Gedanken zur
Bibel
Liebe baut auf
1 Korinther 8,1–13
Haben wir das Recht, Speisen zu essen, die Götzen geopfert wurden? Die Stadt Korinth war überwiegend heidnisch; es gab viele Tempel. Den Göttern wurden Tiere geopfert, und das Fleisch wurde bei heiligen Mahlzeiten verzehrt oder auf dem Markt verkauft. Ob bei einem Geschäftstreffen mit nichtchristlichen Partnern oder bei einem Fest, es gab viele Gelegenheiten, dieses Fleisch vorgesetzt zu bekommen. Für wohlhabende Christen konnte es sogar von Vorteil sein, gute Beziehungen nicht durch religiöse Skrupel aufs Spiel zu setzen.
Diese Christen könnten ihr Verhalten ganz einfach rechtfertigen: Es gibt nur einen Gott, daher hat es keine Bedeutung, dass das Fleisch Götzen geopfert wurde. Mehr noch: Es als etwas Besonderes zu betrachten, würde den heidnischen Göttern eine falsche Bedeutung geben, was ein schwerer Fehler wäre.
Paulus bestätigt dieses Argument in einer langen Streitrede, stellt jedoch fest, dass einigen Christen diese unbestreitbare Wahrheit nicht einleuchtet. Ihr begrenzter Verstand und Glauben geben diesem Fleisch eine Bedeutung, die es nicht hat.
Die Starken können mit ihren Argumenten schwache Menschen zum Straucheln bringen, die Christus doch durch seine Auferstehung aufgerichtet hat und mit denen er sich durch seinen Tod am Kreuz identifiziert. Eine ethische Entscheidung, die nur von Argumenten – und seien sie noch so richtig – geleitet wird, kann dazu führen, dass man gegen Christus sündigt.
Durch seinen Tod hat sich Christus auf die Ebene der Schwachen begeben und ihnen durch seine Auferstehung eine unvergleichliche Würde verliehen. Indem er allen Menschen zum Bruder wurde, hat er uns zu Brüdern und Schwestern gemacht. Deshalb tut jeder, der einen schwachen Bruder oder eine schwache Schwester zu Fall bringt, genau das Gegenteil von dem, was Jesus am Kreuz getan hat, auch wenn er sachlich korrekt handelt.
Die Antwort findet sich bereits im ersten Vers des Kapitels: Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Im gemeinsamen Leben der Christen ist die geschwisterliche Liebe ein stabileres und gesünderes Fundament als jede Erkenntnis. Natürlich lehnt Paulus Erkenntnis im Glauben nicht ab. Er lobt die Erkenntnis der Korinther (1,5) und er weiß sehr wohl, dass Erkenntnis die Gemeinschaft „aufbauen“ kann (siehe Kap. 14). Außerdem: Wenn Paulus gegen Erkenntnis wäre, hätte er dann so viel Zeit und Energie darauf verwendet, zu lehren? Das Problem ist nie die Erkenntnis an sich, sondern die Illusion, dass sie von der Liebe befreit (13,2). Letztlich zählt die Liebe, sie hat Bestand (13,13). Jede Tat der Liebe, die wir in der Nachfolge Christi vollbringen, ist ewig und wird bleiben, weil sie ein Abbild der vollkommenen Liebe ist, die uns Christus am Kreuz erwiesen hat.