Gedanken zur
Bibel

Mai 2023

Liebe baut auf

1 Korinther 8,1–13
Nun zur Frage des Götzenopferfleisches: Gewiss, wir alle haben Erkenntnis. Doch die Erkenntnis macht aufgeblasen, – die Liebe dagegen baut auf. Wenn einer meint, er sei zur Erkenntnis gelangt, hat er noch nicht so erkannt, wie man erkennen muss. Wer aber Gott liebt, der ist von ihm erkannt. Was nun das Essen von Götzenopferfleisch angeht, so wissen wir, dass es keine Götzen gibt in der Welt und keinen Gott außer dem einen. Und selbst wenn es im Himmel oder auf der Erde sogenannte Götter gibt – und solche Götter und Herren gibt es viele –, so haben wir doch nur einen Gott, den Vater. Von ihm stammt alles, und wir leben auf ihn hin. Und einer ist der Herr: Jesus Christus. Durch ihn ist alles, und wir sind durch ihn. Aber nicht alle haben die Erkenntnis. Einige, die von ihren Götzen nicht loskommen, essen das Fleisch noch als Götzenopferfleisch, und so wird ihr schwaches Gewissen befleckt. Zwar kann uns keine Speise vor Gottes Gericht bringen. Wenn wir nicht essen, verlieren wir nichts, und wenn wir essen, gewinnen wir nichts. Doch gebt acht, dass diese eure Freiheit nicht den Schwachen zum Anstoß wird. Wenn nämlich einer dich, der du Erkenntnis hast, im Götzentempel beim Mahl sieht, wird dann nicht sein Gewissen, da er schwach ist, verleitet, auch Götzenopferfleisch zu essen? Der Schwache geht an deiner Erkenntniszugrunde, er, dein Bruder, für den Christus gestorben ist. Wenn ihr euch auf diese Weise gegen eure Brüder versündigt und ihr schwaches Gewissen verletzt, versündigt ihr euch gegen Christus. Wenn darum eine Speise meinem Bruder zum Anstoß wird, will ich überhaupt kein Fleisch mehr essen, um meinem Bruder keinen Anstoß zu geben.

Haben wir das Recht, Speisen zu essen, die Götzen geopfert wurden? Die Stadt Korinth war überwiegend heidnisch; es gab viele Tempel. Den Göttern wurden Tiere geopfert, und das Fleisch wurde bei heiligen Mahlzeiten verzehrt oder auf dem Markt verkauft. Ob bei einem Geschäftstreffen mit nichtchristlichen Partnern oder bei einem Fest, es gab viele Gelegenheiten, dieses Fleisch vorgesetzt zu bekommen. Für wohlhabende Christen konnte es sogar von Vorteil sein, gute Beziehungen nicht durch religiöse Skrupel aufs Spiel zu setzen.

Diese Christen könnten ihr Verhalten ganz einfach rechtfertigen: Es gibt nur einen Gott, daher hat es keine Bedeutung, dass das Fleisch Götzen geopfert wurde. Mehr noch: Es als etwas Besonderes zu betrachten, würde den heidnischen Göttern eine falsche Bedeutung geben, was ein schwerer Fehler wäre.

Paulus bestätigt dieses Argument in einer langen Streitrede, stellt jedoch fest, dass einigen Christen diese unbestreitbare Wahrheit nicht einleuchtet. Ihr begrenzter Verstand und Glauben geben diesem Fleisch eine Bedeutung, die es nicht hat.

Die Starken können mit ihren Argumenten schwache Menschen zum Straucheln bringen, die Christus doch durch seine Auferstehung aufgerichtet hat und mit denen er sich durch seinen Tod am Kreuz identifiziert. Eine ethische Entscheidung, die nur von Argumenten – und seien sie noch so richtig – geleitet wird, kann dazu führen, dass man gegen Christus sündigt.

Durch seinen Tod hat sich Christus auf die Ebene der Schwachen begeben und ihnen durch seine Auferstehung eine unvergleichliche Würde verliehen. Indem er allen Menschen zum Bruder wurde, hat er uns zu Brüdern und Schwestern gemacht. Deshalb tut jeder, der einen schwachen Bruder oder eine schwache Schwester zu Fall bringt, genau das Gegenteil von dem, was Jesus am Kreuz getan hat, auch wenn er sachlich korrekt handelt.

Die Antwort findet sich bereits im ersten Vers des Kapitels: Erkenntnis macht aufgeblasen, die Liebe dagegen baut auf. Im gemeinsamen Leben der Christen ist die geschwisterliche Liebe ein stabileres und gesünderes Fundament als jede Erkenntnis. Natürlich lehnt Paulus Erkenntnis im Glauben nicht ab. Er lobt die Erkenntnis der Korinther (1,5) und er weiß sehr wohl, dass Erkenntnis die Gemeinschaft „aufbauen“ kann (siehe Kap. 14). Außerdem: Wenn Paulus gegen Erkenntnis wäre, hätte er dann so viel Zeit und Energie darauf verwendet, zu lehren? Das Problem ist nie die Erkenntnis an sich, sondern die Illusion, dass sie von der Liebe befreit (13,2). Letztlich zählt die Liebe, sie hat Bestand (13,13). Jede Tat der Liebe, die wir in der Nachfolge Christi vollbringen, ist ewig und wird bleiben, weil sie ein Abbild der vollkommenen Liebe ist, die uns Christus am Kreuz erwiesen hat.

01
Kann ich Paulus zustimmen? Warum oder warum nicht?
02
Wo riskieren wir heute Spaltungen, weil wir darauf bestehen, um jeden Preis Recht zu haben? Wie kann man das Streben nach Vertrauen mit der Offenheit gegenüber Andersdenkenden und der Sorge um die Schwächeren verbinden?
03
Wie kann uns das Beispiel des gekreuzigten Christus helfen, Einheit zu stiften?

... der vergangenen Monate:

Avril 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“