TAIZÉ

Aktuelles

Ostern 2018

Die Kar- und Ostertage in Taizé

Palmsonntag

Am Palmsonntag gedenkt die Kirche des Einzugs Jesu in Jerusalem. Mit diesem Tag beginnt die Karwoche. In Taizé begann die Feier wie in den letzten Jahren für alle Anwesenden gemeinsam am See neben der Quelle „Saint-Etienne“ – diesmal zusammen mit dem Ortsbischof von Autun, Benoît Rivière.

Clara, Belgien

Ich konnte während der Palmsonntags-Prozession unsere Verbundenheit mit der gesamten Schöpfung spüren. Das hat mich sehr froh gemacht. Wir wollten die Gegenwart Jesu feiern. Ich haben den Palmsonntag noch nie so erlebt.


Montag – Mittwoch

Die gemeinsamen Gebete der Karwoche sind durch die besonderen Gesänge geprägt. Morgens und abends werden von zwei Brüder in verschiedenen Sprachen die Berichte der Passion Jesu gelesen.

Am Montagabend wurde besonders für die Opfer des Großbrandes in einem Einkaufszentrum von Kemerowo in Sibirien und für die Opfer des Terroranschlags wenige Tage zuvor in Südfrankreich gebetet. Jeden Abend wurde für schwierige Situationen auf der Welt gebetet.

Rob, Irland

Diese Tage in Taizé waren ganz anders als ich erwartet hatte. Wir erlebten eine sehr tiefe Gemeinschaft. Ich gehe gern zum Gebet, am Anfang ohne große Begeisterung, aber mittlerweile fühle ich, dass etwas in mir gewachsen ist.


Gründonnerstag

Das Besondere heute war die Fußwaschung. Seit mehreren Jahren ist es Tradition, dass die Brüder durch die Kirche gehen und allen, die möchten, die Füße waschen. Danach wurde die Eucharistie im Gedächtnis an das letzte Mahl des Herrn gefeiert – der erste Tag des Ostertriduums.

2 Youssef, Ägypten 2

Als Diakon in der koptisch-orthodoxen Kirche, in der die Gottesdienste in der Karwoche besonders festlich gestaltet sind, habe ich etwas von dort auch hier gefunden: die Demut und die Liebe, die von Gott kommt und die auf Gott ausgerichtet ist. Am Gründonnerstag gibt Jesus, der Emmanuel und Gott in unserer Mitte, uns seinen Leib und sein Blut ... damit wir alle eins sind in ihm und mit ihm. Die Jünger an seinem Tisch waren nicht alle gleich – genauso wie auch wir hier in der Versöhnungskirche sehr verschieden voneinander sind. Wir kommen aus verschiedenen Gegenden und sind doch alle vereint in der Demut und der Liebe Gottes, des Vaters, in Jesus Christus durch den Heiligen Geist. Diese Gemeinschaft kann niemals gebrochen werden.

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Karfreitag

Um 15.00 Uhr läutete eine Glocke und der Hügel war für einige Minuten in Schweigen gehüllt, um an den Tod Jesu am Kreuz zu erinnern (vgl. Lukas 23,44-45). Alle hielten zu dieser Uhrzeit für einen Moment inne.

Am Abend fand die Prozession mit dem Kreuz in der Versöhnungskirche statt. Zu Beginn des Gebetes waren alle Brüder im Chorraum der Kirche versammelt. Von dort wurde das Kreuz durch die Kirche getragen, mitten durch die Tausenden von anwesenden Jugendlichen. Dann ging das Gebet vor dem Kreuz die ganze Nacht hindurch weiter.


Karsamstag

Am Abend wurde die Ikone der „Höllenfahrt Christi“ von den Brüdern durch die gesamte Versöhnungskirche getragen. Im Anschluss an das Abendgebet wandte sich Frère Alois an die Anwesenden, bevor das Gebet– unterbrochen von Lesungen aus dem Alten Testament – die ganze Nacht hindurch weiterging.


Ostersonntag

In diesem Jahr begann die Osterfeier um 6.30 Uhr in der noch dunklen Versöhnungskirche. Begleitet von einem Cello wurde von Frauenstimmen auf syrisch und in verschiedenen anderen Sprachen die Auferstehung gesungen, während vier Schwestern in einer Lampe das Osterlicht und ein weißes Tuch, das Symbol des Leichentuchs Jesu, durch die Kirche trugen.

Von dieser Lampe aus wurde die Osterkerze angezündet. So wurde erstmals das Osterlicht von Schwestern und Frauen aus dem Dorf überbracht – ein Hinweis darauf, dass Frauen – Maria aus Magdala und einige andere Frauen – als Erste an die Auferstehung Jesu glaubten.

Während des Ostergottesdienstes wurde das „Exultet“ von mehreren Brüdern in sechs Sprachen gelesen. Ein junger französischer Bruder legte in Anwesenheit seiner Familie während der Eucharistiefeier sein Lebensengagement in der Communauté ab.

Den Abschluss der Feier bildete die Verkündigung – wiederum durch Frauen – des in der orthodoxen Kirche traditionellen Ostergrußes in über zwanzig Sprachen: „Christus ist auferstanden!“, worauf alle antworteten: „Er ist wahrhaft auferstanden!“, und dabei läuteten die Glocken.

Osterheftchen

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Tim aus den Niederlanden

Ich habe in diesen Tagen viel Freude gespürt. Ich mag den Rhythmus, den Ablauf der Gebete, womit ich mich auf Ostern konzentrieren kann: Zuerst fühlt man sich bedrückt, dann kommt allmählich Freude auf, die auf Ostern hinführt. Ich spürte nach dem Gottesdienst so viel Freude unter den Menschen, ein Fest der Freude. Diese Tage haben mir geholfen, zusammen mit Menschen aus ganz Europa eine Hoffnung zu entdecken, gemeinsam dieses Fest zu feiern und zu glauben, dass dieses Osterlicht auf der ganzen Welt verbreitet wird.

Neugestaltung des Altarraums

Seit mehreren Wochen wird der Altarraum der Versöhnungskirche neu gestaltet, nachdem an der östlichen Mauer eine Wärmedämmung angebracht werden muss. Die bisherigen Kaminsteine waren seit über vierzig Jahren und die orangefarbenen Tücher seit über zwanzig Jahren tragende Gestaltungselemente.

Quadrate von 20 x 20 cm (Naturfarben auf Leinwand) in über dreißig Farbtönen deuten die Vielfalt derer an, die sich dreimal am Tag zum Gebet in der Versöhnungskirche versammeln. Man kann darin auch die Vielfalt der Schöpfung sehen. Die Kerzen kann man nun bis in die hinteren Anbauten der Kirche sehen.

OrangenbäumeCitrus sinesis vertragen die schwache Beleuchtung in der Kirche, ebenso der Zimmerefeu Epipremnum aureum, eine Pflanze, die aus der Südsee stammt.

Auch wenn die Gestaltung manchen noch unvollkommen erscheinen sollte: Die Arbeiten sind im Gange! Die Wärmedämmungsarbeiten werden zwischen Ostern und Pfingsten durchgeführt, danach wird der gesamte Altarraum getüncht. Bis zum Sommer soll die Neugestaltung dann weitgehend abgeschlossen sein.


Februar 2018

Neues von den in Taizé aufgenommenen Flüchtlingen

Angesichts der Flüchtlingswelle der letzten Jahre in Europa nimmt die Communauté auch weiterhin Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern auf. Zahlreiche Menschen aus der Umgebung von Taizé helfen dabei tatkräftig mit.

Erstaufnahmestellen

Um Flüchtlinge aus Calais aufzunehmen, wurde im November 2015 in Taizé ein sogenanntes CAO (Aufnahme- und Beratungszentrum) eingerichtet. Dort konnten dreizehn junge Männer zwischen 19 und 40 Jahren, alle Muslime aus dem Sudan und Afghanistan, untergebracht werden. Neun von ihnen, denen der Flüchtlingsstatus zuerkannt wurde, arbeiten oder machen derzeit in der Umgebung von Taizé eine Ausbildung. Einer von ihnen ist verwitwet und hatte im Sudan einen 13-jährigen Sohn. Frère Alois konnte diesen im vergangenen Jahr nach einem Besuch im Land zu seinem Vater bringen; das Kind geht zur Schule und der Vater arbeitet in einer Gießerei in der Region.

