Gedanken zur
Bibel

Juni 2025

Die Taufe Jesu

Markus 1,7–11
Johannes der Täufer verkündete: „Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken, um ihm die Schuhe aufzuschnüren. Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel sich öffnete und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden.“

Die Taufe Jesu deutet an, was uns im weiteren Verlauf des Evangeliums begegnet: die Offenbarung Jesu als Gottes geliebter Sohn, der in allem vom Heiligen Geist getragen ist. Abseits des Tempels, der Schriftgelehrten und der Führer des Volkes nähert sich Jesus der Menge der Büßer. Er spricht zu denen, die auf das Erbarmen Gottes angewiesen sind. Ohne Privilegien für sich zu beanspruchen, wird er eins mit ihnen und lässt sich mit ihnen taufen. Dies nimmt seine völlige Hingabe vorweg.

Als Jesus nach seiner Taufe aus dem Wasser steigt, offenbaren drei Zeichen die Bedeutung dieses Ereignisses: Erstens öffnet sich der Himmel in Vorwegnahme des Tempelvorhangs, der im Moment von Jesu Tod zerreißt: In Jesus ist jede Distanz zwischen Gott und Mensch aufgehoben. Zweitens kommt der Geist auf Jesus herab, ohne ihn zu etwas zu zwingen oder auf ihn einzuwirken, um ihn in jeder Situation zu leiten. Ohne eigenen Plänen verwirklichen zu wollen, sucht Jesus ganz nach dem Willen Gottes. Schließlich erfährt er, dass er der geliebte Sohn ist, die Freude des Vaters. Diese Vertrautheit mit dem Vater ist die Quelle, aus der Jesus die Kraft für sein Dienen schöpft. Er hat nichts anderes im Sinn, als die Hoffnung Gottes anzunehmen und sich ihr mit ganzem Herzen zu widmen. Er ist das endgültige „Ja“ zur Erwartung Gottes sein, in ein menschliches Leben hineingeboren. Diese Gemeinschaft zwischen dem Vater und dem Sohn ist bereits das Reich Gottes, das in die Welt kommt.

In Jesus den einzigen von Gott geliebten Sohn zu sehen bedeutet, einen Gott zu erkennen, der Vater ist – weder selbstgenügsam noch selbstzufrieden – und seine Freude von einem anderen erwartet. Aus Liebe setzt Gott seiner Allmacht und Allwissenheit selbst eine Grenze: Gott antwortet nicht an meiner Stelle und weiß nicht, wie ich antworten werde! Aber Gott hört nie auf, an mich zu glauben. Gott gibt aus Liebe, das heißt, ohne sich aufzudrängen, aber in der Hoffnung, dass seine Absicht erkannt wird und eine Antwort hervorruft, die von einem ähnlichen Mut beseelt ist: eine totale und freie Hingabe meines eigenen Lebens.

01
Was bedeutet es für mich, dass Jesus ganz Mensch und zugleich ganz Gott war?
02
Wie kann ich den Willen Gottes annehmen, ohne dass meine eigenen Pläne zu einem Hindernis werden?
03
Wenn Gott mich frei lässt, wie kann ich diese Freiheit nutzen?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“