Gedanken zur
Bibel

Januar 2024

Einen Weg der Hoffnung öffnen

Jesaja 61,1–3a
Der Geist Gottes, des Herrn, ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung, damit ich ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe, einen Tag der Vergeltung unseres Gottes, damit ich alle Trauernden tröste, die Trauernden Zions erfreue, ihnen Schmuck bringe anstelle von Schmutz, Freudenöl statt Trauergewand, Jubel statt der Verzweiflung.

Stellen Sie sich vor, Sie kehren nach fast siebzig Jahren Exil in Ihre Heimat zurück und finden dort nichts als Verwüstung vor. Ihre Eltern oder Großeltern hatten die Erinnerung an das Land und die heilige Stadt, die das Herzstück des Lebens Ihrer Nation war, wachgehalten. Als Sie ankommen, entspricht nichts den Erwartungen. Alles ist Ausdruck von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit.

Das ist der Hintergrund dieser ersten Verse von Jesaja 61. Als das Volk aus dem Exil zurückkehrt, findet es sein Land und seine Stadt in Trümmern vor, und ist auch selbst scheinbar für immer von seinen Erfahrungen gezeichnet. Die Worte, die wir lesen, zeigen jedoch die Berufung eines Propheten. Der Prophet ist dazu da, die Situation mit all ihrer Komplexität anzuerkennen, aber gleichzeitig auch einen Weg der Hoffnung aufzutun.

Doch wo liegt die Quelle dieser Hoffnung? – Sie kommt aus dem Vertrauen des Propheten, dass Gott durch seinen Geist gegenwärtig ist. Die Gabe des Geistes ist kein persönlicher Besitz, nicht nur irgendeine Form von individuellem Trost. Der Geist führt uns in eine Partnerschaft mit Gott und mit anderen zum Wohle aller.

Wenn wir die Gegenwart des Geistes in unserem Leben annehmen, werden wir in das Leben geführt, das Gott für die Menschheit und die gesamte Schöpfung will. Hoffnung in diesem Sinne ist nicht etwas rein Intellektuelles oder Innerliches; sie treibt uns zum Handeln an, wenn wir uns vom Geist formen lassen.

Was ist die gute Nachricht, die der Prophet hier zu verkünden hat? Sie besteht vor allem darin, denen nahe zu sein, die unterdrückt sind, die immer noch gefangen sind, deren Herzen zerbrochen sind und verwundet durch all das Erlebte. In gewisser Weise sind es diese ausgegrenzten und verletzlichen Menschen, die zu Faktoren des Wandels und des Wiederaufbaus werden, die eine Krone der Schönheit und das Öl der Freude erhalten, wie der Prophet auf poetische Weise ihre Verwandlung beschreibt.

Der Prophet lebt aus der Gewissheit, dass das Leid nicht das letzte Wort haben wird. Gott wird sich wieder gnädig zeigen. Der „Tag der Rache unseres Gottes“ kann auch als „Tag der Rechtfertigung“ übersetzt werden. Was Gott versprochen hat, wird eintreten. Und diese Verheißung ist in erster Linie eine Verheißung des Trostes und der Verwandlung.

An wen könnte dieser Text heute gerichtet sein? – Wir können an Menschen denken, die durch Krieg oder Verfolgung vertrieben wurden, an diejenigen, die ein besseres Leben für ihre Familien suchen, aber nur auf Hindernisse stoßen, an Missbrauchsopfer, die die Wunden dessen, was sie erlebt haben, Tag für Tag an ihrem Körper tragen.

Was bedeutet es für uns, ihnen nahe zu sein? – Zunächst einmal bedeutet es, sich daran zu erinnern, dass der Geist Gottes handelt. Der Geist macht frei, achtet aber auch die Freiheit jedes einzelnen Menschen. Und was benötigt ein Mensch, der leidet? Er müsste es aussprechen und wir müssen zuhören und entsprechend handeln. Das kann bedeuten, dass wir es hinnehmen müssen, in dieser Situation nicht helfen zu können. Aber manchmal kann ein treues, selbstloses Dasein das Vertrauen wachsen lassen; vielleicht kann es mit der Zeit sogar die Wunden heilen und zu einer neuen Freiheit führen, zum Mut, das Zerstörte wieder mit aufzubauen.

