Gedanken zur
Bibel
Gemeinsam auf dem Weg
Lukas 10,1–11Angesichts einer reichlichen Ernte und der mangelnden Arbeiter, scheint es unlogisch, zwei Personen an ein und denselben Ort zu schicken und diesen auch noch zweimal zu besuchen. Man könnte das Personal besser einsetzen, die Reise besser planen und effizienter auftreten. Doch die Logik Gottes ist eine andere. Dieser Text über die Aussendung der Jünger wirft auf verschiedene Weise ein Licht auf die Art und Weise, wie Gott handelt, und regt uns zum Nachdenken an.
Zunächst einmal ist es für Jesus keine Frage der Ineffizienz, sondern eine bewusste Entscheidung, die Jünger zu zweit auszusenden. Wir dienen Jesus nicht allein. Die Jünger reisen gemeinsam, sie müssen einander vertrauen, miteinander sprechen, einander zu verstehen suchen und sich gegenseitig beistehen. Sie sind nicht unbedingt gute Freunde. Sie sind sich nicht unbedingt in allem einig. Jesus bringt sie zusammen, weil er sie braucht. Außerdem sind die Jünger von denen abhängig, zu denen sie gesandt werden. Diese Abhängigkeit ist nicht negativ. Das Leben aus dem Glauben bringt uns zueinander in Beziehung. Die Jünger nehmen auf die Reise nichts mit, sie müssen sich von den Menschen, denen sie begegnen, aufnehmen lassen und essen, was ihnen vorgesetzt wird. Sie sind nicht selbstgenügsam. Das gemeinsame Unterwegssein, sich aufnehmen zu lassen und Gastfreundschaft zu gewähren, ist Teil des Lebens aus dem Glauben.
Zweitens: Die Jünger verwirklichen auf ihrer Reisen keine persönlichen Pläne. Jesus sagt: „Geht! Ich sende euch ...“ Sie sind von Jesus und in seinem Namen gesandt. Und diese Aussendung hat ihren Ursprung in nichts anderem als in der Beziehung Jesu zu jedem seiner Gesandten. Die Jünger sagen ihrerseits Ja zu einem Ruf, von dem sie nicht wissen, wohin er sie führen wird. Es ist das Vertrauen auf Jesus, das sie aufbrechen lässt, der Wunsch, an seinem Leben und seiner Sendung teilzuhaben; vielleicht auch die Hoffnung, dass dies ihrem Leben Sinn und Richtung geben wird. Gesandt zu sein bedeutet, manchmal die eigenen Vorstellungen zurückzustellen und sich auf etwas Größeres einzulassen, von dem man nicht alles versteht, aber lernt, zu vertrauen und sich selbst aus dem Mittelpunkt zu nehmen. Das ist eine innere Reise!
Drittens: Jesus schickt die Jünger an jeden Ort, an den er selbst gehen will. Macht das den Weg der Jünger ihm gegenüber unnötig oder überflüssig? – Nein, ganz und gar nicht! Die Jünger werden ausgesandt, um Frieden zu bringen und Kranke zu heilen. Menschlich gesehen eine fast unmögliche Mission, könnte man meinen. Es ist in der Tat die Sendung Jesu selbst, des von Gott Gesandten, der die Quelle des Lebens, des Friedens und der Heilung ist. Aber Jesus bezieht die Jünger in seine eigene Sendung mit ein: Wo die Jünger sind, da ist auch er. Er entscheidet sich dafür, nicht alles allein zu tun, sondern anderen zu vertrauen. Dadurch verstehen wir, dass das Ausgesandtwerden im Namen eines anderen nicht passiv macht. Die Aussendung entschuldigt niemals Faulheit, schlechte Arbeit oder mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Um seinen Auftrag zu erfüllen, braucht Jesus uns, die wir bereit sind oder uns sogar dafür entscheiden, uns in seinen Auftrag einbeziehen zu lassen, indem wir unsere Fähigkeiten und Talente einsetzen.
Unabhängig von unserer Lebenssituation und unserem Glaubensweg sind wir alle von Christus gesandt, um das Leben, das uns geschenkt wurde, in Fülle zu leben. Der Glaube lässt uns in eine Gemeinschaft mit Christus und mit anderen Menschen eintreten. Der Glaube bewegt uns, lässt uns manchmal unerwartete Wege gehen. Der Glaube bringt uns zudem in Bewegung, um Zeugnis abzulegen von dem, was uns leben lässt, und es mit anderen zu teilen. Das Bewusstsein, gesandt und mit Christus und anderen unterwegs zu sein, könnte uns helfen, unser „Zuhause“ in Jesus Christus und in der christlichen und menschlichen Gemeinschaft zu finden.
Diese Gedanken waren Gesprächsgrundlage während der Besonderen Woche im August 2024 in Taizé