Gedanken zur
Bibel

Oktober 2026

Ausdauer in der Solidarität

Römer 15,1-7
Wir müssen als die Starken die Schwäche derer tragen, die schwach sind, und dürfen nicht für uns selbst leben. 2 Jeder von uns soll Rücksicht auf den Nächsten nehmen, um Gutes zu tun und (die Gemeinde) aufzubauen. 3 Denn auch Christus hat nicht für sich selbst gelebt; in der Schrift heißt es vielmehr: Die Schmähungen derer, die dich schmähen, haben mich getroffen. 4 Und alles, was einst geschrieben worden ist, ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben. 5 Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch die Einmütigkeit, die Christus Jesus entspricht, 6 damit ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus, einträchtig und mit einem Munde preist. 7 Darum nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes.

Das christliche Leben, so wie Paulus es hier beschreibt, ist weder ein Weg der individuellen Selbstverwirklichung, in der unsere eigenen Bedürfnisse im Vordergrund stehen, noch eine Ideologie, in der unsere Persönlichkeit in irgendein vorgegebenes Schema gepresst wird. Es ist eine Gemeinschaft von Menschen, die in der Nachfolge Christi ihre eigene Persönlichkeit entfalten, indem sie völlig auf die anderen eingehen.

In bestimmten Phasen des Lebens gelingt dies fast von alleine: in Zeiten spontaner Freude über das gemeinsame Leben als Jünger Christi, das einem einen Vorgeschmack vom Reich Gottes geben kann. Aber in anderen Momenten des Lebens verlangt diese Einheit, dass wir uns bewusst dafür einsetzen oder sogar kämpfen. Sobald wir den Eindruck haben, dass die Persönlichkeit oder die Denkweise anderer Glaubender mit der Unseren nicht vereinbar ist, stehen wir in der Versuchung, unseren Standpunkt anderen aufzudrängen; oder wir können dazu neigen, auf Distanz zu gehen und uns auf unsere kleine Gruppe von Menschen zurückzuziehen, die genauso denken wie wir. Aber die Kirche Christi ist keine Gruppe, deren Mitglieder alle der gleichen Meinung sind. Es ist eine Gemeinschaft sehr verschiedener Menschen, die natürlicherweise nicht unbedingt gut miteinander auskommen, aber die dazu berufen sind, dem selben Herren nachzufolgen.

Paulus fordert uns also auf, die Schwächen der anderen zu „tragen“ (V. 1), „einander anzunehmen“ (V. 7), „Rücksicht zu nehmen“ (V. 2) und einander Freude zu bereiten. Wenn wir nicht uns selbst sondern Christus an die erste Stelle setzen und denen eine Freude bereiten, mit denen wir im ersten Moment nicht unbedingt gerne zusammen sind, so ist dies ein sicheres Zeichen dafür, dass wir Christus nachfolgen. Paulus ermutigt uns dazu, indem er uns darauf hinweist, dass Christus selbst genau dies tat und dadurch eine Lehre erfüllt, die bereits aus dem Alten Testament kommt (in Vers 3 zitiert Jesus Psalm 69).

Diese radikale Solidarität erfordert „Geduld” und „Ausdauer“, die sehr viel mit Trost und Hoffnung zu tun haben (V. 4-5). Heute sind viele Menschen vereinsamt und leiden daran, in ihrem Leben nicht treu geblieben zu sein (durch eigene Schuld oder die von anderen); es fällt ihnen schwer, mit Hoffnung in die Zukunft zu schauen. Die Ausdauer, von der Paulus spricht, ist keine leichte Entscheidung, sondern möchte diese tiefen Wunden reinigen und heilen. Auf diese Weise können Schwierigkeiten im Zusammenleben zum Ausgangspunkt für eine viel radikalere Einheit werden: Sie geben uns die Gelegenheit, Gott vieles von dem zu überlassen, woran wir persönlich hängen – so wie Christus dies tat. Dieses vertrauensvolle Gott-Überlassen schafft eine viel tiefere Einheit, als wenn wir alle nur die gleiche Meinung und persönliche Vorlieben hätten. Das ist, was Paulus als „Gott mit einem Munde zu preisen“ beschreibt. Beides führt uns zu einer Freude, die uns dankbar macht und anderen Menschen zeigen kann, wie Gott ist.

01
Kenne ich jemanden, der die Schwächen seiner Mitchristen „trägt“, obwohl dies nicht leicht ist, und der dadurch etwas von Gott durchscheinen lässt?
02
Wessen Schwächen bin ich aufgerufen „zu tragen“? Welche Bibelstelle macht mir dabei Mut?
03
Habe ich schon einmal erlebt, dass „geduldige Ausdauer“ im Ertragen eines anderen zur Freude führt?

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“