Im November 2016 richtete die Communauté ein CAOMI (Aufnahme- und Beratungszentrum für Minderjährige) ein, um vorübergehend 18 Minderjährige aus Calais aufzunehmen, die auf dem Weg nach England waren. Sieben von ihnen beschlossen, in Taizé zu bleiben und Asyl zu beantragen. Einer von ihnen ist zur Zeit in einem Ausbildungsheim in der Nähe von Taizé und vier Flüchtlinge leben noch im Dorf und wollen sich in der Gegend niederlassen.

Familien

In den letzten Jahren hat die Communauté auch vier Flüchtlingsfamilien aus dem Irak und aus Syrien aufgenommen. Nach mehreren Monaten in Taizé konnten sie im Land Fuß fassen; zwei dieser Familien sind mittlerweile umgezogen und stehen mit der Communauté nach wie vor in enger Verbindung.

Warten auf Schutz

Im vergangenen September nahm die Communauté drei junge Flüchtlinge aus dem Südsudan und dem Sudan im Alter von 20 bis 28 Jahren auf. Diese Jugendlichen wissen noch nicht, ob sie aufgrund des Dublin-Abkommens in Frankreich einen Asylantrag stellen können. Da sie keine Arbeitserlaubnis haben, lernen sie momentan Französisch, engagieren sich ehrenamtlich und erzählen bei verschiedenen Gelegenheiten über die Gründe und die Umstände ihrer Flucht.

Patenfamilien

Jeder junge Migrant, der in Taizé aufgenommen wird, bekommt eine Patenfamilie in der Umgebung. Durch regelmäßige gegenseitige Besuche ist es leichter, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden. Einer der jungen Flüchtlinge sagte kürzlich: „Francoise kümmert sich um mich wie eine Mutter um ihren eigenen Sohn!“

Sprachkurse

Als die Communauté ihre Türen für junge Leute aus Calais öffnete, reagierte die umliegende Bevölkerung mit einer Welle der Großzügigkeit. Heute finden an vier Tagen der Woche Französischkurse im Rathaus von Taizé statt, ein Dutzend Freiwilliger gibt abwechselnd Unterricht. Christine, eine ausgebildete Fremdsprachenlehrerin, schreibt: „Mit Erstaunen und großer Freude sehe ich die Motivation der Asylbewerber und ihren Fleiß, Französisch zu lernen – trotz all der anderen Sorgen, die sie haben.“ Den drei Flüchtlingen, die zur Zeit an den Kursen teilnehmen, hat sich ein Dutzend Ausländer aus verschiedenen Ländern angeschlossen, die in der Region leben.

Erfahrungsaustausch

Drei der in Taizé aufgenommenen Flüchtlinge wurden im November 2017 an eine Oberschule in Châteaubriant in der Bretagne eingeladen, wo sie an einem Aktionstag zum Thema Migration teilnahmen. Die dortigen Schüler waren beeindruckt davon, was diese jungen Menschen über die Fahrt durch die Sahara, die schrecklichen Lebensbedingungen in Libyen und die Überquerung des Mittelmeers berichteten. Aber auch die Flüchtlinge waren beeindruckt, wie ernsthaft ihnen die Schüler zuhörten.

In Taizé nehmen Flüchtlinge hin und wieder an thematischen Workshops teil, die im Rahmen der Jugendtreffen angeboten werden.

Im Europäischen Parlament

Im Januar 2018 besuchte eine Gruppe junger Migranten das Europaparlament in Straßburg. Bei einem Treffen mit dem EU-Kommissar für Migration, Abgeordneten von verschiedenen Parteien und aus verschiedenen Ländern sowie dem Generaldirektor des Französisches Amtes für den Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen, konnten Migranten von ihre Erfahrungen in Europa und ihrer jeweiligen Situation erzählen: anerkannte Flüchtlinge, Asylsuchende, Migranten „nach dem Dublin-Abkommen“, unbegleitete Minderjährige, deren Alter nicht anerkannt wurde ...

Ein Europaabgeordneter schickte uns Bilder von diesem Besuch, die Claudio Cutarelli gemacht hat und die auf die Problematik des Dublin-Abkommens eingehen:

Eine längere Version hier.

Freiwilligenarbeit

Die in Taizé aufgenommenen Flüchtlinge halfen immer gerne mit, und sich machten sich gerne nützlich, um anderen zu helfen. Etwas geben zu können, gibt einem Menschen seine Würde zurück.

Edith, örtliche Schatzmeisterin der Caritas von Cluny, schreibt: „Drei junge Flüchtlinge unterstützen unsere Arbeit als Freiwillige. Sie nahmen an verschiedenen Aktivitäten teil, z. B. anlässlich des großen jährlichen Essens, bei dessen Vorbereitung sie sehr tatkräftig mithalfen.“

Flüchtlinge helfen als Freiwillige auch bei den Jugendtreffen der Communauté mit. Gonçalo, ein junger Portugiese, schrieb kürzlich: „Die Arbeit mit drei jungen Flüchtlingen war für mich eine ganz besondere Erfahrung; sie haben in unserem Team sehr engagiert mitgearbeitet und wir konnten gleichzeitig über unsere unterschiedlichen Kulturen sprechen. Sie haben uns von ihren Erfahrungen erzählt und davon, dass sie den Frieden suchen.“

Im vergangenen Sommer haben viele junge Menschen auf den Solidaritätsaufruf für Flüchtlinge reagiert. Mit Orsi, einer Freiwilligen, fuhren im November drei junge Flüchtlinge nach Calais, um der dortigen Caritas Dinge des täglichen Bedarfs, wie Duschgel, Shampoo, Zahnpasta und Zahnbürsten zu bringen. Sie waren zwei Nächte im Maria-Skobtsova-Haus zu Gast, wo Menschen aufgenommen werden, die unmittelbare Hilfe benötigen. Orsi schreibt: „Unsere drei Freunde hatten auf ihrer Fahrt durch viele Länder, die Wüste und das Mittelmeer das gleiche Elend erlebt. Sie wussten, was die jungen Leute in Calais durchgemacht haben.“

Bruderrat der Communauté - 2018

Gebet von Frère Alois

Wie jedes Jahr kamen die Brüder der Communauté vom 23. bis 28. Januar zu ihrem Bruderrat zusammen, der am Sonntagabend mit einem gemeinsamen Gebet zu Ende ging und bei dem sich die Brüder durch die Geste der Prostration an ihr Lebensengagement erinnern. Davor sprach Frère Alois folgendes Gebet.

Gebet am Ende des Bruderrats

Gelobt seist du, Jesus Christus, du bist von den Toten auferstanden. In deiner Nachfolge machst du uns zu Zeugen der Freude Gottes, zu Friedensstiftern wo immer wir sind, hier in Taizé, in den Fraternitäten oder auf Reisen.

Gelobt seist du für unsere Brüder, die in Korea, in Bangladesch und im Senegal leben, für die Brüder, die demnächst nach Südafrika gehen, für die Brüder in Brasilien, in Kuba und im Elsass sowie für die Brüder, die in diesem Jahr in Hongkong leben werden.

Gelobt seist du, Jesus Christus, dass du uns in den Tagen unseres Bruderrats am Tisch deines Wortes und deiner Eucharistie zu Essen gegeben hast. Gelobt seist du für die Freude der brüderlichen Liebe, die in diesen Tagen besonders spürbar ist. Du hast uns auch die Einfachheit unseres Lebens mit neuen Augen sehen lassen.

Heiliger Geist, du machst aus zu einem Mikrokosmos der Kirche, zu dem jeder durch sein Leben einen neuen Stein hinzufügt. Du schenkst uns immer wieder die Begeisterung für die Einheit des Leibes Christi, seiner Kirche. Du erfüllst uns mit Freude darüber, dass man auf so viele unterschiedliche Weisen Christ sein kann. In dir sind wir bereits vereint und leben gleichzeitig in Solidarität mit den noch immer getrennten Kirchen.

Lebendiger Gott, von ganzem Herzen möchten wir deine Liebe durch unser gemeinsames Leben sichtbar werden lassen. So hören wir auf deinen Ruf, eine gemeinsame Schöpfung zu verwirklichen. Es ist, als sagtest du zu jedem von uns diese Worte aus unserer kleinen Regel: „Dein Lobgesang und dein Dienst sind von nun an Teil einer Gemeinschaft von Brüdern, die selbst Teil der Kirche ist ... du wirst vom gemeinsamen Bemühen angespornt. Von nun an bist du nicht mehr allein. Du musst in allem mit deinen Brüdern rechnen.“

Du möchtest, dass wir unsere gemeinsame Schöpfung in den Dienst derer stellen, die uns an so vielen Orten auf der ganzen Erde anvertraut sind. Wir beten für alle, die wir in unserem Herzen tragen.

