber auch bedeuten, dieselbe Geisteshaltung, dieselben Gedanken oder Gefühle zu teilen: Vielleicht hatten die Jünger etwa dieselbe Liebe zu Gott, empfanden dieselbe Trauer über die Abwesenheit Jesu oder stellten sich dieselben Fragen hinsichtlich ihrer Zukunft … vielleicht befanden sie sich sogar an mehreren Orten! Orte, seien sie physischer Natur – ein Raum – oder eher abstrakt oder symbolisch – eine Geisteshaltung, ein Gefühl –, helfen uns, zusammenzukommen und ein Zugehörigkeitsgefühl sowie eine Identität zu schaffen. Orte wie diese, die auf unserem Weg liegen, helfen uns und schenken uns Leben.
Allerdings können Orte – seien sie physischer oder symbolischer Natur – uns auch gegenüber Menschen oder Dingen verschließen, die unserer eigenen Welterfahrung nach anders, fremd oder befremdlich sind. Man hat nicht unbedingt Lust, „nach draußen“ zu gehen. Der belebende Ort wird dann zu seinem Gegenteil – zu einem „Echoraum“, einem exklusiven Club. Man kann nicht sein ganzes Leben an einem einzigen Ort verbringen und dabei wachsen, anderen dienen und Gott dienen. Und Gott, der jenseits all dieser Orte ist, ruft uns nach draußen: Der Heilige Geist kommt und erfüllt den Raum, in dem sich die Jünger befinden, und befähigt sie dazu, mehr zu sein als nur an „einem Ort“ – um auf andere zuzugehen, ohne dabei ihre Gemeinschaft aufzugeben. Es gibt ein Hin und Her, wie bei einer Schaukel. Dieses ständige Hin und Her hilft uns, das Gleichgewicht zu finden zwischen der Vertiefung unserer eigenen Identität und einem lebensspendenden Miteinander.
Die Jünger beginnen, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Eine Sprache zu sprechen bedeutet nicht nur, deren Wortschatz und Grammatik zu beherrschen. Es geht auch darum, eine Weltanschauung zum Ausdruck zu bringen und zu zeigen, wie unsere persönliche Geschichte uns geprägt hat. Es gibt immer Dinge, die schwer zu übersetzen sind, weil sie sich nicht mit Worten allein verstehen lassen. Manchmal muss man den Kontext kennen oder eine konkrete Erfahrung gemacht haben, um sie zu begreifen. Bleibt man aber nur an der Oberfläche der Worte, kann dies zu Missverständnissen, ja sogar zu Vorurteilen und zur Angst vor denen führen, die anders sind.
Zu Pfingsten hörten Menschen aus „allen Ländern“ in ihrer eigenen Sprache von den Taten Gottes. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, sich bewusst zu machen, zu wem wir sprechen. Jeder Mensch, jede Gruppe und jede Gemeinschaft versteht, sieht und erlebt die Welt auf ihre eigene Weise und hat ihre eigene „Sprache“ und ihre eigene „Kultur“. Man würde ein wichtiges Erlebnis einem Kind, einem Gleichaltrigen oder jemandem, der viel älter ist als man selbst, auf unterschiedliche Weise erklären. Der Kern der Botschaft bleibt zwar derselbe, doch muss man jeweils die passenden Worte finden.
Spüren wir unser ganzes Leben lang, wie der Heilige Geist uns immer wieder aus unseren „Orten“ herausruft, um von den Werken Gottes zu sprechen.