Gedanken zur
Bibel
Haltet Frieden untereinander!
1 Thessalonicher 5,13b-23aAngesichts der Spaltung unserer Kirchen ist es nicht leicht, uns als Brüder und Schwestern in Christus zu betrachten. Wir verfallen leicht in Selbstverteidigungsmechanismen und hören wir nicht mehr zu, um uns oder unseren Standpunkt zu schützen.
„Haltet Frieden untereinander!“, schreibt Paulus. Aber es geht nicht um irgendeinen Frieden, nicht um den Friede der Starken, die den Schwachen Unrecht zufügen. Paulus präzisiert: „Meidet das Böse in jeder Gestalt!“ In diesem Frieden sind nicht alle Positionen gleich; er fordert uns auf, den Wert der Dinge zu erkennen. Alles wahrzunehmen bedeutet nicht, alles hinzunehmen, aber zumindest auf alles zu hören. Zum Beispiel zu verstehen versuchen, welches Leid sich im Schrei derjenigen verbirgt, die nicht mit uns übereinstimmen, auch wenn dieser Schrei verletzend sein kann.
Genauso wenig geht es um einen Frieden der Gleichgültigkeit: Paulus ruft dazu auf, sich gegenseitig zu warnen, zu ermutigen und zu unterstützen ... Er schreibt nicht an einzelne Personen, sondern an eine Gemeinde. Nicht umsonst nennt er sie Brüder und Schwestern.
Niemand zahle Unrecht mit Unrecht zurück. Wenn jemand uns verletzt, sind wir versucht, auf Drohung mit Drohung, auf Egoismus mit Egoismus oder auf mangelndes Zuhören mit mangelndem Zuhören zu antworten ... Diese Falle ist leichter zu umgehen, wenn wir zusammen sind. Zu mehreren ist es einfacher, geduldig zu sein, das ist eine Erfahrung im Zusammenleben als Brüder und Schwestern.
Aber diese Geduld beruht auch auf geteilter Freude. Sich daran zu erinnern, dass im Zusammensein Freude liegt, kann helfen, dem Ärger zu widerstehen. Unabhängig von den Fehlern, die er oder sie begangen haben mag, ist mein Bruder oder meine Schwester vor allem mein Bruder oder meine Schwester in Christus, und man sollte das Schöne und Wertvolle in dieser Beziehung nicht übersehen. Diese Beziehung wird deutlich, wenn wir gemeinsam beten: Unsere Unterschiede können zu Spannungen und zu Leid führen, doch wir können gemeinsam dem Gott des Friedens danken, dem Gott, der uns zusammenführt.
(Diese Gedanken wurden den Teilnehmern der Besonderen Woche im August 2024 in Taizé vorgetragen.)