Gedanken zur
Bibel

Juli 2026

Jesus, Mittler zwischen Gott und den Menschen

1 Timotheus 2,3–6
Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle, ein Zeugnis zur vorherbestimmten Zeit.

Diese Passage aus dem ersten Brief des Paulus an Timotheus erinnert zunächst an den endgültigen Plan Gottes, nämlich das Heil der gesamten Menschheit: Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“. Dieses Heil vollzieht sich durch die Hingabe des Lebens Christi: Er, so fährt Paulus fort, „hat sein Leben hingegeben, um alle Menschen zu befreien“.

Um zu erklären, auf welche Weise diese Befreiung zustande kommt, verleiht Paulus Christus einen besonderen Titel: Er bezeichnet ihn als einzigen „Mittler zwischen Gott und den Menschen“. Beim Wort „Mittler“, das oft auch mit „Vermittler“ übersetzt wird, denken viele spontan an die Rolle eines Schlichters oder Vermittlers, dessen Aufgabe es ist, den Dialog zwischen zwei Parteien herzustellen.

Doch Jesus ist weder Schiedsrichter zwischen Gott und uns noch Vermittler, um Gott der Menschheit näherzubringen. Der unendlich heilige Gott steht nicht der sündigen und von Gott entfernten Menschheit gegenüber, sodass Jesus in der Mitte von beiden eine Brücke schlagen und Botschaften überbringen müsste.

Denn wenn Jesus nur ein Dritter zwischen Gott und uns wäre, wäre er beiden fremd. Er könnte zwar als Gesandter, als Sprecher, vielleicht als der größte aller Propheten betrachtet werden – aber er wäre nicht in seinem Wesen selbst Begegnung. Paulus sagt auch nicht, dass Christus zwischen Gott und den Menschen steht. Die Präposition „zwischen“ kommt im griechischen Originaltext auch gar nicht vor, obwohl sie in vielen modernen Übersetzungen verwendet wird.

Die ursprüngliche Formulierung ließe sich besser wörtlich mit „Vermittler Gottes und der Menschen“ wiedergeben, mit dem Genitiv anstelle einer Präposition, was verschiedene Bedeutungen haben kann. Diese Übersetzung wäre zwar möglich, ist aber nicht die Einzige und hat zudem den Nachteil, dass sie an einen Vermittler erinnert, der sich wie auf einer Brücke zwischen zwei Ufern befindet. Jesus steht jedoch nicht auf einer Brücke: Er ist die Brücke.

Paulus stellt auch sofort klar, dass Christus selbst ein Mensch ist. Diese Präzisierung ist kein biografisches Detail, sondern weist darauf hin, dass der Mittler in seiner Person die Gemeinschaft zwischen Gott und der Menschheit verkörpert. Durch sein Leben, sein Kreuz und seine Auferstehung hebt Christus die Grenze auf. Er ist nicht nur der Gesandte Gottes zu den Menschen und auch nicht der Fürsprecher der Menschen bei Gott, sondern in seiner Person selbst der Ort, an dem Gott und die Menschheit eins werden.

Später wird die kirchliche Tradition über das Geheimnis der Menschwerdung sagen: Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch, weder eine Vermischung beider noch ein Kompromiss zwischen beiden, sondern beides in vollkommener Einheit, ohne Vermischung und ohne Trennung. Jesus betet aus dem Innersten unseres Menschseins heraus; wenn Jesus weint, ist es Gott, der mit uns weint.

Das ist das Zeugnis, das Christus uns gibt: Das Werk der Vermittlung ist keine Aufgabe, die er von außen erfüllen würde, sondern es ist sein Wesen selbst. Und wenn wir ihm begegnen – sei es im Gebet oder in der Nächstenliebe –, dann ist es Gott selbst, der sich uns offenbart.

  • Stellst du dir Jesus eher als jemanden vor, der eine Botschaft von Gott überbringt, oder als Gott selbst, der persönlich zu uns gekommen ist?
  • Wenn Jesus zugleich ganz Gott und ganz Mensch ist, was sagt das über den Wert unseres eigenen Menschseins aus? Kann es uns helfen, unseren Alltag mit anderen Augen zu sehen?
01
Christus vereint in sich das Göttliche und das Menschliche, ohne dass eines von beiden verloren geht. Habe ich manchmal das Gefühl, mich zwischen dem geistlichen und dem konkreten Alltagsleben entscheiden zu müssen? Wie könnte das Geheimnis der Menschwerdung helfen, beides miteinander zu vereinen?

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“