Gedanken zur
Bibel

Juni 2026

Im Verborgenen beten

Matthäus 6,5–6
Jesus sagte: Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 

Es gibt nur wenige Stellen in den Evangelien, an denen Jesus konkrete und umsetzbare Ratschläge gibt, fast so, als sei eine wörtliche Auslegung angebracht. Wenn wir beispielsweise lesen: „Liebt eure Feinde“, werden wir dazu aufgefordert, dieses Wort in unser Leben zu übertragen, wohl wissend, dass es sich um eine Herausforderung der Liebe handelt, die nur mit der Hilfe Gottes selbst möglich ist. Wenn wir jedoch hören: „Wenn du betest, geh in dein Zimmer“ oder an einen vertrauten Ort, handelt es sich um ein praktisches Beispiel, das die meisten Menschen zu Hause umsetzen können.

Angesichts dieser einfachen und klaren Anweisung, die Jesus uns im Evangelium gibt, können wir eigentlich nur dazu übergehen, sie auszuprobieren: Versuchen wir also, dieses Wort Jesu unverzüglich in die Tat umzusetzen, und suchen wir uns einen stillen Ort der Besinnung. Des Weiteren geht es darum, diesen Text in seinen Kontext im Evangelium zu stellen und nach seiner Bedeutung für unsere heutige Zeit zu fragen.

Der Abschnitt ist Teil einer Reihe von Unterweisungen Jesu über die jüdische Frömmigkeit und die Neuheit, die er ihr bringt. Diese Neuheit mag uns überholt erscheinen, da wir die Geschichten Jesu schon oft gehört haben. Oder es mag uns so vorkommen, als sei an seinen Worten nichts besonders Originelles, angesichts der gängigen Praktiken der Selbstfürsorge und Bewusstseinsbildung, die zu Rückzug, Selbstakzeptanz und Besinnung einladen.

In ihrem Zusammenhang ist die Lehre Jesu keine Verherrlichung des Privaten gegenüber dem Öffentlichen, sondern ein Hinweis auf die Bedeutung religiöser Praktiken. Eine öffentlich zur Schau gestellte Frömmigkeit läuft Gefahr, heuchlerisch zu werden, während ein im Verborgenen praktiziertes, direktes Gebet zu Gott den Menschen von den Blicken der anderen befreit. Das Gebet im Verborgenen ist befreiend für diejenigen, die glauben, nicht in rechter Weise beten zu können, und die mit der Einfachheit eines Kindes beten und sich um die Wortwahl keine großen Gedanken machen.

Doch mehr als ein praktischer Ratschlag, mehr als eine Übung der Selbstfürsorge und weit mehr als eine Warnung vor Heuchelei macht dieses Beispiel die kindliche Beziehung Jesu selbst zum Vorbild für das Gebet. Es ist, als würde Jesus sagen: Betet nicht in der Öffentlichkeit, aber betet vor allem nicht so, als wäre Gott fern. Das Neue an der Botschaft Jesu und seiner Lehre ist, dass wir wissen, dass wir geliebt sind, noch bevor wir wissen, dass uns jemand zuhört.

Das Beispiel Jesu, der sich im Evangelium mehrfach zurückzieht, um allein zu beten, zeigt, wie sehr er selbst ein inniges Verhältnis zu Gott suchte, einen persönlichen Kontakt. Mit dieser Stelle aus dem Evangelium bietet Jesus erneut allen Menschen, ohne Ausnahme, eine Gemeinschaft mit Gott an.

01
Gibt es einen äußeren Rahmen, der mir das Beten erleichtert? Was wäre für mich „eine Kammer“?
02
Inwiefern spricht mich das Gebet Jesu im Evangelium an?
03
Was hilft mir zu begreifen, dass Gott nicht fern ist und dass ich im Gebet ganz ich selbst sein kann?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“