Gedanken zur
Bibel

Januar 2015

Was vergeht und was bleibt

1 Korinther 7,29–31
Ich sage euch, Brüder: Die Zeit ist kurz. Daher soll, wer eine Frau hat, sich in Zukunft so verhalten, als habe er keine, wer weint, als weine er nicht, wer sich freut, als freue er sich nicht, wer kauft, als würde er nicht Eigentümer, wer sich die Welt zunutze macht, als nutze er sie nicht; denn die Gestalt dieser Welt vergeht.

Manche Stellen aus den Briefen des Apostels Paulus sind sehr missverständlich. Dies ist nichts Neues (vgl. 2 Petrus 3,16). Der Erste Korintherbrief ist in großen Teilen eine Antwort des Paulus auf die verschiedensten Missverständnisse: Die missverstandene Freiheit eines Christen, ein falsches Verständnis von Ehe und Zölibat, ein falsches Verständnis der Auferstehung usw. Die Christen in Korinth hatten die Lehre des Paulus im Wesentlichen auf eine Reihe eingängiger Slogans verkürzt. In seinem Brief versucht Paulus, die Dinge so gut wie möglich klarzustellen. Dies bedeutet für nicht, neue und strengere Regeln aufzustellen oder die Freiheit der Menschen zu beschränken, die sie in der Vergangenheit missbraucht hatten. Er versucht vor allen Dingen, den Christen von Korinth die Welt und das Leben mit „dem Geist Christi“ (1 Korinther 2,16) zu verstehen. Dazu gehört ein feiner Sinn für Nuancen und der Versuch, die Situation jedes einzelnen Menschen ernst zu nehmen, um diese richtig beurteilen zu können.

Wenn Paulus behauptet, „die Gestalt dieser Welt vergeht“, so möchte er nicht herabwürdigen, was menschlich ist, als ob er sagen würde: „Nichts an deinem menschlichen Leben hat einen Wert. Es kommt einzig und allein auf das Unsichtbare an.“ Wir würden auf diese Weise nicht verstehen, was Paulus wirklich sagen möchte. Er möchte nicht, dass wir die Erde verlassen und die Verantwortung leugnen, die wir als Menschen haben. Er spricht nicht wie ein weltvergessener Philosoph, der die Welt verachtet. Zunächst sollte man sich bewusst machen, dass in der Gegenwart gesprochen wird, wenn es heißt: „… die Gestalt dieser Welt vergeht.“ Paulus schreibt nicht, dass „die Welt in ihrer gegenwärtigen Gestalt vergehen wird“. Bereits in unserer momentanen Wirklichkeit bricht ein neues Leben, eine neue Schöpfung an. Unser Denken, unsere Entscheidungen, unsere Sorgen und unser Verhalten sollen dem entsprechen. Wir sollen an dieser neuen Welt Anteil haben, so als ob Paulus zu uns sagen würde: „Unsere Vorstellung von der Welt ist überholt, nicht weil die Welt ihren Wert verloren hätte, sondern weil sie im auferstanden Christus einen neuen Wert zugesprochen bekommen hat.“ Darin besteht die Botschaft des Paulus. Wer aus dieser Hoffnung lebt, wird sehen, dass sich seine Sorgen verändern. Er wir seine Aufmerksamkeit und seine Kraft auf das ausrichten, was nicht vergeht. Nicht umsonst heißt es im Dokument Gaudium et spes des Zweiten Vatikanischen Konzils (39,1), unmittelbar nachdem die Worte des Paulus von der vergehenden Welt zitiert wurden: „Die Liebe wird bleiben wie das, was sie einst getan hat.“

01
Wonach richten wir unsere Prioritäten aus? Was hilft uns zu erkennen, was vergänglich ist und was bleibt?
02
Wie kann man im Anschluss an diese Überlegungen den Vers aus dem Römerbrief 12,2 verstehen, wo es heißt: „Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch und erneuert euer Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist.“ Worin sollen wir uns wandeln?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“