Gedanken zur
Bibel

Januar 2008

Lebendige Steine

1 Petrus 2,4–6.9–10
Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein, der von den Menschen verworfen, aber von Gott auserwählt und geehrt worden ist. Laßt euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen. Denn es heißt in der Schrift: Seht her, ich lege in Zion einen auserwählten Stein, einen Eckstein, den ich in Ehren halte; wer an ihn glaubt, der geht nicht zugrunde. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat. Einst wart ihr nicht sein Volk, jetzt aber seid ihr Gottes Volk; einst gab es für euch kein Erbarmen, jetzt aber habt ihr Erbarmen gefunden.

Jahrhundertelang war der Tempel in Jerusalem Mittelpunkt des religiösen Lebens des Volkes Israel. Das beeindruckende Gebäude auf dem Berg Zion war Ort der Gegenwart Gottes, an dem Priester aus dem Geschlecht Aarons im Namen des Volkes Gott Opfer darbrachten. Durch diese Tier- und Speiseopfer wollten die Gläubigen ganz in der Nachfolge ihres Herrn aufgehen und Gott etwas von dem zurückgeben, was sie durch seine Großzügigkeit erhalten hatten. Sie sollten Ausdruck ihres Danks sein.

Der Verfasser des Petrusbriefes, eine Persönlichkeit der frühen Kirche, möchte den Glauben Menschen nahebringen, die nicht dem Judentum entstammen. Er benützte Elemente der alten Religion in abgewandelter Form. So sollten diese Menschen besser verstehen lernen, was es heißt, Jünger Jesu Christi zu sein.

Mit Worten der Vergebung, die Gott durch den Propheten Hosea an sein treuloses Volk gerichtet hatte (vgl. Hosea 1-2), macht der Apostel seine Zuhörer klar, dass sie zu diesem von Gott erwählt Volk gehören, um Zeuge seiner Liebe in der Welt zu sein. Und dies nicht aus eigenem Verdienst, sondern ausschließlich durch Gottes Barmherzigkeit, die im Kommen Jesu Christi für die Menschen greifbar wurde.

Für Christen ist Gott nicht an einem bestimmten Ort oder Gebäude gegenwärtig, sondern in Menschen. Dies zunächst in Christus, der auch als „wahrer Tempel“, als Ort der Begegnung mit Gott beschrieben wird (s. Johannes 2,21) und hier besonders als „Schlussstein“ dieses Tempels. Die Jünger sind lebendige Steine, die mit ihm zusammen das Haus Gottes bilden. Gleichzeitig werden sie mit Priestern verglichen, die in diesem neuen Tempel ihren Dienst tun. Anders gesagt, durch das Leben der christlichen Gemeinde, sofern sie ihrem Gründer treu bleibt, wird die Welt das wahre Wesen Gottes erkennen und mit ihm in Beziehung treten. Daher ist es so wichtig, dass Christen durch ihr Leben ein wahres Abbild des unsichtbaren Gottes durchscheinen lassen. Dies tun sie vor allem durch ihre gegenseitige Liebe, die sich allen zuwendet.

01
Was heißt für uns „zu Christus kommen“, der doch nicht mehr unter uns auf Erden lebt?
02
Wie können wir immer mehr in Dankbarkeit Gott gegenüber leben, der uns „aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat“?
03
Wodurch wird unser Leben zu einem Zeichen der Gegenwart des unsichtbaren Gottes?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“