Gedanken zur
Bibel

August 2023

Christus ähnlich werden

1 Johannes 3,1–3
Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir geschaut und was unsere Hände angefasst haben, das verkünden wir: das Wort des Lebens. Denn das Leben wurde offenbart; wir haben gesehen und bezeugen und verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns offenbart wurde. Was wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt. Wir aber haben Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.

Irenäus, Bischof von Lyon im zweiten Jahrhundert, fasste die Bedeutung der Inkarnation, der Menschwerdung Gottes, in einer Formel zusammen: Gott wurde Mensch, damit der Mensch Gott werde. Das Kommen Gottes auf die Erde ist also die Vorstufe zu einem anderen, noch erstaunlicheren Ereignis: Der Mensch wird Gott. Aber es ist ein Gott, der sich in der Entbehrung, der Unwissenheit und der Ohnmacht eines neugeborenen Kindes oder eines gekreuzigten Menschen offenbart.

Wir befinden uns also auf dem Weg zwischen einem Ursprung, den wir nicht ganz begreifen, und einem Ziel, das wir uns nicht vorstellen können. Dieser Weg erfordert unsere aktive Teilnahme. Wir werden mehr und mehr wir selbst, wenn wir uns der Gegenwart Christi in unserem Herzen öffnen, jenseits der Türen, die durch Angst, Versagen, Zorn oder Demütigung verschlossen sind. Christus bietet uns seinen Frieden an und sendet uns aus, diesen Frieden in allen unseren menschlichen Beziehungen zu leben, in einer von Ungerechtigkeit und Gewalt verwundeten Welt. Ja, in dem Maße, in dem wir seinen Frieden und seine Vergebung in unser Leben lassen, ist sein Geist in uns und in der Welt am Werk – und das Leben blüht auf.

Wir sind also nicht nur von hier oder von dort, nicht nur diese oder jene Person; wir sind nicht nur unser Lebenslauf, unsere Krankenakte oder unser Bankkonto; wir werden nicht durch unsere Pläne, unsere Misserfolge, unsere Ablehnung oder unsere Überzeugungen definiert. Unsere Identität offenbart sich in einer uneingeschränkten Sehnsucht, die vom Ruf und der Gabe eines anderen getragen ist. Was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden, heißt es im ersten Johannesbrief (3,2), (aber) wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Wir haben Christus bereits wie ein Kleid angelegt, haben einen neuen Namen und ein neues Gebot erhalten, die uns neue Beziehungen eröffnen. Unsere Wurzeln sind nicht nur ein kulturelles Erbe, eine Familiengeschichte, ein Schatz, der von denen weitergegeben wird, die uns den Weg öffnen. Sie liegen auch vor uns, in dem, was wir noch nicht sehen, wozu wir aber bestimmt sind. Die Umwälzungen in der Gesellschaft schaden ihnen weniger als Resignation und Trägheit, die uns von einer lebendigen Gemeinschaft mit Gott entfernen.

01
Wie hat sich meine Beziehung zu Christus im Laufe der Zeit verändert?
02
Was hilft mir, meine Gemeinschaft mit Christus zu erneuern? Meine Gemeinschaft mit anderen?
03
Wonach sehne ich mich? Wie läutert mich das?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“