Gedanken zur
Bibel

Februar 2026

Wo wohnst du?

Johannes 1,35–39
Am Tag darauf stand Johannes wieder dort, und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: „Seht, das Lamm Gottes!“ Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, daß sie ihm folgten, fragte er sie: „Was sucht ihr?“ Sie sagten zu ihm: „Rabbi – das heißt übersetzt: Meister –, wo wohnst du?“ Er antwortete: „Kommt und seht!“ Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. (Johannes 1,35—39)

Im Johannesevangelium tritt Johannes der Täufer als Zeuge auf. Er richtet seinen Blick auf Jesus, der vorbeigeht, und weist andere auf ihn hin: „Seht, das ist das Lamm Gottes.“ Die beiden Jünger hören, was er sagt, vertrauen ihm und folgen Jesus nach.

Vielleicht sind wir wie sie, bereit, Jesus nachzufolgen, oder sind zumindest von ihm fasziniert. Wenn wir aus ganz Europa hierhergekommen sind, um gemeinsam zu beten, dann deshalb, weil wir etwas oder jemanden suchen. Diesen Jesus, der uns anzieht und uns über alle Grenzen hinweg so zahlreich zusammenführt. Was damals in Bethanien jenseits des Jordans begann, setzt sich heute hier fort. Die Brüder von Taizé und so viele andere Zeugen auf unserem Weg weisen uns auf Jesus hin, der unter uns gegenwärtig ist.

„Was sucht ihr?“ Jesus stellt uns diese Frage ebenso wie den Jüngern, die auf ihn zugehen. Er beginnt einen Dialog, so wie er heute durch sein immerwährendes Wort auch mit uns in einen Dialog tritt. Nehmen wir uns Zeit, diese existenzielle Frage in uns nachhallen zu lassen: „Was sucht ihr?“ Welche Sehnsucht treibt uns eigentlich an? Versuchen wir, diese Frage für uns selbst zu beantworten.

Die Jünger antworteten mit einer Gegenfrage: „Meister, wo wohnst du?“ Mit anderen Worten: „Wer bist du wirklich? Kann man mit dir eine authentische Erfahrung machen?“ Dies ist Ausdruck des Verlangens nach einer echten Beziehung. Sie lassen sich von Jesus einladen, der ihnen antwortet: „Kommt und seht!“ Sie erleben eine Begegnung, die sie so beeindruckt, dass sie sich noch an die Uhrzeit erinnern: 4 Uhr nachmittags. „Bleiben“, ein Schlüsselwort im Johannesevangelium, geht weit über die rein physische Anwesenheit hinaus. Es bezeichnet tiefe Gemeinschaft, eine verwandelnde Beziehung, Liebe, die Wurzeln schlägt und Bestand hat.

Mit der Frage „Wo wohnst du?“ führen uns die Jünger in eine innere Suche. Wir alle sehnen uns nach Beziehungen, wir streben nach echten Begegnungen, in denen wir ganz wir selbst sein können und den anderen als Geschenk erfahren. Wir streben nach harmonischen Beziehungen: zu den anderen, zu uns selbst, zu Gott, zur gesamten Schöpfung. Wir sehnen uns nach Frieden und Versöhnung, denn in unserem Innersten sind wir Beziehungswesen und für Gemeinschaft geschaffen. Wir möchten geben und empfangen, zu einer Familie, einer Gemeinschaft und einem Volk gehören.

Jesus antwortet geradeheraus: „Kommt und ihr werdet sehen.“ Er lädt uns ein, eine Beziehung zu ihm und zu anderen einzugehen. Er lässt uns seine Wohnung entdecken, einem Abbild der Beziehung zum Vater. Er möchte Zeit mit uns verbringen, gemeinsam unterwegs sein, einander zuhören, Frieden und Gemeinschaft stiften, um Zeichen und Werkzeug der Einheit der Menschheit zu sein.

Gedanken von Schwester Nathalie Becquart anlässlich des Europäischen Treffens in Paris.

01
Wie können wir, wie die ersten Jünger, bei Jesus bleiben und in ihm vereint ein Zeichen der Hoffnung in der Welt sein, die sich nach Frieden sehnt?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“