Für die Teilnehmer des Europäischen Treffens in Basel. Möge durch sie hindurch die Freude und der Friede, die wir erfahren haben, wie kleine Lichter der Hoffnung in der Welt sein.

Für die Bewohner unserer Region, die Christen, die hier leben, in den Krankenhäusern und Pflegeheimen, für die Obdachlosen und die Migranten, für alle, die die Ärmsten unterstützen und sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Für diejenigen auf der ganzen Welt, die traurig sind, die unter Gewalt, Krieg, Ungerechtigkeit und Hunger leiden.

Lass auch in unserer Nacht dein Lied in uns nicht verstummen, dieses Lied, von dem der Psalm heute Abend handelte.
Mit dem Psalmisten möchten wir all unsere Erwartungen und unsere Sehnsucht zu dir bringen, dem Gott des Universums. „Wohl den Menschen, die Kraft finden in dir, wenn sie sich auf einen Pilgerweg begeben,“ diese Momente inniger Freude vor dir. Und durch die Gegenwart deines Heiligen Geistes kann sogar das Tränental zu einer Quelle auf unserem Pilgerweg werden, zu einer Quelle heller Freude.

Lebendiger Gott, wir danken dir, dass du dich uns geoffenbart hast, dass du durch Jesus Christus zu uns gekommen bist. Er hat uns geliebt und sich für jeden Menschen hingegeben. Durch deinen Heiligen Geist ist er heute gegenwärtig. Mögen alle Menschen seine Freude erfahren. Möge diese Freude zu einer Quelle der Geschwisterlichkeit und des Friedens in unserer zerrissenen und verwundeten Menschheit und deiner gesamten Schöpfung werden.

Oktober 2017

Der Prior von Taizé im Sudan und Südsudan

Seit zwei Jahren nimmt Taizé junge Flüchtlinge aus dem Sudan auf. Der Prior der Communauté, Frère Alois, hat nun eine Woche in Juba und in Rumbek im Südsudan und eine Woche in Khartum, der Hauptstadt des Sudan, verbracht, um die Situation der beiden Länder besser zu verstehen, um Menschen vor Ort zu begegnen und um mit denen zu beten, die zu den leidgeprüftesten unserer Zeit gehören.

Mit einem weiteren Bruder der Communauté besuchte er verschiedene Kirchen, die sich in diesen Ländern besonders für die Ausbildung der Menschen, für Solidarität und Krankenfürsorge einsetzen und denjenigen beistehen, die besonders schwer betroffen sind. Sie besuchten unter anderem ein Lager für Binnenflüchtlinge, das unter dem Schutz der Vereinten Nationen steht und in dem viele Kinder untergekommen sind, die ihre Eltern während der gewalttätigen Ereignisse im Land verloren haben.


Frère Alois in Juba, Südsudan, in einem Flüchtlingslager

Mit diesem Besuch wollte Frère Alois seine Wertschätzung für die vielen Menschen um Ausdruck bringen, die sich vor Ort engagieren: humanitäre Helfer, Kirchenmitarbeiter oder Diplomaten, im Dienste der örtlichen Gemeinden, von Schulen, der Landwirtschaft, der Infrastruktur, und der Kultur … Bei seiner Rückkehr sagte er: „Ich war vor allem beeindruckt von der Situation der Frauen und Kinder. Die oft noch sehr jungen Mütter tragen einen großen Teil des Leids, das durch die Gewalt verursacht wird. Viele sind im letzten Moment geflohen. Sie möchten dem Leben dienen. Die Kinder müssen sehr früh bei den alltäglichen Arbeiten mithelfen, möchten aber zur Schule gehen. Der Mut und die Hoffnung der Mütter und der Kinder sind ein außergewöhnlich beeindruckendes Zeugnis.”

Frère Alois wird nach diesem Besuch in Afrika einige konkrete Vorschläge formulieren, die beim 40. von Taizé organisierten Europäischen Jugendtreffen vom 28. Dezember bis 1. Januar in Basel veröffentlicht werden.


Frère Alois besucht ein Lepradorf in der Nähe von Rumbek, Südsudan

Flüchtlinge: Ein geschwisterliches Miteinander stärken

Am Weltflüchtlingstag haben die Brüder von Taizé und alle in Taizé anwesenden Jugendlichen für die Migranten gebetet, die in den letzten Tagen beim Versuch, das Mittelmeer auf dem Weg nach Europa zu überqueren, vor Libyen ums Leben gekommen sind. Außerdem wurde, wie jede Woche im Sommer, ein neues Thementreffen mit dem Titel: „Das Wagnis eingehen, andere aufzunehmen. Migranten, Asylsuchende, Flüchtlinge ... Wer seid ihr?“ angeboten.

Auch die Vorbereitungen für das Wochentreffen zum Thema Migration schreiten voran. Viele eingeladene Gäste haben ihre Teilnahme an einem der Thementreffen zugesagt, unter ihnen der Direktor der Französischen Behörde zum Schutz von Flüchtlingen und Staatenlosen, Pascal Brice (Frankreich), die ehemalige Direktorin des französischen Forschungsinstituts CNRS, Catherine Wihtol de Wenden (Frankreich), der Erzbischof von York, John Sentamu (Uganda/England), P. Michael Czerny (Kanada/Italien) von der Abteilung für Migranten und Flüchtlinge im Vatikan, Petra Feil (Deutschland/Schweiz) vom Lutherischen Weltbund sowie Vertreter verschiedener Bewegungen, die sich um Migranten kümmern, wie beispielsweise der Jesuiten-Flüchtlingsdienst oder Caritas Europa.

Es wäre schön, wenn Jugendliche, die Taizé kennen, Flüchtlinge in ihrer Umgebung einladen, mit ihnen nach Taizé zu kommen. Wer Interesse an diesem Treffen oder Vorschläge für einen Referenten hat, möchte bitte das Vorbereitungsteam unter solidarity taize.fr kontaktieren. Zuguterletzt wird Anfang Juli für alle jungen Teilnehmer, die dies wünschen, eine konkrete Solidaritätsaktion vorgeschlagen.


Anlässlich des Weltflüchtlingstages wurde eine ökumenische Stellungnahme veröffentlicht – hier zwei Ausschnitte.

Flüchtlinge: Eine Chance, zusammenzuwachsen


Die Bibel erzählt die Geschichte zweier Männer, Petrus und Kornelius, die in ihrem religiösen Glauben und ihrer Kultur völlig verschieden sind. Als sie aufeinandertreffen, entdecken sie eine Wahrheit über Gottes Plan für sie beide, den keiner von ihnen zuvor verstanden hatte. Sie haben erfahren, dass der Heilige Geist Mauern einreißt und diejenigen vereint, die denken, sie hätten nichts gemeinsam.

In der ganzen Welt werden Frauen, Männer und Kinder durch Gewalt, Verfolgung, durch von Naturgewalten oder Menschenhand verursachte Katastrophen, Hungersnöte und andere Ursachen dazu gezwungen, ihre Heimatländer zu verlassen. Die Sehnsucht, dem Leid zu entfliehen, ist stärker, als die Barrieren, die errichtet wurden, um sie aufzuhalten. Der Widerstand einiger Länder gegen die Migration von gewaltsam vertriebenen Menschen wird diejenigen, die unerträglichem Leid ausgesetzt sind, nicht davon abhalten, ihre Heimat zu verlassen. …

Zeichen der Solidarität können über die Grenzen von Religion und Kultur hinweg gesetzt werden. Gläubige anderer Glaubensrichtungen zu treffen ermutigt uns, unser Wissen über unseren eigenen Glauben zu vertiefen. In der Begegnung mit unseren geflüchteten Brüdern und Schwestern spricht Gott zu uns und segnet uns, so wie er Kornelius und Petrus gesegnet hat.


„Coexister“ – Freundschaft, die tiefer wird

In den letzten Jahren kamen unter der Leitung ihres Gründers, Samuel Grzybowski, mehrmals Jugendliche des Vereins „Coexister“ nach Taizé. Das Besondere an diesem Verein ist, dass Jugendliche aus verschiedenen Religionen zusammenarbeiten.