Die Berufung des Propheten, wie sie hier beschrieben wird, fasst die Aufgabe eines Dieners Gottes in jeder Epoche kurz und bündig zusammen. Sind wir bereit, uns diese Worte des Propheten Jesaja zu Herzen zu nehmen? Jesus hatte sie sich zum Leitfaden seines Lebens gemacht (vgl. Lukas 4,17–19).

01
Wer sind die Menschen mit einem gebrochenem Herzen in meiner Umgebung?
02
Wie sind wir als Gemeinschaft dazu aufgerufen, die Trauernden zu trösten?
03
Habe ich Momente der Befreiung erlebt? Was hat diese Erfahrung ermöglicht?

... der vergangenen Monate:

Januar 2026

„Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht ...“

Johannes 4,5–15

Jesus kam zu einem Ort in Samarien, der Sychar hieß und nahe bei dem Grundstück lag, das Jakob seinem Sohn Josef vermacht hatte. Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war müde von der Reise und setzte sich daher an den Brunnen; es war um die sechste Stunde. Da kam eine samaritische Frau, um Wasser zu schöpfen. Jesus sagte zu ihr: „Gib mir zu trinken!“ Seine Jünger waren nämlich in den Ort gegangen, um etwas zum Essen zu kaufen. Die samaritische Frau sagte zu ihm: „Wie kannst du als Jude mich, eine Samariterin, um Wasser bitten?“ (Die Juden verkehren nämlich nicht mit den Samaritern.) Jesus antwortete ihr: „Wenn du wüsstest, worin die Gabe Gottes besteht und wer es ist, der zu dir sagt: ‚Gib mir zu trinken!’, dann hättest du ihn gebeten, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.“ Sie sagte zu ihm: „Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du also das lebendige Wasser? Bist du etwa größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gegeben und selbst daraus getrunken hat, wie seine Söhne und seine Herden?“ Jesus antwortete ihr: „Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.“ Da sagte die Frau zu ihm: „Herr, gib mir dieses Wasser, damit ich keinen Durst mehr habe und nicht mehr hierherkommen muss, um Wasser zu schöpfen.“

November 2025

Unseren Weg finden

1 Samuel 3,1-10

Der junge Samuel versah den Dienst des Herrn unter der Aufsicht Elis. In jenen Tagen waren Worte des Herrn selten; Visionen waren nicht häufig. Eines Tages geschah es: Eli schlief auf seinem Platz; seine Augen waren schwach geworden, und er konnte nicht mehr sehen. Die Lampe Gottes war noch nicht erloschen, und Samuel schlief im Tempel des Herrn, wo die Lade Gottes stand. Da rief der Herr den Samuel, und Samuel antwortete: „Hier bin ich.“ Dann lief er zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen. Geh wieder schlafen!“ Da ging er und legte sich wieder schlafen. Der Herr rief noch einmal: „Samuel!“ Samuel stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Eli erwiderte: „Ich habe dich nicht gerufen, mein Sohn. Geh wieder schlafen!“ Samuel kannte den Herrn noch nicht, und das Wort des Herrn war ihm noch nicht offenbart worden. Da rief der Herr den Samuel wieder, zum dritten Mal. Er stand auf und ging zu Eli und sagte: „Hier bin ich, du hast mich gerufen.“ Da merkte Eli, dass der Herr den Knaben gerufen hatte. Eli sagte zu Samuel: „Geh, leg dich schlafen! Wenn er dich (wieder) ruft, dann antworte: 'Rede, Herr; denn dein Diener hört.'“ Samuel ging und legte sich an seinem Platz nieder. Da kam der Herr, trat (zu ihm) heran und rief wie die vorigen Male: „Samuel, Samuel!“ Und Samuel antwortete: „Rede, denn dein Diener hört.“