Gedanken zur
Bibel

August 2026

Worte des Lebens

Matthäus 7,24–27
Jesus sagte: Wer diese meine Worte hört und danach handelt, ist wie ein kluger Mann, der sein Haus auf Fels baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es nicht ein; denn es war auf Fels gebaut. Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute. Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.

Dieses Gleichnis bildet den Abschluss der „Bergpredigt“ (Matthäus 5–7), eines der zentralen Dokumente der Lehre Jesu. Wie ist diese „Predigt“ zu verstehen? Als ein Ideal, das uns aus der Ferne inspiriert? Als Verhaltenskodex? Als eine Reihe etwas willkürlicher Gebote, die ohne wirklich ersichtlichen Grund befolgt werden sollen? – Nein, der Vergleich wird mit dem Bau eines Hauses gezogen, in dem man wohnen kann: Das Ziel der Lehre Christi ist es, unser Leben zu einem Ort zu machen, an dem wir wir selbst sein können, an dem wir uns zu Hause fühlen, ohne befürchten zu müssen, dass es plötzlich zusammenbricht. Es geht um unsere tiefste Geborgenheit.

Das Gleichnis vergleicht zwei Bauherren: den einen, der ein solides Fundament legt, und den anderen, der auf die unsichtbare, aber notwendige Grundlage seines Hauses verzichtet, um schnelle Ergebnisse zu erzielen. Der Unterschied ist nicht sofort erkennbar, doch früher oder später zeigt sich, dass eines der Häuser trotz des äußeren Anscheins völlig unsicher ist. Die beiden Baumeister stehen für zwei mögliche Haltungen von Menschen, die „die Worte Christi hören“: Der Unterschied zwischen ihnen besteht darin, dass der eine „die Worte in die Tat umsetzt“, während der andere dies nicht tut. Erst wenn wir nach den Worten Christi handeln, finden wir einen festen Grund, eine Sicherheit, die auf keine andere Weise zu erlangen ist.

Das ist sowohl eine Herausforderung und eine Ermutigung zugleich. Wie können wir diese Herausforderung annehmen und „die Worte Christi in die Tat umsetzen“? Es ist sicherlich nicht der beste Weg, alles im Evangelium verstehen zu wollen, noch bevor wir überhaupt anfangen. Genauso wenig ist es sinnvoll, sich auf einen Teil seiner Lehre zu konzentrieren, der uns unmöglich oder unverständlich erscheint, sich darin zu verheddern und so zum Stillstand zu kommen. Wichtig ist, einfach, aber unverzüglich mit dem Wenigen zu beginnen, das wir von seinen Worten verstehen, so klein der erste unmittelbare Schritt auch sein mag. Und wenn wir feststellen, dass wir vergessen haben oder versagt haben, ist es stets möglich, ganz einfach von vorne anzufangen, „niemals entmutigt, weil immer vergeben“, wie Frère Roger es ausdrückte.

Christus weiß, dass wir nicht alles verstehen und dass wir ihm als arme Menschen nachfolgen. Tatsächlich kommen uns die ersten Worte der Bergpredigt (Matthäus 5,3) in unserer Unzulänglichkeit entgegen: „Selig sind die Armen im Geiste, denn ihnen gehört das Himmelreich.“ Das Erste, was er von uns erwartet, ist ganz einfach, uns von ihm selig erklären zu lassen.

Die Worte Christi sind keine Regeln, die wir auf unser Leben anwenden könnten; sie sind eine Kraft, die unser Leben von innen heraus stärken kann. Diese Kraft lässt sich weder dadurch entdecken, dass wir sie lediglich als äußeres Gesetz betrachten, noch dadurch, dass wir sie abstrakt verstehen; vielmehr können wir darauf achten, wo sie bei uns einen Nerv treffen, wo sie – wenn auch nur schwach – ein spontanes „Ja, das stimmt!“ hervorrufen. Und dann darauf zu achten, dass uns das – zunächst vielleicht nur in ganz kleinen Schritten – etwas nahebringt, was wir heute tun könnten.

01
Worauf verlasse ich mich, wenn es um Sicherheit und Halt in meinem Leben geht?
02
Welche Worte aus der Bergpredigt (oder andere Worte Christi) sprechen mich besonders an?
03
Wie könnte ich diese Worte heute in die Tat umsetzen? Welche kleinen, konkreten Schritte könnte ich tun?

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“