Gedanken zur
Bibel
„Fürchtet euch nicht!“
Matthäus 28,5–20„Fürchte dich nicht! – Fürchtet euch nicht!“ Was Joseph am Anfang des Matthäusevangeliums hört, hören die Frauen ganz zum Schluss. Mit diesen Worten beginnt für Joseph und die Frauen eine Begegnung. Sie verstehen, dass Gott in den Schwierigkeiten ihres Lebens gegenwärtig ist und einen Weg für sie öffnet. Die Bibel behauptet nicht, dass immer alles gut geht, aber sie versucht uns klarzumachen, dass wir uns den Herausforderungen nicht allein stellen müssen.
Am Ölberg hatten die Jünger Jesus in seiner Angst und seinen Schwierigkeiten verlassen. Während er betet, schlafen sie ein; als er verhaftet wird, laufen sie weg. Die Frauen verlassen ihn, der am Kreuz gestorben ist, dagegen nicht. Sie kommen an das Grab dessen, von dem keine Hoffnung mehr ausgeht. Die Jünger sind vor der Situation geflohen; die Frauen hingegen nähern sich ihr. Und sie erhalten die Botschaft: „Fürchtet euch nicht! Er ist von den Toten auferstanden.“
Es handelt sich dabei um drei Begegnungen und drei Sendungen: Der Engel sendet die Frauen zu den Jüngern; dann sendet Jesus die Frauen „zu seinen Brüdern“; und schließlich sendet Jesus die Jünger „zu allen Völkern“. Niemand kann die Botschaft der Auferstehung für sich allein verstehen und niemand kann sie für sich behalten. Diese Botschaft wird in der Begegnung weitergegeben und fordert uns auf, andere Begegnungen folgen zu lassen.
Die Auferstehung bedeutet nicht, dass es in unserem Leben keine Schwierigkeiten und in der Welt kein Leiden mehr geben wird. Aber den ersten Christen – angefangen bei den Frauen und den Jüngern – wird allmählich bewusst, dass Jesus vollkommen allein mit Angst und Leiden konfrontiert wurde, damit wir niemals mehr allein mit unseren Ängsten und unserem Leid zurechtkommen müssen. Nach und nach verstehen sie, dass in der Verzweiflung Hoffnung aufkommt und der Tod Jesu eine Quelle des Lebens geworden ist.
Die erste Reaktion der Frauen und Jünger ist eine Mischung aus großer Freude und Angst oder vielmehr eine Mischung aus Anbetung und Zweifel. Aber Matthäus beendet seine Erzählung nicht mit der Reaktion der Jünger, sondern er betrachtet die letzten Worte Jesu. Die Jünger, die Jesus verlassen hatten, werden nun ausgesandt, um alle Völker zu seinen Jüngern zu machen. Jesus will, dass die Jünger durch die Taufe und die Weitergabe seiner Gebote den Menschen ein neues Leben bringen, das von ihm kommt.
Diese Sendung und dieses Leben sind von seiner Gegenwart getragen. Er hat die Macht erhalten und er wird da sein. Inmitten der Schwierigkeiten und der Not dieser Welt hat das Reich Gottes schon begonnen. Dies ist die Auferstehung: ein endgültiger Anfang und die Dynamik einer Gegenwart, die bis zum Ende der Zeiten weitergeht. Er ist in den Tagen der Freude und in den Tagen der Not gegenwärtig; seine Gegenwart ist eine Quelle der Hoffnung.