Gedanken zur
Bibel

Oktober 2006

Ein Glaube, der versöhnt, nicht trennt

2 Korinther 5,14–21
Denn die Liebe Christi drängt uns, da wir überzeugt sind: Einer ist für alle gestorben; also sind alle gestorben. Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der um ihretwillen gestorben und auferweckt worden ist. So sehen wir von jetzt an niemanden mehr nur mit menschlichen Augen; auch wenn wir Christus einst so gesehen haben, so sehen wir ihn jetzt nicht mehr so. Ist also jemand in Christus, dann ist da eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden! Das alles ist von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt hat und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat. Denn Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnte, indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete, und uns das Wort von der Versöhnung anvertraute. So sind wir Gesandte an Christi statt, und Gott ermahnt durch uns; wir bitten an Christi statt: Lasst euch mit Gott versöhnen! Den, der Sünde nicht kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.

Ein Bruder, der in Brasilien lebt, kommentiert den Text auf dem Hintergrund der dortigen Lebensverhältnisse:

Ganz am Anfang der Kirche übersprangen die Christen jüdischen Ursprungs die Mauer, die sie von Christen anderer Herkunft trennte. Dies bedeutete für sie, über einige strenge Regeln in der Nahrungsaufnahme und im täglichen Verhalten hinauszugehen, die Sichtweise ihrer Beziehung zu Gott auszuweiten. Im Lauf der folgenden beiden Jahrtausende haben die Christen nicht immer die selbe Kühnheit an den Tag gelegt, wenn es galt, Kulturunterschiede in die christlichen Praxis und Lehre zu integrieren. Seit 50 Jahren wächst bei uns durch eine mächtige Welle die Zahl der Pfingstkirchen zum Schaden der traditionellen Kirchen an. Die meisten Übergetretenen kommen aus dem Armenmilieu. Nach ihrer Konversion sagen sie häufig: „Vorher war ich dies oder jenes, jetzt bin ich ein neuer Mann, eine neue Frau, weil ich Christus angenommen habe.“ Und sie zählen die Züge des „neuen Menschen“ (V.17) auf, die alle sehen und nachprüfen können: „Ich trinke nicht mehr, ich rauche nicht mehr, ich achte meine Frau, die Kinder gehen zur Schule, ich lerne lesen und schreiben, ich gehe fleißig zur Kirche...“

Unter den Mitgliedern dieser Gemeinschaften entsteht eine tiefe Beziehung. Sie helfen einander materiell wie geistig, auf dem rechten Weg zu bleiben. Den anderen Kirchen gegenüber nehmen sie aber eine eher mißtrauische ja feindliche oder verächtliche Haltung ein, als würde das Werk der Versöhnung an den Türen ihrer eigenen Gemeinde enden. Unter den Christen, in der Gesellschaft und zwischen verschiedenen Ländern besteht die natürliche Neigung, einen Standpunkt zu beziehen, die einen anzunehmen und die anderen auszuschließen. Es ist schwierig, kein Vorurteil zu haben, „keinen Menschen mehr auf menschliche Weise zu betrachten“ (V.16). Denn dies erfordert, sich seiner eigenen Begrenztheit bewusst zu werden, zu wissen, dass es in mir Seiten gibt, die andere nur schwer annehmen können.

01
Welche Vorteile habe ich trotz allem in mir?
02
Mit wem fällt mir die Versöhnung schwer? Was hindert mich daran?
03
Welche Erfahrungen mit Versöhnung habe ich gemacht?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“