Gedanken zur
Bibel

November 2015

Gott hat das Schwache erwählt

1 Korinther 1,26–31
Seht doch auf eure Berufung, Brüder und Schwestern! Da sind nicht viele Weise im irdischen Sinn, nicht viele Mächtige, nicht viele Vornehme, sondern das Törichte in der Welt hat Gott erwählt, um die Weisen zuschanden zu machen, und das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott. Von ihm her seid ihr in Christus Jesus, den Gott für uns zur Weisheit gemacht hat, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift.

In der christlichen Gemeinde von Korinth herrschten Spaltungen: Jede der verschiedenen Gruppen hielt sich für besser als die anderen. In dieser Situation spricht Paulus Worte, die für jeden Christen von Bedeutung sind. Zunächst fordert er die Glaubenden von Korinth auf, die Situation ihrer Gemeinde ins Auge zu fassen: „Seht auf eure Berufung…!“. Sie sollen zunächst einmal sehen, dass die meisten unter ihnen weder Rang noch Namen haben und in der Gesellschaft keine besondere Rolle spielen.

Dann spricht Paulus davon, wen Gott „erwählt“ hat, nämlich Menschen, die niemanden beeindrucken. Damit möchte er zeigen, dass das, worauf es der Gesellschaft ankommt, für Gott nicht viel zählt. Gott hat das erwählt, was nach den üblichen Maßstäben gar nicht existiert und für das die üblichen Maßstäbe nicht gelten.

Doch diese von Gott vollzogene Umkehr der Werte hat noch einen zweiten Aspekt: Gott gibt dem einen Platz, was zuvor überhaupt nicht existierte. In den Augen Gottes haben die von der Gesellschaft Verachteten ihren Wert. „Von ihm her seid ihr in Christus Jesus.“ Er ist der Einzige, auf den es ankommt, durch ihn und in ihm haben alle Menschen ihren Wert.

Dies soll unseren Blick umkehren. Denen, die Gott erwählt hat, die für gewöhnlich nicht geschätzt werden, können wir nicht länger gleichgültig gegenüberstehen. Es kommt nicht auf die besonders beeindruckenden Eigenschaften eines Menschen an, sondern einzig und allein darauf, was ein Mensch durch Gott in Christus ist.

Aber wir können auch uns selbst mit anderen Augen sehen. Wir brauchen als Einzelpersonen, als Gruppe, Gemeinschaft oder Kirche die anderen nicht zu beeindrucken. Entscheidend ist, dass wir durch Gott in Christus sind. Wir brauchen nicht zu behaupten, besser als andere zu sein oder unsere Schwächen überspielen. Christus ist unsere Stärke oder, um es mit den Worten von Paulus zu sagen: „Gott hat (ihn) für uns zur Weisheit gemacht, zur Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung.“

Die Worte des Paulus an die Korinther laden auch uns dazu ein, dass wir uns ändern. Gott hat das Schwache erwählt, damit wir uns von unserem Trennungen schaffenden Bedürfnis nach Selbstbestätigung befreien. Wir sollen fähig werden, Einheit zu stiften, um dem anderen seinen Platz zu geben. Damit rühmen wir Gott, wie Paulus sagt.

01
Gibt es in meiner Gemeinde Menschen, auf die wir zugehen müssten? Wer? Könnte ich mich selbst mehr einbringen?
02
Was schafft Spaltungen in meiner Gemeinde? Wie können diese überwunden werden?
03
Welche Anregungen gibt uns der Text, um gemeinsam mit anderen Gott zu rühmen?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“