Gedanken zur
Bibel

Februar 2022

Demütig und wachsam

1 Petrus 5,5b–11
Begegnet einander in Demut! Denn „Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöht, wenn die Zeit gekommen ist. Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch. Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens! Wisst, dass eure Brüder in der ganzen Welt die gleichen Leiden ertragen müssen! Der Gott aller Gnade aber, der euch in Christus zu seiner ewigen Herrlichkeit berufen hat, wird euch, die ihr kurze Zeit leiden müsst, wiederaufrichten, stärken, kräftigen und auf festen Grund stellen. Sein ist die Macht in Ewigkeit. Amen.

„Werft alle eure Sorge auf ihn, denn er kümmert sich um euch.“ Die Leser des ersten Petrusbriefs sehnten sich nach Trost. Auch wenn die Christen damals noch nicht systematisch verfolgt wurden, spricht der Verfasser dieses Briefs an einer anderen Stelle von Menschen, die „euch als Übeltäter verleumden“ (1 Petrus 2,12). Die Begeisterung nach der Auferstehung Christi war mittlerweile verschwunden und die kleine Zahl von Glaubenden musste in einer gleichgültigen und manchmal feindseligen Gesellschaft ihren Platz finden.

Es ergeht also ein doppelter Appell: zum einen demütig bleiben und zum anderen klarsichtig und wachsam sein.

In Vers 5 wird ein Satz aus dem Buch der Sprichwörter (3,34) umschrieben, der lautet: „Gott verspottet die Spötter, den Gebeugten erweist er seine Gunst.” Aber davor ermutigt er seine Leser mit diesem schönen Ausdruck: „Begegnet einander in Demut“ oder „Bekleidet euch mit Demut“, wie man die Worte ebenfalls übersetzen kann. Sie lassen an die himmlischen Wesen in leuchtenden Gewändern denken, denen die Frauen am Grab Jesu begegnet waren (vgl. Lukas 24,4), oder an die Worte des Paulus an die ersten Christen in Rom: „Legt den Herrn Jesus Christus als neues Gewand an.“ (Römer 13,14)

Das Wort „Demut“ kann missverständlich klingen, so als ob die Bibel sagen würde, dass es gut sei, gedemütigt zu werden. Es ist wichtig, dass zwischen „Demut“ und „Demütigung“ ein Unterschied besteht, und, dass Demut hier nicht bedeutet, dass manche Menschen wichtiger wären als andere und Letztere deshalb demütig zu sein hätten. Es geht darum, dass alle Menschen, auch die bedeutendsten, in der Gegenwart Gottes leben, der unendlich größer ist als alles, was wir uns vorstellen können.

Der Text ruft also zur Wachsamkeit auf, denn das Böse ist nicht nur die Abwesenheit des Guten, sondern es hat eine Eigendynamik, die uns schaden möchte. Petrus verwendet dafür das Bild eines brüllenden Löwen. Gleichzeitig wird gesagt, dass das Böse und das Leid nur „kurze Zeit“ dauern. Was bedeutet das?

Es könnte bedeuten, dass sich die Lebensumstände der Glaubenden bessern werden. Oder – auf die Endlichkeit des Lebens bezogen –, dass wir noch etwas leiden müssen, aber nach dem Tod ewiges Glück genießen. Wahrscheinlich ist jedoch, dass der Text von der unmittelbar bevorstehenden Wiederkunft Christi spricht. Das Böse und das Leid bestehen noch kurze Zeit, aber Gott wird handeln und seine Friedensherrschaft errichten.

Der vorliegende Brief wurde vor fast zweitausend Jahren geschrieben, und die Wiederkunft Christi scheint noch nicht stattgefunden zu haben. Hat sich der Verfasser getäuscht, oder möchte er uns heute etwas sagen? Ich denke, es ist wichtig zu sehen, dass die Leiden um uns herum nur von kurzer Dauer sind. Natürlich nicht, um Unrecht passiv hinzunehmen, sondern um zu erkennen, dass das Böse nicht unendlich oder unvermeidlich ist.

Was können wir also in dieser „kurzen Zeit“ tun, die wir auf Erden haben? Der Petrusbrief fordert uns auf, im Glauben standhaft zu bleiben, d. h. in dem Vertrauen zu leben, dass Gott uns ruft. Gott ruft uns auf, gegen das Böse anzugehen – in uns und in der Welt. Aber er ruft uns auch dazu auf, seine „ewige Herrlichkeit“ bereits hier auf Erden zu erfahren und in der Freude der Gemeinschaft mit Gott und mit den anderen zu leben.

01
Was bedeutet das Wort „Demut“ für mich? Wie kann ich akzeptieren, nicht der Erste zu sein, und mich gleichzeitig nicht demütigen lassen oder andere demütigen?
02
Die Christen, an die der Petrusbrief gerichtet ist, erwarteten die bevorstehende Wiederkunft Christi. Wir wissen nicht, wann er kommt: Wie können wir mit dem Paradox leben, dass auf Erden alles kurzlebig ist, und gleichzeitig Verantwortung übernehmen für die Welt, in der wir leben?
03
Wo sehe ich um mich herum Zeichen dieser „ewigen Herrlichkeit“, von der im Text die Rede ist? Wo ist die Welt, selbst im Kleinen und für kurze Zeit, schon so, wie Gott sie will?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“