Gedanken zur
Bibel

November 2026

Das Wort in die Tat umsetzen

Jakobus 1,19–27
Denkt daran, meine geliebten Brüder und Schwestern: Jeder Mensch soll schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden und nicht schnell zum Zorn bereit; denn im Zorn tut der Mensch nicht das, was vor Gott recht ist. Darum legt alles Schmutzige und Böse ab, seid sanftmütig und nehmt euch das Wort zu Herzen, das in euch eingepflanzt worden ist und das die Macht hat, euch zu retten. Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. Wer das Wort nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein. Wer meint, er diene Gott, aber seine Zunge nicht im Zaum hält, der betrügt sich selbst und sein Gottesdienst ist wertlos. Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.

In einer Welt, in der wir mit Botschaften aller Art überflutet werden, geht die Stimme des Evangeliums manchmal unter. Aus verschiedenen Gründen ist die Frohe Botschaft von Jesus Christus für die meisten Menschen unzugänglich geworden. Wie können wir in diesem Zusammenhang unseren Mitmenschen helfen, Gottes Wort zu hören?

Der Jakobusbrief, der für die christlichen Gemeinden in der Diaspora außerhalb Palästinas verfasst wurde, hat in unserer multikulturellen, säkularisierten und globalisierten Welt nichts von seiner Aktualität verloren. Er betont die Bedeutung der Werke, also der tätigen Liebe. Wir können nicht nur auf das Wort hören, sondern müssen auch danach handeln.

Jakobus fordert seine Leser auf, „schnell bereit sein zu hören, aber zurückhaltend im Reden“. Die Bedeutung des Zuhörens für den Frieden auf allen Ebenen der Gesellschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Diese Tugend ist für alle Verantwortungsträger umso notwendiger. „Nicht schnell zum Zorn bereit“ zu sein (V. 19) erinnert uns daran, dass „Gott langsam zum Zorn und reich an Gnade ist“ (Psalm 103,8). Natürlich kann es einen heiligen und gerechtfertigten Zorn geben. Wir haben guten Grund, empört zu sein über Unrecht, das den Schwachen in der Gesellschaft angetan wird, über den Missbrauch Unschuldiger. Doch wenn wir missverstanden oder zu Unrecht beschuldigt werden, löst Zorn in den meisten Fällen nichts. Er fördert weder unsere Beziehung zu anderen noch den Frieden in unserem eigenen Herzen. In einer Beziehung durchzuhalten, anstatt wütend zu werden, bereitet den Boden für das Wort Gottes.

Das Wort ist in der Tat bereits in uns gesät (V. 21). Es ist eine frohe Botschaft: Christus hat uns geliebt und sich für uns Gott hingegeben (Epheser 5,2). Wir können in Liebe leben, weil er uns zuerst geliebt hat. Wir müssen dieses Wort des Lebens und der Wahrheit als kostbaren Schatz annehmen, da es unser Leben retten kann (V. 21). Das Wort anzunehmen bedeutet auch, es in die Tat umzusetzen. Es reicht nicht aus, darüber nachzudenken oder darüber zu meditieren. Später im Brief wird der Zusammenhang zwischen Glauben und Handeln näher erläutert (2,14–26). In einer anderen Sprache als die des Paulus sagt Jakobus, dass die Menschen durch ihre Werke gerechtfertigt werden und nicht allein durch ihren Glauben (2,24). Dies ist ein Thema, das seit der Reformation viele Kontroversen und Spaltungen hervorgerufen hat. Die Position des Jakobus steht jedoch nicht unbedingt im Widerspruch zu dem, was Paulus gesagt hat. Auch für Paulus gilt: Was zählt, ist der Glaube, der durch die Liebe wirkt. (Vgl. Galater 5,6)

Für Jakobus ist die Umsetzung der Liebe eng mit der Anbetung Gottes verbunden (V. 27). Die Solidarität mit den Armen ist nicht nur eine ethische Verpflichtung, sondern auch ein Weg, dem Herrn zu begegnen, der sich mit den Geringsten unter den Geringsten gleichgesetzt hat (vgl. Matthäus 25,40). Man kann Handeln und Gebet, Kampf und Kontemplation, Solidarität und inneres Leben nicht voneinander trennen. Wahre Religion ist niemals eine Flucht vor den Realitäten des Lebens. Für Jakobus steht die Ablehnung der weltlichen Dinge im Einklang mit dem Engagement für die Armen in Not (V. 27).

In konkrete Taten der Liebe umgesetzt, kann die Sprache des Glaubens ihre Kraft und Bedeutung wiederentdecken. Dann können die Worte des Evangeliums die Herzen der Menschen auch außerhalb unserer Kirchen berühren und ihr Leben verändern.

01
Wie können wir lernen, „schnell zu hören, aber langsam zu sprechen“? Was hilft mir, mit Wut umzugehen?
02
Wer sind für uns heute „die Waisen und Witwen in Not“? Wo ist es dringend geboten, Solidarität in unserem Umfeld und in der Welt zu zeigen?
03
„Ubi caritas Deus ibi est“ (Wo Nächstenliebe und Liebe herrschen, da ist Gott). Wann habe ich das erlebt? Wer sind die Menschen, deren Leben dies widerspiegelt?

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.