Gedanken zur
Bibel
Liebe und rechtes Tun
1 Korinther 13Das Hohelied der Liebe des Apostels Paulus ist sehr bekannt. Aber lesen wir es auch so, wie es in seinem Zusammenhang gemeint war? Man kann es durchaus – wie es so oft geschieht – anlässlich einer Hochzeit lesen, aber sein eigentlicher Zusammenhang ist der des gemeinsamen Lebens einer Gemeinde. Paulus widmet das gesamte 13. Kapitel seines ersten Korintherbriefs dem Thema Liebe, weil sie für ihn den Schlüssel zum Verständnis dessen bildet, was für ein Leben in Gemeinschaft nötig ist. Darum geht es Paulus im gesamten Brief.
Man kann deutlich drei Teile dieses sogenannten Hohenlieds der Liebe unterscheiden. In den ersten drei Versen geht es um das Wesen der Liebe: ohne sie sind alle geistlichen Gaben wertlos. Im zweiten Teil (Vers 4 - 8a) führt Paulus anhand von sechzehn Begriffen die charakteristischen Eigenschaften der Liebe auf. Sieben von ihnen beschreiben die Liebe, die übrigen neun hingegen, was Liebe nicht ist. In den Versen 8b - 12 spricht Paulus schließlich von der Dauerhaftigkeit der Liebe und ihrer Überlegenheit über alle anderen geistlichen Wirklichkeiten. So kann Paulus am Ende sagen, dass die Liebe am größten ist. (V.13)
Der erste Teil ist relativ leicht verständlich und bedarf fast keines weiteren Kommentars. Der zweite Teil, die charakteristischen Eigenschaften der Liebe, ist sehr lehrreich: Paulus kommt hier auf feinsinnige Weise auf die meisten der von ihm in den vorausgegangenen Kapiteln dieses Briefes behandelten Punkte zurück. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm es den Korinthern gewesen sein muss, von Paulus gesagt zu bekommen: „Hier ist alles aufgeführt, was ihr in eurem Leben nicht beachtet. Ihr habt bisher noch nicht die richtige Haltung zu den Fragen gefunden, die sich stellen.“ Eine dieser Fragen im vorliegenden Kapitel sind die geistlichen Gaben, die den Korinthern anvertraut wurden. Es ist wichtig festzuhalten, dass es den Korinthern diesbezüglich nicht an Begeisterung fehlte, vor allem wenn es darum ging, ihr Wissen zu erweitern. Ganz im Gegenteil, sie waren sogar recht begierig dazuzulernen. Aber sie hatten die wahre Bedeutung der Gaben nicht verstanden, die Gott ihnen anvertraut hatte, um besser mit anderen zusammenzuleben und nicht um ihnen damit zu schmeicheln! Paulus hatte dies bereits im achten Kapitel festgestellt: „Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf” (8,1) Hier führt er diesen Gedanken nun näher aus: „Die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.” (13,4) Wo die Liebe voll zur Geltung kommt, lebt eine Gemeinschaft, kann sich entwickeln und sich – wenn nötig –erneuern. Sie ist nicht länger ein Ort endloser Streitigkeiten, Neid und Eifersucht.
Jemand schrieb einmal: „Die Liebe gibt der ansonsten unbegreiflichen Welt einen Sinn.“ (Richard B. Hays) Dies ist ein sehr schöner Gedanke. Die Liebe hat tatsächlich etwas Unbegreifliches an sich. Bei einer Auseinandersetzung genügt es nicht, an Grundsätzen festzuhalten oder herauszubekommen, wer recht hat und wer nicht. Im Leben der Kirche werden die, die lieben, die richtige Antwort finden und sich so verhalten, damit die Gemeinschaft wachsen kann. Vielleicht vergisst Paulus – im Gegensatz zu den Korinthern – nicht, dass wir noch unterwegs sind und vorangehen, so gut wir es können. Ein Glück für uns alle ist: „Die Liebe ist geduldig“.