Gedanken zur
Bibel
Lebendige Steine
1 Petrus 2,4–6.9–10
Jahrhundertelang war der Tempel in Jerusalem Mittelpunkt des religiösen Lebens des Volkes Israel. Das beeindruckende Gebäude auf dem Berg Zion war Ort der Gegenwart Gottes, an dem Priester aus dem Geschlecht Aarons im Namen des Volkes Gott Opfer darbrachten. Durch diese Tier- und Speiseopfer wollten die Gläubigen ganz in der Nachfolge ihres Herrn aufgehen und Gott etwas von dem zurückgeben, was sie durch seine Großzügigkeit erhalten hatten. Sie sollten Ausdruck ihres Danks sein.
Der Verfasser des Petrusbriefes, eine Persönlichkeit der frühen Kirche, möchte den Glauben Menschen nahebringen, die nicht dem Judentum entstammen. Er benützte Elemente der alten Religion in abgewandelter Form. So sollten diese Menschen besser verstehen lernen, was es heißt, Jünger Jesu Christi zu sein.
Mit Worten der Vergebung, die Gott durch den Propheten Hosea an sein treuloses Volk gerichtet hatte (vgl. Hosea 1-2), macht der Apostel seine Zuhörer klar, dass sie zu diesem von Gott erwählt Volk gehören, um Zeuge seiner Liebe in der Welt zu sein. Und dies nicht aus eigenem Verdienst, sondern ausschließlich durch Gottes Barmherzigkeit, die im Kommen Jesu Christi für die Menschen greifbar wurde.
Für Christen ist Gott nicht an einem bestimmten Ort oder Gebäude gegenwärtig, sondern in Menschen. Dies zunächst in Christus, der auch als „wahrer Tempel“, als Ort der Begegnung mit Gott beschrieben wird (s. Johannes 2,21) und hier besonders als „Schlussstein“ dieses Tempels. Die Jünger sind lebendige Steine, die mit ihm zusammen das Haus Gottes bilden. Gleichzeitig werden sie mit Priestern verglichen, die in diesem neuen Tempel ihren Dienst tun. Anders gesagt, durch das Leben der christlichen Gemeinde, sofern sie ihrem Gründer treu bleibt, wird die Welt das wahre Wesen Gottes erkennen und mit ihm in Beziehung treten. Daher ist es so wichtig, dass Christen durch ihr Leben ein wahres Abbild des unsichtbaren Gottes durchscheinen lassen. Dies tun sie vor allem durch ihre gegenseitige Liebe, die sich allen zuwendet.