Radia Bakkouch, zurzeit Landesvorsitzende des Vereins, hat im September 2016 an der besonderen Woche für 18-35-Jährige in Taizé teilgenommen.

Maud, eine junge Französin, war 2016 mit „Coexister“ in Taizé und erzählt von ihrem Aufenthalt:


Wir waren zehn Jugendliche, die verschiedenen Religionsgemeinschaften angehören: Christen, Juden und Muslime. Ich selbst bin Jüdin und war vorher noch nie in Taizé. Ich fand es sehr interessant, den christlichen Glauben näher kennenzulernen und mit meinen Freunden ein Wochenende gemeinsam zu verbringen. Ich bin mir sicher, dass ich in Taizé den Frieden gefunden habe. Nie zuvor hatte ich z.B. eine solche Freude daran, einfach in die Landschaft zu schauen. Wir sind mit vielen Jugendlichen in ein sehr persönliches Gespräch gekommen und möchte nächstes Jahr wieder nach Taizé kommen.

Gebetswoche für die Einheit der Christen

Aus Anlass der Weltgebetswoche für die Einheit der Christen fand am 18. Januar zusammen mit den in dieser Woche in Taizé anwesenden Jugendlichen und mit Kirchenverantwortlichen der näheren Umgebung ein besonderes Gebet statt.

Direktübertragung des gemeinsamen Gebets über „Facebook Live

Begrüßung durch Frère Alois

Zu Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen heiße ich Sie in unserer Versöhnungskirche herzlich willkommen. Wir Brüder freuen uns, dass Sie zu diesem Gebet gekommen sind. Ich danke für ihre Anwesenheit den Vertretern der Katholischen, Orthodoxen, Vereinigten Protestantischen, der Anglikanischen, Evangelikalen und Mennonitischen Kirche. Möge unsere Einheit in Jesus Christus wachsen, damit die Kraft und Wahrheit des Evangeliums auf der Welt erstrahlen kann.

Fürbitten der verschiedenen Kirchenverantwortlichen

  • Jesus Christus, du sendest deine Kirche, dass sie deinen Weg in der Welt bereite. Gib uns die rechten Worte und Taten, um den Menschen um uns herum Tag für Tag dein Evangelium zu verkünden.
  • Jesus Christus, Licht der Welt, du erleuchtest jeden Menschen: Mach uns fähig, deine Gegenwart in jeden Menschen zu erkennen und dich in unserem Nächsten aufzunehmen.
  • Jesus Christus, öffne unsere Augen für das Leiden derer, die heute am meisten leiden, und für die Einsamkeit der Menschen in unserer Nähe. Mach uns bereit, in Solidarität zu leben mit denen, die uns anvertraut sind.
  • Jesus Christus, Bruder aller Menschen, du stehst auf der Seite der Flüchtlinge, Migranten und Menschen im Exil. Wir vertrauen dir alle an, die in unserer Umgebung Aufnahme gefunden haben, und beten besonders für Samir aus dem Sudan.
  • Jesus Christus, mach uns fähig, auf dich zu hören. Dann können wir gemeinsam und für alle sichtbar deine eine Kirche sein – damit die Welt glaubt.
  • Jesus Christus, sei gelobt für die Gemeinschaften von Christen in unserer Region, für die Synode der Diözese von Autun, für die orthodoxe Gemeinde in Chalon, für die verschiedenen evangelischen Kirchen im Jahr des Reformationsgedenkens.
  • Jesus Christus, wie deine Jünger nach der Auferstehung machst du auch uns zu Brüdern und Schwestern. Wir möchten dir nachfolgen, führe uns auf den Weg des Lebens.
  • Jesus Christus, wir vertrauen dir die Völker im Nahen Osten an, die Opfer von Gewalt und all die, die keine Hoffnung mehr sehen für ihr Land. Steh denen bei, die nach Gerechtigkeit und Frieden suchen.

Gebet von Frère Alois

Jesus Christus, in deinem Namen sind wir zusammengekommen. Öffne uns für den Heiligen Geist, den Geist der Vergebung und Versöhnung. Er vereint unsere Stimmen in deiner Gegenwart. Am Ende deines Lebens hast du gebetet: „Vater, sie sollen eins sein.“ Mach uns zu Zeugen der Einheit und zu Trägern der Versöhnung.

Ankunft einer Gruppe Unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

Im Nachbardorf Ameugny wurde von der Communauté von Taizé ein Aufnahmezentrum eingerichtet

Am späten Mittwochabend, den 2. November, erreichte eine Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge das Departement Saône-et-Loire, nachdem in den Tagen zuvor das Flüchtlingslager von Calais geschlossen worden war. Es handelt sich um 16 Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, zum Großteil aus dem Sudan, aber auch aus Syrien und Eritrea.

Die Communauté von Taizé hat diese Jugendlichen in Empfang genommen; sie stellt das materiell Notwendige zur Verfügung; Freiwillige Helfer haben die Betreuung übernommen. Der Verein „Le Pont“ aus Mâcon hat die behördliche Abwicklung übernommen. Vor der Ankunft der Jugendlichen waren der Bürgermeister und der Gemeinderat von Ameugny sowie sämtliche Bewohner des Dorfes informiert worden.

Die jungen Flüchtlinge wurden bei ihrer Ankunft vom Bürgermeister des Dorfes sowie von Dorfbewohnern, von Mitarbeitern des Vereins „Le Pont“ und einigen jungen Flüchtlingen aus dem Sudan empfangen, die selbst vor einem Jahr von der Communauté aufgenommen wurden. Auch die regionalen Behörden waren vertreten.

Am 3. November veröffentlichte die Präfektur in Mâcon folgende Mitteilung:

„Es geht um eine voraussichtlich auf drei Monate begrenzte Aufnahme. Die Unterkunft erfolgt unter optimalen Bedingungen, was Sicherheit und Hygiene betrifft. In der Folge sollen diese Jugendlichen entweder nach Großbritannien oder in eine öffentliche Einrichtung gebracht werden. Die britischen Behörden untersuchen weiterhin vorrangig, ob die Bedingungen für eine Familienzusammenführung gegeben sind. Die Anträge der jungen Flüchtlinge sollen innerhalb von 3-6 Wochen bearbeitet werden.“

Sonntags läutet in Taizé eine Glocke für den Frieden in Aleppo

Die Communauté schließt sich einer Initiative Finnischer Kirchen an, die im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, um ihre Trauer und Solidarität zum Ausdruck zu bringen mit den Menschen in der syrischen Stadt Aleppo, die auch weiterhin bombardiert wird.

Dazu läutet jeden Sonntag um 18.30 Uhr eine der fünf Glocken in Taizé, um Brüder der Communauté und die auf dem Hügel Anwesenden zu einer halben Stunde des stillen Gebets für den Frieden einzuladen.


Gebet von Frère Alois

Nach dem Anschlag in Saint-Etienne-du-Rouvray

Frère Alois erfuhr auf dem Weg zum Weltjugendtag in Krakau von der Geiselnahme im französischen Saint-Etienne-du-Rouvray und der Ermordung von Pfarrer Jacques Hamel. Frère Alois sandte daraufhin eine kurze Nachricht an den Erzbischof von Rouen, Dominique Lebrun, um ihm und den örtlichen Kirchenverantwortlichen seine Verbundenheit zu bekunden. Die Brüder der Communauté und die in Taizé versammelten Jugendlichen beten für sie.


Frère Alois hat für die Tage in Krakau ein Gebet vorbereitet, das auch in Saint Malo beim nationalen Jugendtreffen der Vereinigten Protestantischen Kirche Frankreichs verlesen wird:

Barmherziger Gott, wir möchten begreifen, dass du uns ganz nahe bist – im Unglück und in den schweren Stunden unseres Lebens. Die Gewalt, die auf der Welt wütet, macht uns fassungslos und trifft uns zutiefst. Wir vertrauen dir den in Saint-Etienne-du-Rouvray ermordeten Priester an, seine trauernde Familie und die Christen der ganzen Gegend. Angesichts von Hass und Gewalt möchten wir nicht der Angst nachgeben, sondern immer wieder zur Quelle des Friedens gehen und in unserer Umgebung Freundschaft und Vertrauen stiften.

Frère Alois zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan

Zum „Fest des Fastenbrechens“ am Ende des Ramadan sandte Frère Alois wie jedes Jahr eine Grußbotschaft an alle muslimischen Freunde in der Umgebung von Taizé und in der übrigen Welt. Im Dienstagabendgebet wurde auch in den Fürbitten all derer gedacht, die dieses Fest begehen.

