Gedanken zur
Bibel
Ein Glaube, der versöhnt, nicht trennt
2 Korinther 5,14–21Ein Bruder, der in Brasilien lebt, kommentiert den Text auf dem Hintergrund der dortigen Lebensverhältnisse:
Ganz am Anfang der Kirche übersprangen die Christen jüdischen Ursprungs die Mauer, die sie von Christen anderer Herkunft trennte. Dies bedeutete für sie, über einige strenge Regeln in der Nahrungsaufnahme und im täglichen Verhalten hinauszugehen, die Sichtweise ihrer Beziehung zu Gott auszuweiten. Im Lauf der folgenden beiden Jahrtausende haben die Christen nicht immer die selbe Kühnheit an den Tag gelegt, wenn es galt, Kulturunterschiede in die christlichen Praxis und Lehre zu integrieren. Seit 50 Jahren wächst bei uns durch eine mächtige Welle die Zahl der Pfingstkirchen zum Schaden der traditionellen Kirchen an. Die meisten Übergetretenen kommen aus dem Armenmilieu. Nach ihrer Konversion sagen sie häufig: „Vorher war ich dies oder jenes, jetzt bin ich ein neuer Mann, eine neue Frau, weil ich Christus angenommen habe.“ Und sie zählen die Züge des „neuen Menschen“ (V.17) auf, die alle sehen und nachprüfen können: „Ich trinke nicht mehr, ich rauche nicht mehr, ich achte meine Frau, die Kinder gehen zur Schule, ich lerne lesen und schreiben, ich gehe fleißig zur Kirche...“
Unter den Mitgliedern dieser Gemeinschaften entsteht eine tiefe Beziehung. Sie helfen einander materiell wie geistig, auf dem rechten Weg zu bleiben. Den anderen Kirchen gegenüber nehmen sie aber eine eher mißtrauische ja feindliche oder verächtliche Haltung ein, als würde das Werk der Versöhnung an den Türen ihrer eigenen Gemeinde enden. Unter den Christen, in der Gesellschaft und zwischen verschiedenen Ländern besteht die natürliche Neigung, einen Standpunkt zu beziehen, die einen anzunehmen und die anderen auszuschließen. Es ist schwierig, kein Vorurteil zu haben, „keinen Menschen mehr auf menschliche Weise zu betrachten“ (V.16). Denn dies erfordert, sich seiner eigenen Begrenztheit bewusst zu werden, zu wissen, dass es in mir Seiten gibt, die andere nur schwer annehmen können.