Gedanken zur
Bibel

März 2026

„Willst du gesund werden?“

Johannes 5,1–9
Einige Zeit später war ein Fest der Juden, und Jesus ging nach Jerusalem hinauf. In Jerusalem gibt es beim Schaftor einen Teich, zu dem fünf Säulenhallen gehören; dieser Teich heißt auf hebräisch Betesda. In diesen Hallen lagen viele Kranke, darunter Blinde, Lahme und Verkrüppelte. Dort lag auch ein Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war. Als Jesus ihn dort liegen sah und erkannte, dass er schon lange krank war, fragte er ihn: „Willst du gesund werden?“ Der Kranke antwortete ihm: „Herr, ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.“ Da sagte Jesus zu ihm: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ Sofort wurde der Mann gesund, nahm seine Bahre und ging. Dieser Tag war aber ein Sabbat.

Jesus blickt mit Erbarmen auf den Mann am Boden. Er ist seit 38 Jahren gelähmt, kann nicht selbstbestimmt leben und hat niemanden, der ihm hilft. Jesus sieht sein Elend, sein Leiden, seine Verzweiflung und spricht ihn an: „Willst du gesund werden?“ Nicht der Gelähmte bittet um Heilung, sondern Jesus stellt ihm die Frage.

„Willst du gesund werden?“ – Wer möchte nicht geheilt werden? Die Antwort des Gelähmten jedoch ist indirekt. Er ist so bewegungsunfähig und verzweifelt, dass er nicht einmal eine einfache und klare Antwort geben kann. Vielleicht glaubt er auch nicht mehr, dass ihm etwas Positives widerfahren könnte. Diesem entrechteten Menschen, der scheinbar nichts mehr selbst tun kann, bietet Jesus Heilung an. Er sagt nicht: „Du bist geheilt!“, sondern: „Steh auf, nimm deine Bahre und geh!“ So, als würde er ihm sagen: „Übernimm von nun an die Verantwortung für dein Leben! Du bist dazu in der Lage!“

Jeder Bericht über eine Heilung Jesu offenbart die unendliche Güte dessen, der ihn gesandt hat. Gott möchte, dass alle Menschen ein erfülltes Leben führen können. Zahlreiche Berichte in der Bibel zeigen uns diesen Gott, der dem Leiden seines Volkes und seiner Schöpfung nicht gleichgültig gegenübersteht. Gott ist Schöpfer und Retter. Kein religiöses Gebot, nicht einmal ein so wichtiges wie der Sabbat, kann Jesus daran hindern, den Kranken zu heilen. Der Geheilte wird wieder vollständig in die Gemeinschaft integriert.

Wir können diese Geschichte aus unserer eigenen Perspektive lesen. Jeder von uns lebt mit Verletzungen: Erinnerungen an Demütigungen, unerfüllte Träume, unbefriedigte Wünsche, die man nicht ohne Weiteres wegstecken kann. Manchmal flüchten wir vor ihnen oder verstecken sie, weil sie uns wehtun oder wir uns ihrer schämen.

Aus Angst zu scheitern, einen Fehler zu machen, gehen wir nicht das Risiko ein, Verantwortung zu übernehmen und die Konsequenzen unserer Entscheidung zu tragen. Anstatt das Mögliche zu ergreifen, sind wir angesichts des Unmöglichen oft gelähmt. Wir geben anderen die Schuld: Eltern, Lehrern, Politikern, Vorgesetzten oder Kirchenvertretern.

Auch wir sind mit den gravierenden Problemen der Welt konfrontiert: Klimawandel, Ungleichheiten, gnadenloser Wettbewerb in der Wirtschaft, internationale Konflikte und Kriege, Flüchtlingskrise ... Angesichts der Herausforderungen der Welt fühlen wir uns machtlos und hilflos. Unser Planet gleicht dem Mann aus dem Evangelium, der seit 38 Jahren gelähmt war.

Können wir im gesellschaftlichen wie auch im persönlichen Leben, anstatt in Fatalismus zu verfallen, auf die Worte Jesu hören: Willst du gesund werden? Willst du dein Leben ändern? Willst du ein erfülltes Leben? Willst du die Gesellschaft verändern, die Erde für alle lebenswerter machen? Glaubst du, dass das möglich ist? Dann steh auf! Fang noch heute an, übernimm Verantwortung! Tu den ersten Schritt, du bist nicht mehr allein! Suche Freunde, die den Glauben und dieselben Werte teilen. Gemeinsam mit allen Menschen guten Willens – und das sind viele! – wollen wir uns um die Schöpfung kümmern. Auf diese Weise wirst du einen Sinn in deinem Leben finden.

Hören wir in der inneren Stille auf die Stimme Christi und schauen wir auf den Blick Christi, der uns leise fragt: „Willst du gesund werden?“

01
Welche Menschen oder Situationen in meiner Umgebung brauchen Heilung?
02
Was hindert uns daran, ein erfülltes Leben zu führen? Was hilft uns auf persönlicher und kollektiver Ebene, uns zu befreien?
03
„Steh auf, nimm dein Bett und geh!“ Wie wirken diese Worte Jesu auf mich?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“