„Zum Ende des Fastenmonats Ramadan möchte ich all unseren muslimischen Brüdern und Schwestern sagen, dass wir aus diesem freudigen Anlass an sie denken.

In diesem Jahr waren wir all denen, die während des Ramadan fasten, in besonderer Weise verbunden: Seit einigen Monaten leben eine syrische Familie und elf junge Flüchtling aus dem Sudan und aus Afghanistan in Taizé, die alle Muslime sind. Wir Brüder konnten dadurch besser begreifen, welche geistliche Dimension das körperliche Fasten hat. Wir waren berührt zu sehen, wie hingebungsvoll diese jungen Menschen beten und versuchen, sich in Einfachheit Gott zuzuwenden.

Trotz mehrerer tragischer Ereignisse seit letztem Jahr entstehen verschiedene sehr hoffnungsvolle Initiativen: das Treffen eines interreligiösen Arbeitskreises unweit von hier, die „Holy Night“ vor wenigen Wochen in Paris mit Vertretern verschiedener religiöser Traditionen sowie die wiederholte Teilnahme von Jugendlichen des Vereins „Coexister“ an den Jugendtreffen in Taizé.

Wir Brüder beten für Euch und sind Euch in tiefer Freundschaft verbunden.“

Mai 2016

Schwestern von Saint-André seit 50 Jahren in Taizé

Im Mai 1966 waren die ersten Schwestern von Saint-André in Taizé eingetroffen. Die Schwestern dieser internationalen Ordensgemeinschaft mit Mutterhaus in Belgien waren von Frère Roger eingeladen worden, die Communauté für drei Monate bei den Jugendtreffen zu unterstützen … sie haben Taizé seither nie wieder verlassen.

Am letzten Maiwochenende wurde dieser Jahrestag von beiden Gemeinschaften gemeinsam begangen. Am Samstag legten zwei Schwestern der Gemeinschaft, aus Australien und dem Kongo, in Ameugny ihre ewige Profess ab. Dazu angereist waren über 60 Schwestern, ein Teil davon auch aus Afrika.

Am Sonntag kamen alle Schwestern zum Mittagessen in die Communauté; am Nachmittag folgten verschiedene Treffen, darunter eine Besichtigung der Werkstätten der Brüder.


Den Abschluss bildete in der romanischen Dorfkirche ein Dankgebet für diesen langen gemeinsamen Weg. Aus diesem Anlass sprach Sr. Agnès, die Generaloberin der Schwestern von Saint-André, folgendes Gebet:

Herr unser Gott, Quelle aller Weisheit und Güte,
Du hast unseren Gemeinschaften ihren Anfang gegeben, bewahre sie und leite sie.
Vater aller guten Gaben, verwirkliche in uns das Gebet deines Sohnes:
„Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast.
Heiliges sie in der Wahrheit; sie sollen in uns eins sein, damit die Welt erkennt dass du mich gesandt hast.“
 
Um diese Gnade bitten wir dich in der Einheit des Heiligen Geistes,
durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

Und Frère Alois schloss mit folgendem Gebet:

Christus, wir loben dich für die Zusammenarbeit, die uns seit 50 Jahren mit den Schwestern von Saint-André verbindet. Du willst, dass wir deiner Kirche dienen und – indem wir uns gegenseitig ergänzen – Zeugen der Freude, der Einfachheit und der Barmherzigkeit seien, insbesondere für die junge Generation. Wir loben dich für die, die uns diesen Weg eröffnet haben: Ignatius von Loyola, Sr. Marie-Tarcisius und Frère Roger. Sende uns den Heiligen Geist, dass er uns in unserer leidenschaftlichen Suche nach Gemeinschaft stärke, sodass dein Frieden auf der Erde erstrahle.

Gemeinsames Magnifikat am Grab Frère Rogers

Syrische Familie in Taizé angekommen

Seit mehreren Monaten bemüht sich die Communauté von Taizé zusammen mit den französischen Behörden und der Hilfsorganisationen „Relief & Reconciliation for Syria“ darum, einer syrischen Familie die Ausreise nach Frankreich zu ermöglichen. Am Dienstag, den 27. April kamen die Eltern mit ihren vier Kindern schließlich in Taizé an.

Sie wurden von den Brüdern der Communauté erwartet, sowie von freiwilligen Helfern aus der Umgebung und den zwei Arabisch sprechenden Familien aus Irak und Ägypten, die bereits in Taizé leben. Es ist ein schönes Zeichen der Hoffnung, dass – inmitten der tragischen Ereignisse im Nahen Osten – Christen des Ostens eine muslimische Familie aufnehmen.


(Foto von Orsi Hardi – zwei der Kinder leben bereits seit dem letzten Jahr in Taizé)


März 2016

Artikel von Frère Alois

In einer Reihe europäischer Zeitungen wurde in den letzten Wochen ein Text von Frère Alois zur Flüchtlingsfrage veröffentlicht:
  • La Croix (Frankreich)
  • La Libre Belgique (Belgien)
  • Nederlands Dagblad (Niederlande)
  • Church Times (England)
  • Magyar Nemzet Magazin (Ungarn)
  • Dennik N (Slowakei)
  • Lidove noviny (Tschechien)
  • Irish Times (Irland)
  • Przewodnik Katolicki (Polen)
  • Bernardinai (Litauen)
  • Православље (Serbien)
  • El Pais (Spanien)
  • Avvenire (Italien)
  • Publico (Portugal)

Lassen wir uns von der Angst nicht lähmen!

Auf der ganzen Welt sind Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Die Not in ihren Ländern ist zu groß, als dass Grenzanlagen sie aufhalten könnten. Ich habe die Situation in Syrien vor wenigen Wochen mit eigenen Augen gesehen. Das Ausmaß der Zerstörung von Homs ist unvorstellbar, ein Großteil der Stadt liegt in Ruinen. Man geht durch eine Geisterstadt, deren Menschen jede Hoffnung verloren haben.

Heute sind es die politischen Verhältnisse, morgen wird es die Klimaveränderung sein, die den Menschen das Leben in ihren Ländern unmöglich macht. Diese Entwicklung ist nicht ohne Weiteres umkehrbar. Sich dies nicht einzugestehen, wäre äußerst kurzsichtig. Die Flüchtlingsströme müssen gesteuert werden, aber sie aufhalten zu wollen – auch mit Stacheldraht und immer höheren Mauern – wäre von vorneherein zum Scheitern verurteilt. Eine europäische Zusammenarbeit ist dafür unerlässlich. Andernfalls würden wir aufgeben, was ein zusammenwachsendes Europa in siebzig Jahren erreicht hat.

Die gegenwärtige Situation macht Angst. Und diese Angst wird nicht verschwinden, indem wir sie verharmlosen oder leugnen. Nein, aber wir dürfen uns von ihr auch nicht lähmen lassen! Wenn wir der Fremdenfeindlichkeit nicht entschieden entgegentreten, kann die Menschenverachtung in unseren Gesellschaften Wurzeln schlagen.

Der erste Schritt muss für die reichen Länder der nördlichen Hemisphäre sein, sich ihre Mitverantwortung vor Augen zu führen, die sie am Entstehen der ungeheuren Wanderungsbewegungen tragen, vor allem in Afrika und dem Nahen Osten. Aber nicht nur in der Vergangenheit wurden Fehler gemacht; auch heute noch werden Entscheidungen getroffen, die die Stabilität dieser Regionen untergraben. In einem zweiten Schritt müssen dann Wege gesucht werden, wie wir mit unserer Angst vor dem Unbekannten, vor Fremden und ihren Kulturen, umgehen können. Zuwanderung hat unsere westlichen Gesellschaften im Laufe der Geschichte immer wieder verändert, und vieles, was unser Leben heute bunter macht, möchten wir alle nicht mehr missen. Aber diese Veränderungen werden noch zunehmen und wir müssen mit Mut das Neue, das auf uns zukommt, integrieren.

