Gedanken zur
Bibel

April 2015

Liebe und rechtes Tun

1 Korinther 13
Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke. Und wenn ich prophetisch reden könnte und alle Geheimnisse wüsste und alle Erkenntnis hätte; wenn ich alle Glaubenskraft besäße und Berge damit versetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich nichts. Und wenn ich meine ganze Habe verschenkte, und wenn ich meinen Leib dem Feuer übergäbe, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts. Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden; wenn aber das Vollendete kommt, vergeht alles Stückwerk. Als ich ein Kind war, redete ich wie ein Kind, dachte wie ein Kind und urteilte wie ein Kind. Als ich ein Mann wurde, legte ich ab, was Kind an mir war. Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin. Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.

Das Hohelied der Liebe des Apostels Paulus ist sehr bekannt. Aber lesen wir es auch so, wie es in seinem Zusammenhang gemeint war? Man kann es durchaus – wie es so oft geschieht – anlässlich einer Hochzeit lesen, aber sein eigentlicher Zusammenhang ist der des gemeinsamen Lebens einer Gemeinde. Paulus widmet das gesamte 13. Kapitel seines ersten Korintherbriefs dem Thema Liebe, weil sie für ihn den Schlüssel zum Verständnis dessen bildet, was für ein Leben in Gemeinschaft nötig ist. Darum geht es Paulus im gesamten Brief.

Man kann deutlich drei Teile dieses sogenannten Hohenlieds der Liebe unterscheiden. In den ersten drei Versen geht es um das Wesen der Liebe: ohne sie sind alle geistlichen Gaben wertlos. Im zweiten Teil (Vers 4 - 8a) führt Paulus anhand von sechzehn Begriffen die charakteristischen Eigenschaften der Liebe auf. Sieben von ihnen beschreiben die Liebe, die übrigen neun hingegen, was Liebe nicht ist. In den Versen 8b - 12 spricht Paulus schließlich von der Dauerhaftigkeit der Liebe und ihrer Überlegenheit über alle anderen geistlichen Wirklichkeiten. So kann Paulus am Ende sagen, dass die Liebe am größten ist. (V.13)

Der erste Teil ist relativ leicht verständlich und bedarf fast keines weiteren Kommentars. Der zweite Teil, die charakteristischen Eigenschaften der Liebe, ist sehr lehrreich: Paulus kommt hier auf feinsinnige Weise auf die meisten der von ihm in den vorausgegangenen Kapiteln dieses Briefes behandelten Punkte zurück. Man kann sich vorstellen, wie unangenehm es den Korinthern gewesen sein muss, von Paulus gesagt zu bekommen: „Hier ist alles aufgeführt, was ihr in eurem Leben nicht beachtet. Ihr habt bisher noch nicht die richtige Haltung zu den Fragen gefunden, die sich stellen.“ Eine dieser Fragen im vorliegenden Kapitel sind die geistlichen Gaben, die den Korinthern anvertraut wurden. Es ist wichtig festzuhalten, dass es den Korinthern diesbezüglich nicht an Begeisterung fehlte, vor allem wenn es darum ging, ihr Wissen zu erweitern. Ganz im Gegenteil, sie waren sogar recht begierig dazuzulernen. Aber sie hatten die wahre Bedeutung der Gaben nicht verstanden, die Gott ihnen anvertraut hatte, um besser mit anderen zusammenzuleben und nicht um ihnen damit zu schmeicheln! Paulus hatte dies bereits im achten Kapitel festgestellt: „Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf” (8,1) Hier führt er diesen Gedanken nun näher aus: „Die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.” (13,4) Wo die Liebe voll zur Geltung kommt, lebt eine Gemeinschaft, kann sich entwickeln und sich – wenn nötig –erneuern. Sie ist nicht länger ein Ort endloser Streitigkeiten, Neid und Eifersucht.

Jemand schrieb einmal: „Die Liebe gibt der ansonsten unbegreiflichen Welt einen Sinn.“ (Richard B. Hays) Dies ist ein sehr schöner Gedanke. Die Liebe hat tatsächlich etwas Unbegreifliches an sich. Bei einer Auseinandersetzung genügt es nicht, an Grundsätzen festzuhalten oder herauszubekommen, wer recht hat und wer nicht. Im Leben der Kirche werden die, die lieben, die richtige Antwort finden und sich so verhalten, damit die Gemeinschaft wachsen kann. Vielleicht vergisst Paulus – im Gegensatz zu den Korinthern – nicht, dass wir noch unterwegs sind und vorangehen, so gut wir es können. Ein Glück für uns alle ist: „Die Liebe ist geduldig“.

01
Welche der von Paulus in 1 Korinther 13 aufgeführten Eigenschaften der Liebe hilft mir, eine Frage besser zu verstehen, die sich mir in meinem Zusammenleben mit anderen momentan stellt?
02
Was ändert sich, wenn ich mein Zusammenleben mit anderen als eine Reise begreife, auf der ich lerne zu lieben?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“