Gedanken zur
Bibel

September 2026

Was wollt ihr?

Johannes 1,35-42
Johannes richtete seinen Blick auf Jesus und sagte: „Seht, das Lamm Gottes!‟ Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, fragte er sie: „Was wollt ihr?‟ Sie sagten zu ihm: „Rabbi - das heißt übersetzt: Meister - wo wohnst du?‟ Er antwortete: „Kommt und seht!‟ Da gingen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: „Wir haben den Messias gefunden.‟ Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: „Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen.‟ Kephas bedeutet: Fels (Petrus).

„Was wollt ihr?‟ Das sind die ersten Worte Jesu im Johannesevangelium. Er richtet diese Frage an die ersten zwei Jünger, die für die ersten Christen und all die stehen, die Christus nachfolgen wollen.

Der Text beginnt mit dem Bericht von Johannes dem Täufer, der das Kommen Christi sehnsüchtig erwartet. Dies lässt ihn die Ereignisse auf einer tieferen Ebene begreifen. Er sieht Jesus nicht nur im Vorbeigehen, sondern versucht, in dessen Geheimnis einzudringen, und will, dass seine Jünger dasselbe tun.

Wenn Johannes der Täufer Jesus „Lamm Gottes“ nennt, erkennt er in ihm den, der Gottes Worte und Verheissung erfüllen wird. Wie in den Texten des Propheten Jesaja die Gestalt des Gottesknechtes, der das Leiden des Volkes Gottes auf sich nimmt und trotz seiner Unschuld wie ein Lamm geschlachtet wird (s. Jesaja 52,13-53,12) und zum Pascha-Lamm wird, dem Symbol der Erlösung Israels (s. Exodus 12,1-28), so wird auch Jesu Leben, das er aus Liebe hingab, die Menschheit erlösen. Überraschenderweise wird Jesus als Retter der Welt mit einem Lamm verglichen, mit einer einfachen und verletzlichen Kreatur.

Jesus kommt vorbei. Wie so oft im Neuen Testament ist Jesus auch hier ein Pilger. Er steht nicht einfach da; er weiß, dass sein Leben einen Zweck hat. Wer ihn kennenlernen will, muss mit ihm gehen.

Die Reaktion der beiden Jünger des Johannes kommt sehr schnell. Sie hören, sehen und folgen ihm. Wird der Glaube nicht auf diese Weise weitergegeben? Wir hören die Gute Nachricht von Jesus, sehen das Leben der christlichen Gemeinde und entscheiden uns, ihm nachzufolgen. Im Gegensatz zu den ersten Jüngern, wie sie in den anderen Evangelien beschrieben werden, waren die beiden Jünger hier bereits auf der Suche. Das macht sie vielen Menschen heute ähnlicher.

Jesus merkt, dass ihm jemand folgt. Es ist ein entscheidender Augenblick. Er dreht sich um und fragt: „Was wollt ihr?‟ Das ist eine grundsätzliche Frage, die jedem Christen und jedem Menschen überhaupt gestellt ist. Wir leben in einer Welt, in der wir zwischen vielen Möglichkeiten wählen können. Aber wissen wir wirklich, was wir wollen? Sind wir in Übereinstimmung mit unseren tiefsten und ehrlichsten Wünschen? Diese Frage klingt simpel, wenn man sie aber ernstnimmt, kann die Antwort unser Leben verändern.

Jesus stellt diese Frage zwei Menschen, die bereits einen „Meister“ haben, Johannes den Täufer. Eine zweite Frage schwingt mit: Warum habt ihr euren ersten Meister verlassen? Was seht ihr so besonderes in mir? Was kann ich euch bieten?

Jesus nimmt diese beiden Menschen ernst und ermöglicht ihnen, ihre Wünsche zu formulieren. Vielleicht kann sich auch in uns, wenn man uns ernst nimmt und uns zuhört, etwas verwandeln. Die Jünger antworten mit einer Gegenfrage: „Rabbi, wo wohnst du?“

Es geht hier nicht um Jesu Wohnort; sie fragen nicht nach seiner Adresse. Die Frage ist an einen „Rabbi (Lehrer)“ gerichtet, das heisst, sie sehen in Jesus einen Führer, der sie etwas lehren kann und dem sie nachfolgen wollen. In der Bibel heißt das Wort „jemandem nachfolgen“ viel mehr, als einfach nur hinter jemandem herlaufen. Es bedeutet, das Leben von jemandem zu teilen, ihn sehr persönlich zu kennen, ihm ähnlich zu werden.

Im Johannesevangelium hat das Wort „wohnen, bleiben, verweilen“ eine besondere Bedeutung. Wo ein Mensch wohnt gibt Auskunft darüber, wo seine Wurzeln liegen. Jesus sagt einmal zu seinen Jüngern: „Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben, so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ (Johannes 15,10). Jesus „bleibt‟ in der Liebe seines Vaters, er wächst aus der Liebe, die ihn mit dem Vater verbindet. Das ist das Geheimnis seines Lebens, das ihm Sinn verleiht. Mit ihrer Frage „Wo wohnst du?‟ möchten die Jünger an dieser einmaligen Beziehung zwischen Jesus und Gott teilhaben.

Jesus antwortet den Jüngern: „Kommt und seht!“ Um an diesen einmaligen Ort Jesu zu kommen, müssen sie ein Wagnis eingehen – das Wagnis des Vertrauens, des Glaubens. In der Sprache des Johannesevangeliums bedeutet „zu Jesus zu kommen‟, an ihn zu glauben. Glaube ist zunächst eine Antwort, eine Bewegung auf eine Person zu. Glauben setzt unser Leben in Bewegung; er erlaubt uns, nachzufolgen.

Der Evangelist berichtet, dass die Jünger an diesem Tag bei Jesus blieben. Worüber mögen sie gesprochen haben? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, dass diese Begegnung mit Jesus ihre Leben verändert hat. Wer bereit ist, sein Leben zu öffnen, kann jemandem begegnen, der seinen Lebenslauf verändert.

01
Habe ich in meinem Leben schon einmal erfahren, dass Gott „vorbei kam‟? Was habe ich aus dieser Erfahrung über Gott gelernt?
02
Die Jünger hörten von Jesus und folgten ihm nach. Wann habe ich zum ersten Mal wirklich etwas von Jesus gehört? Was sehe ich in Jesus, das mich ihm folgen lässt?
03
Was wäre meine Antwort auf die Frage: „Was willst du?‟

... der vergangenen Monate:

April 2026

Das Geheimnis von Ostern

Johannes 12,20–33

Auch einige Griechen waren zum Fest nach Jerusalem gekommen. Sie traten an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte, und sagten zu ihm: „Herr, wir möchten Jesus sehen.“ Philippus ging und sagte es Andreas; Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus. Jesus aber antwortete ihnen: „Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird. Amen, amen, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht. Wer an seinem Leben hängt, verliert es; wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet, wird es bewahren bis ins ewige Leben. Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren. Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ Da kam eine Stimme vom Himmel: „Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte: „Es hat gedonnert.“ Andere sagten: „Ein Engel hat zu ihm geredet.“ Jesus antwortete und sagte: „Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch. Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt; jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden. Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.“ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“