Die unzähligen Helfer, die beruflich oder ehrenamtlich bei der Aufnahme und der Integration arbeiten, gehen oft bis an die Grenzen ihrer Kräfte. Durch ihren Einsatz zeigen sie, wie ein konkreter Weg aussehen kann. Anstatt in den Fremden eine Bedrohung unseres Lebensstandards oder unserer Kultur zu sehen, können wir in ihnen Angehörige ein und derselben Menschheitsfamilie sehen. Dann kann sich zeigen, dass der Zustrom von Flüchtlingen und Einwanderern – trotz der manchmal unüberwindbar scheinenden Schwierigkeiten und Probleme – eine Chance darstellt. Auch wenn auf diesem Gebiet Prognosen nur schwer möglich sind, deuten selbst wissenschaftliche Untersuchungen auf die positiven Auswirkungen der Zuwanderung hin, vor allem in demographischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Werden diese positiven Seiten genügend beachtet? Die Menschen, die an die Türen der reicheren Länder klopfen, verlangen nach Solidarität. Verhelfen sie unseren Ländern nicht auch zu einem neuen Elan!

Wir haben in den letzten Monaten in Taizé Erfahrungen in dieser Richtung gemacht. Unser Beitrag ist zwar bescheiden und findet in einem überschaubaren Rahmen statt, aber er ist konkret: Im November des vergangenen Jahres haben wir in Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen eine Gruppe von elf jungen Flüchtlingen bei uns aufgenommen. Sie stammen aus dem Sudan – vor allem aus Darfur – sowie aus Afghanistan und waren zunächst einige Zeit im „Dschungel von Calais“. Ihre Ankunft in unserem kleinen Dorf hat in der Umgebung eine beeindruckende Welle der Solidarität ausgelöst: Menschen sind bereit, ihnen unentgeltlich Französischunterricht zu geben, Ärzte behandeln sie kostenlos, Nachbarn zeigen ihnen die Umgebung … Solche Gesten der Freundschaft helfen, das Dramatische, das diese jungen Menschen hinter sich haben, zu verarbeiten, zur Ruhe zu kommen und neuen Mut zu fassen. Aber es sind auch diejenigen bereichert, die sich um sie kümmern: Für viele ist es der erste persönliche Kontakt mit Muslimen, und das verändert den Blick.

Eine Erleichterung ist dabei die Tatsache, dass in Taizé bereits eine Reihe von Familien aus verschiedenen Ländern leben – aus Vietnam, Laos, Bosnien, Ruanda, Ägypten, dem Irak – einige schon seit Jahrzehnten. Demnächst kommt eine Familie aus Syrien dazu. Sie alle wissen, was es bedeutet, alles zurücklassen und in einer völlig anderen Umgebung von vorne anfangen zu müssen. Aber durch ihre kulturelle Verschiedenheit bringen sie Leben in unser Dorf.

Eine solche Erfahrung ist nicht nur uns vorbehalten. Gibt es nicht überall viel mehr Hilfsbereitschaft als man gemeinhin annimmt? Fremdenfeindlichkeit ist nicht so weit verbreitet wie es manchmal den Anschein hat. Meist sind es Unkenntnis und Hilflosigkeit, mit der wir vor dem uns Unbekannten stehen, was Ablehnung und Gewalt auslöst. Wo man sich persönlich begegnet, kommt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit auf; man wird fähig, sich in den anderen hineinzuversetzen und es entsteht Empathie. Dieser Weg ist nicht leicht. Man muss lernen, miteinander umzugehen, die Erwartungen des Einen mit der des Anderen in Einklang zu bringen und auch mit Enttäuschungen zu leben – aber es ist der einzig mögliche Weg in eine Zukunft in Frieden.

Wenn man sich den Herausforderungen der Ankunft von so vielen Flüchtlingen gemeinsam stellt und Ängste nicht noch schürt, könnten die Länder Europas und die Europäische Union als Ganze eine Dynamik wiederfinden, die im Laufe der Jahre verlorengegangen ist. Bietet sich hier nicht eine Chance, den Bürgern eine konkrete Verantwortung zu übertragen und sie noch direkter an der Gestaltung unserer Gesellschaft zu beteiligen!

Viele junge Europäer suchen diese Offenheit. Dies stellen wir tagtäglich in Gesprächen mit den Jugendlichen fest, die von allen Kontinenten zu den internationalen Jugendtreffen nach Taizé kommen. In ihren Augen hat ein vereintes Europa nur dann Sinn, wenn es auch Solidarität mit den anderen Kontinenten und mit den ärmeren Ländern der Erde zeigt.

All diese jungen Menschen haben keinerlei Verständnis dafür, dass Grenzen geschlossen werden. Sie verlangen, dass die wirtschaftliche Globalisierung mit einer weltweiten Solidarität einhergeht. Vor allem muss dies darin zum Ausdruck kommen, dass verantwortlich gehandelt und den Menschen, die vor Krieg, Verfolgung und Not fliehen, ihre Würde wiedergegeben wird. Dies kann nur durch ein persönliches Engagement gelingen, und dazu sind auch viele bereit!

Frère Alois auf der Ökumenischen Tagung: „2017 - gemeinsam unterwegs“

Die Frage, wie wir mit konkreten Schritten „gemeinsam weitergehen“ können, liegt uns in Taizé sehr am Herzen und wird uns auch von den Jugendlichen, die Woche für Woche auf unseren Hügel kommen, immer wieder gestellt. So möchte ich – im Hinblick auf das Jahr 2017 – versuchen, anhand unserer Erfahrungen in Taizé einige Antworten zu geben.

Einheit und Pluralismus

Die ökumenische Bewegung entstand im letzten Jahrhundert vor allem aus dem Anliegen heraus, eine konfessionelle Rivalität in den Missionsländern zu vermeiden. Heute stellt sich die Frage etwas anders, und dies klingt im Thema bereits an: Sind wir Christen in der Lage, die Unterschiede, die zwischen uns bestehen, anzunehmen und mit ihnen gemeinsam weiterzugehen, um auf diese Weise Sauerteig des Friedens unter den Menschen zu sein?

Die Kirche ist der Leib Christi mit einer klaren und sichtbaren Gestalt. Das Evangelium stiftet jedoch eine noch weiterreichende Gemeinschaft: Für Gott bilden alle Menschen eine einzige Familie. Daher stellt sich die Frage: „Wie können wir Christen zeigen, dass Einheit möglich ist, ohne die zwischen uns bestehenden Unterschiede zu leugnen?“ Wenn es uns gelingt, in wahrer Einheit zusammenzuleben und gleichzeitig unseren Pluralismus anzunehmen, werden wir zu einem Zeichen für die Menschheit, die ja ebenfalls nach Einheit strebt.

Die Globalisierung wird heute allerdings von vielen Menschen als Bedrohung empfunden. Die Schaffung größerer Wirtschaftsräume, der Abbau politischer Grenzen, aber auch die Unüberschaubarkeit der weltweiten Migration, machen es vielen Menschen schwer, die Globalisierung positiv zu sehen. Manche haben den Eindruck, ihre Wurzeln zu verlieren oder sehen ihre eigene Identität bedroht. So entstehen Ängste und man beginnt von neuem, sich von anderen abzugrenzen. Dies führt zu Spannungen und kann sogar gewaltsame Konflikte auslösen.

Dies trifft auch für die Christen zu: Obwohl zwischen den Kirchen noch nie so viele Beziehungen vorhanden waren wie heute, gab es auch noch nie so viele unterschiedliche Kirchen und christliche Gemeinschaften. Manchmal wird so getan, als ob man mit verschiedenen Kirchen mehr Menschen erreichen würde. Zweifelsohne entsprechen die vielen neu entstehenden Gemeinschaften einem Bedürfnis von Menschen, die Christus aufrichtig lieben. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass Christus uns durch sein Kreuz und seine Auferstehung in einen einzigen Leib, in einen neuen Bund mit Gott zusammengeführt hat. Christus ist so weit gegangen, sogar sein Leben hinzugegeben, um „die verstreuten Kinder Gottes zusammenzubringen“. [1] Er hat Mauern eingerissen und am Kreuz seine Arme über die getrennte Menschheit ausgebreitet. Seitdem gibt es nichts mehr, was unsere innere Distanz zu anderen rechtfertigen würde.

Alle, die Christus lieben, sind in seiner Nachfolge in eine große Gemeinschaft eingeladen. Durch diese Gemeinschaft, die Freundschaft ist, können die Christen dabei helfen, die Wunden der Menschheit zu heilen. Sie können, ohne sich aufzudrängen, eine weltweite Solidarität vorantreiben, die niemanden mehr ausschließt: kein Volk, keinen einzigen Menschen.

