Gedanken zur
Bibel

Mai 2026

Unsere Freundschaften erweitern

Apostelgeschichte 2,1–11
Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. 

Die Jünger befinden sich gemeinsam an einem Ort, dh. in einem Raum oder Haus. An einem Ort zu sein kann aber auch bedeuten, dieselbe Geisteshaltung, dieselben Gedanken oder Gefühle zu teilen: Vielleicht hatten die Jünger etwa dieselbe Liebe zu Gott, empfanden dieselbe Trauer über die Abwesenheit Jesu oder stellten sich dieselben Fragen hinsichtlich ihrer Zukunft … vielleicht befanden sie sich sogar an mehreren Orten! Orte, seien sie physischer Natur – ein Raum – oder eher abstrakt oder symbolisch – eine Geisteshaltung, ein Gefühl –, helfen uns, zusammenzukommen und ein Zugehörigkeitsgefühl sowie eine Identität zu schaffen. Orte wie diese, die auf unserem Weg liegen, helfen uns und schenken uns Leben.

Allerdings können Orte – seien sie physischer oder symbolischer Natur – uns auch gegenüber Menschen oder Dingen verschließen, die unserer eigenen Welterfahrung nach anders, fremd oder befremdlich sind. Man hat nicht unbedingt Lust, „nach draußen“ zu gehen. Der belebende Ort wird dann zu seinem Gegenteil – zu einem „Echoraum“, einem exklusiven Club. Man kann nicht sein ganzes Leben an einem einzigen Ort verbringen und dabei wachsen, anderen dienen und Gott dienen. Und Gott, der jenseits all dieser Orte ist, ruft uns nach draußen: Der Heilige Geist kommt und erfüllt den Raum, in dem sich die Jünger befinden, und befähigt sie dazu, mehr zu sein als nur an „einem Ort“ – um auf andere zuzugehen, ohne dabei ihre Gemeinschaft aufzugeben. Es gibt ein Hin und Her, wie bei einer Schaukel. Dieses ständige Hin und Her hilft uns, das Gleichgewicht zu finden zwischen der Vertiefung unserer eigenen Identität und einem lebensspendenden Miteinander.

Die Jünger beginnen, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Eine Sprache zu sprechen bedeutet nicht nur, deren Wortschatz und Grammatik zu beherrschen. Es geht auch darum, eine Weltanschauung zum Ausdruck zu bringen und zu zeigen, wie unsere persönliche Geschichte uns geprägt hat. Es gibt immer Dinge, die schwer zu übersetzen sind, weil sie sich nicht mit Worten allein verstehen lassen. Manchmal muss man den Kontext kennen oder eine konkrete Erfahrung gemacht haben, um sie zu begreifen. Bleibt man aber nur an der Oberfläche der Worte, kann dies zu Missverständnissen, ja sogar zu Vorurteilen und zur Angst vor denen führen, die anders sind.

Zu Pfingsten hörten Menschen aus „allen Ländern“ in ihrer eigenen Sprache von den Taten Gottes. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, sich bewusst zu machen, zu wem wir sprechen. Jeder Mensch, jede Gruppe und jede Gemeinschaft versteht, sieht und erlebt die Welt auf ihre eigene Weise und hat ihre eigene „Sprache“ und ihre eigene „Kultur“. Man würde ein wichtiges Erlebnis einem Kind, einem Gleichaltrigen oder jemandem, der viel älter ist als man selbst, auf unterschiedliche Weise erklären. Der Kern der Botschaft bleibt zwar derselbe, doch muss man jeweils die passenden Worte finden.

Spüren wir unser ganzes Leben lang, wie der Heilige Geist uns immer wieder aus unseren „Orten“ herausruft, um von den Werken Gottes zu sprechen.

01
Welche „Orte“ bedeuten mir etwas? Wie gehe ich „nach draußen“? Fällt es mir manchmal schwer, „rauszugehen“ – warum?
02
Was habe ich von Menschen gelernt, deren Erfahrungen mit Gott, dem Glauben und der Welt sich von meinen eigenen unterscheiden?
03
Wie würde ich einem Kind, einem Gleichaltrigen oder einer älteren Person von einem wichtigen Erlebnis erzählen?

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“