Im Gegensatz dazu hat man sich heute an einen höflichen Umgangston zwischen den Konfessionen gewöhnt. Dieser überdeckt allerdings oft nur unzureichend, dass man sich im Grunde genommen nach wie vor voneinander abgrenzt und nicht ernsthaft nach konkreten Schritten der Versöhnung sucht. In offiziellen Gesprächen werden zwar Fortschritte gemacht, aber die Trennungen werden weiterhin mit theologischen Spitzfindigkeiten gerechtfertigt. Wir Christen müssten uns eigentlich schämen, nicht mehr für die von Christus gewollte Einheit zu tun. Viele junge Menschen suchen einen Sinn und einen festen Halt im Leben; sie erwarten unsere Hilfe und wir dürfen ihnen nicht mehr länger die verwirrende Tatsache unserer Trennungen anbieten.

Suchen wir einen neuen Ausgangspunkt!

Wie bereits angedeutet, stehen wir heute vor einer doppelten Herausforderung: Eine Gemeinschaft all derer, die Christus lieben, kann nur entstehen, wenn wir die zwischen uns bestehende Vielfalt respektieren. Gleichzeitig muss diese Gemeinschaft sichtbar sein, um Orientierung bieten zu können. Die sichtbare Einheit muss also einen großen Pluralismus anerkennen. Papst Franziskus spricht in diesem Zusammenhang nicht mehr von einer Kugel, deren Punkte alle gleich weit vom Zentrum entfernt sind, sondern er gebraucht das Bild eines Polyeders, eines Gebildes mit vielen Flächen. Für ihn ist die Kirche „Verschiedenheit, die in Gemeinschaft vereint ist, nicht in Gleichheit, sondern in Harmonie“. So möchte ich heute Abend einen ersten Vorschlag machen, wie wir „gemeinsam weitergehen“ können und behaupten, dass wir einen neuen Ausgangspunkt finden müssen, um zu dieser „versöhnten Verschiedenheit“ zu gelangen.

Von „Einheit“ und „Verschiedenheit“ zu sprechen, ist zunächst mit zwei Gefahren verbunden: Die erste besteht darin, mit unserer Verschiedenheit die bestehenden Trennungen zu rechtfertigen. Die zweite Gefahr dagegen wäre, Einheit als Einförmigkeit misszuverstehen. Es bedeutet eine Gratwanderung, diese beiden Gefahren zu umgehen. Wie können Einheit und Verschiedenheit also miteinander in Einklang gebracht werden?

Zu lange bestand der Ausgangspunkt darin, das uns Trennende aufzulisten und zu analysieren. Vielleicht war dies ein notwendiger erster Schritt, aber letztlich müssen wir von Christus ausgehen, von ihm, der nicht geteilt ist!

Dietrich Bonhoeffer beschreibt diesen Ausgangspunkt besonders treffend: „Bruder ist einer dem anderen allein durch Jesus Christus. Ich bin dem anderen ein Bruder durch das, was Jesus Christus für mich und an mir getan hat; der Andere ist mir zum Bruder geworden durch das, was Jesus Christus für ihn und an ihm getan hat. Dass wir allein durch Jesus Christus Brüder sind, das ist eine Tatsache von unermesslicher Bedeutung… Wir haben einander nur durch Christus, aber durch Christus haben wir einander auch wirklich, haben wir uns ganz für alle Ewigkeit.“ [2]
Nehmen wir also als Ausgangspunkt den auferstandenen Christus, der Menschen aller Stände und Schichten, aller Sprachen und Kulturen, und selbst verfeindeter Völker in eine einzige Gemeinschaft zusammenführt. Daraus ergibt sich für uns Christen die Pflicht, mit all unserer Verschiedenheit nach sichtbarer Gemeinschaft zu suchen.

Ziehen wir unter ein gemeinsames Dach!

Dieser neue Ausgangspunkt führt mich zu einem zweiten Vorschlag, den ich schon einmal vorgebracht habe und den ich heute wiederholen möchte: Müssten die christlichen Kirchen nicht den Mut haben, „unter ein Dach“ zu ziehen, obwohl noch nicht alle theologischen Fragen geklärt sind! Dieser Schritt verlangt viel Fantasie. Aber der Heilige Geist kann sie uns schenken.

Es wird immer Unterschiede geben. Sie werden stets eine Aufforderung zum offenen Dialog sein, um uns gegenseitig bereichern zu lassen. Ist es nicht an der Zeit, das, was uns gemeinsam ist, an die erste Stelle zu setzen: unsere christliche Identität, die wir als Getaufte haben? In allen Kirchen wird bis heute die konfessionelle Identität betont: Man ist in erster Linie katholisch, evangelisch oder orthodox. In Wirklichkeit müsste die Tatsache an erster Stelle stehen, dass wir Getaufte sind! [3]

An dieser Stelle möchte ich etwas zu unserem Leben in Taizé sagen. In unserer Communauté leben evangelische und katholische Brüder zusammen, die auf diese Weise die zukünftige Einheit vorwegnehmen möchten. Wir tun dies, indem wir einen konkreten „Austausch der Gaben“ leben: mit den anderen das teilen, was wir als eine Gabe Gottes betrachten, und gleichzeitig anerkennen, dass Gott auch den anderen Schätze anvertraut hat. Papst Franziskus beschreibt diesen Weg sehr gut: „Es handelt sich nicht nur darum, Informationen über die anderen zu erhalten, um sie besser kennenzulernen, sondern darum, das, was der Geist bei ihnen gesät hat, als ein Geschenk anzunehmen, das auch für uns bestimmt ist.“ [4]

So empfangen wir Brüder seit Anfang der 1970er-Jahre, mit Einverständnis des damaligen Ortsbischofs, alle die Kommunion der katholischen Kirche. Dies war für uns die einzige Möglichkeit, gemeinsam die Kommunion zu empfangen. Jahre zuvor hatten die Brüder bereits festgestellt, dass die Gegenwart katholischer Brüder in der Communauté ein Ansporn war, stets in einer noch tieferen Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom zu leben. Sie waren sich bewusst, wie wichtig der katholischen Kirche die sichtbare universale Gemeinschaft in Christus schon immer war. Die Brüder der Communauté, die aus evangelischen Familien stammen, gehen diesen Weg, ohne in irgendeiner Weise ihre Herkunft zu verleugnen; der Glaube gewinnt für sie dadurch vielmehr an Weite.

Die Brüder aus katholischen Familien sehen eine Bereicherung darin, sich im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils den Gaben der Kirchen der Reformation zu öffnen. Diese betonen in besonderer Weise bestimmte Wirklichkeiten des Evangeliums: Gottes Handeln ist in keiner Weise vom Verhalten des Menschen abhängig, Gott schenkt seine Liebe unverdient; in seinem Wort kommt Gott auf die Menschen zu, die es hören und in die Tat umsetzen; das Vertrauen des Glaubens führt zur Freiheit der Kinder Gottes und im gemeinsamen Gesang dringt das Wort Gottes tief in uns ein.

Schon in frühen Jahren hat unsere Communauté versucht, ihre Gemeinschaft mit der Orthodoxen Kirche zum Ausdruck zu bringen. 1965 sandte der ökumenische Patriarch Athenagoras von Konstantinopel Mönche nach Taizé, um für mehrere Jahre das monastische Leben mit uns zu teilen. Frère Roger hat sehr geduldig eine vertrauensvolle Beziehung mit der russisch-orthodoxen Kirche aufgebaut, die bis heute besteht. Die Auferstehung – die Auferstehung Christi und auch unsere eigene – sowie die Rolle des Heiligen Geistes in der Kirche sind auch für uns der Mittelpunkt unseres Glaubens, wie auch für die Christen des Ostens. Die Lehre der Kirchenväter ist ebenso für uns von großer Bedeutung.

Dieses ökumenische Zusammenleben stellt in unserem Alltag etwas Selbstverständliches dar. Natürlich bringt dies auch Einschränkungen mit sich und verlangt Verzicht. Aber es gibt keine Versöhnung ohne Verzicht.

Man kann die Geschichte von Taizé als Versuch ansehen, gemeinsam unter einem Dach zu leben: Wir Brüder stammen aus fast 30 verschiedenen Ländern, wir leben unter dem Dach eines Hauses und kommen zum gemeinsamen Gebet dreimal am Tag unter dem Dach der Versöhnungskirche zusammen.

An diesem gemeinsamen Gebet in Taizé nehmen Jugendliche aus allen Teilen der Welt teil – unter ihnen katholische, evangelische und orthodoxe Christen. Sie teilen miteinander ihre Suche nach Gott, genauso wie das tägliche Leben, die Mahlzeiten und alle anfallenden Arbeiten. Auf diese Weise sind auch sie Teil dieses „Gleichnisses der Gemeinschaft“, das die Communauté verwirklichen will. Sie versuchen nicht, ihren Glauben auf einen „kleinsten gemeinsamen Nenner“ zu bringen oder ihre Wertvorstellungen einzuebnen, dennoch machen sie die erstaunliche Erfahrung einer tiefen Einheit.

Diese jungen Menschen machen eine Erfahrung von Gemeinschaft, auch wenn sie wohl eher von Freundschaft sprechen würden, von Miteinanderteilen, von gegenseitigem Respekt, Zusammensein, Kennenlernen und ähnlichem.

Doch im Grunde genommen machen sie eine neue Erfahrung von Kirche: Sie entdecken die Schönheit dieser Gemeinschaft, auch wenn sie es vielleicht anders ausdrücken. Sie staunen und fragen sich, was sie so tief verbindet: Wie kommt es, dass so unterschiedliche Menschen sich verstehen, obwohl sie verschiedenen Konfessionen, verschiedenen Kulturen und manchmal sogar Völkern angehören, zwischen denen Krieg herrscht?

Manche finden dann in Gott, in Christus, die Quelle einer Einheit, die über sämtliche Grenzen hinweggeht. Man könnte also sagen: So wichtig es auch ist, über den Glauben und die Kirche zu sprechen, es muss stets eine Erfahrung von Gemeinschaft vorausgehen.

Wenn es uns Brüdern möglich ist, die Einheit vorwegzunehmen, und wenn Jugendliche sich im Rahmen der Jugendtreffen in Taizé daran beteiligen können, warum wäre dies nicht auch woanders möglich?

Aus diesem Grund sage ich oft zu den getrennten Christen: Warten wir nicht länger, begeben wir uns unter ein gemeinsames Dach! Wenn alle Christen eine Familie bilden, wäre es doch die normalste Sache der Welt, unter einem Dach zu leben und nicht zu warten, bis alle in allem einer Meinung sind!

Christus gibt die Einheit wann und wie er will; sie ist ein Geschenk. Aber wir müssen dieses Geschenk auch annehmen! Wie kann Christus uns die Einheit schenken, wenn wir uns nicht unter ein gemeinsames Dach begeben? Die Apostel, Maria und einige andere Frauen und Männer haben den Heiligen Geist empfangen, als sie unter dem Dach des Obergemaches in Jerusalem zusammen waren. Genauso vereint uns der Heilige Geist mit all unserer Verschiedenheit!

Wie können wir diesen Schritt konkret vollziehen? - In den vergangenen zwei Jahren habe ich bereits bei verschiedenen Gelegenheiten folgende Anregungen gemacht:

- Wir können uns innerhalb unserer Ortsgemeinde, zwischen Nachbarn und Familien, wie eine Art „Basisgemeinde“ zusammentun, um gemeinsam zu beten, um uns gegenseitig zu helfen und uns näher kennenzulernen.

- Beispiele einer gemeinsamen Bibelarbeit zwischen Gemeinden verschiedener Konfessionen, eines gemeinsamen Sozial- und Seelsorgedienstes sowie eines gemeinsamen Religionsunterrichts gibt es bereits. Diese Zusammenarbeit ist noch ausbaufähig: Jede Gemeinde könnte mit den Christen der anderen Konfessionen alles gemeinsam tun, was gemeinsam getan werden kann. Man könnte sich vornehmen, nichts mehr zu unternehmen, ohne die anderen mit einzubeziehen.
- Könnte nicht der Dom oder die Hauptkirche an vielen Orten zu einem Haus des Gebets für alle Christen der Stadt werden?

- Der theologische Dialog muss weitergehen! Doch könnte er nicht noch mehr als bisher im Rahmen eines gemeinsamen Gebets geführt werden, aus dem Bewusstsein heraus, dass wir bereits beisammen sind? Wo man zusammenlebt und gemeinsam betet, werden auch die theologischen Fragen anders angegangen. Vielleicht gilt das Gleiche für die Behandlung ethischer Fragen!

- Alle Glaubenden haben die Berufung, füreinander Sorge zu tragen. Die Kirche braucht aber auch auf den verschiedenen Ebenen ein Dienstamt der Einheit. Auf Weltebene ist dies traditionellerweise mit dem Bischof von Rom verbunden. Könnte man ihn nicht als Diener anerkennen, der für die Eintracht seiner Brüder und Schwestern in ihrer großen Verschiedenheit Sorge trägt? Könnten die einzelnen Kirchen nicht mit diesem Dienstamt verbunden sein, wenn auch auf unterschiedliche Weise? Ist dies im Übrigen nicht, zumindest ansatzweise, schon mancherorts eine unausgesprochene Wirklichkeit?

- Müssten die Kirchen, die sosehr darauf bestehen, dass für den gemeinsamen Kommunionempfang die Einheit im Glauben und das Einverständnis über das Amt Voraussetzung sind, nicht mit ebenso großem Nachdruck auf der Einmütigkeit in der geschwisterlichen Liebe bestehen! Ich denke dabei an die katholische und orthodoxe Kirche. Könnten sie nicht denen, die ihre Sehnsucht nach Einheit bekunden und an die Realpräsenz Christi glauben, eine weitreichendere eucharistische Gastfreundschaft gewähren? Die Eucharistie ist nicht nur der Höhepunkt der Einheit, sondern auch der Weg zu ihr.

In diesen Vorschlägen geht es ganz wesentlich um die gegenseitige Gastfreundschaft, wobei ich dabei nicht nur an die eucharistische Gastfreundschaft denke. [5] Eine Ökumene der Gastfreundschaft! Wenn wir diese noch mehr ins Zentrum stellen würden, läge der Schwerpunkt nicht mehr so sehr auf der Arbeit von Dialogkommissionen, sondern auf dem Leben und dem Alltag der Gläubigen. Die interkonfessionelle, wie übrigens auch die interreligiöse Gastfreundschaft, setzt ein Bemühen um „Übersetzung und Vergebung“ voraus, sowie die Anerkennung des jeweils anderen. Gastfreundschaft ist auf das Vertrauen angewiesen, dass der andere es genauso ehrlich meint wie ich.

Ich möchte damit sagen: Wahre Gastfreundschaft verlangt zunächst einmal, dass wir uns die Mühe machen, uns in den anderen hineinzuversetzen und ihm unsere Glaubens- und Frömmigkeitsformen zu erklären. Diese sind für den anderen wie eine fremde Sprache, die wir ihm übersetzen müssen. Das verlangt viel Geduld und wir gelangen damit nie ans Ende: dem anderen zuhören, seine Worte in meine eigene Sprache übersetzen und dabei hinnehmen, dass ein Teil des Gesagten unübersetzbar bleibt, und trotz allem gemeinsam weitergehen.

Weil wir dem anderen nie alles übersetzen können, sind Begegnung und Gastfreundschaft nicht ohne Vergebung möglich, wo Intoleranz und Ablehnung des anderen das geschwisterliche Zusammenleben verletzt haben. Man kann Vergebung jedoch nicht einfordern, genauso wenig wie man Barmherzigkeit oder Gnade einfordern kann.

Gastfreundschaft bedeutet auch, den anderen als anderen anzuerkennen. Könnten wir nicht dort, wo sich uns die Wahrheit des Glaubens eines anderen verschließt, zumindest die Aufrichtigkeit seines Glaubens und seiner Suche sehen! Dann können wir auch das, was wir an anderen nicht verstehen, als Geheimnis achten und staunend lernen, für den anderen dankbar zu sein. Dies brächte mehr Freude in unser ökumenisches Leben!

Gemeinsam der Wahrheit entgegengehen!

Aber ist es tatsächlich möglich, uns unter ein gemeinsames Dach zu begeben, ohne dass in allen theologischen Fragen Einverständnis herrscht? Ja, dessen bin ich mir ganz sicher. Und hiermit wäre ich bei meinem dritten Vorschlag: Gemeinsam der Wahrheit entgegengehen, und nicht jeder für sich!

Von Papst Benedikt XVI., der stets bemüht war, jeden Relativismus zu vermeiden, stammt der wunderbare Satz: „Es ist unangebracht, in ausschließender Weise zu behaupten: ‚Ich besitze die Wahrheit‘. Die Wahrheit ist niemals Besitz eines Menschen. Sie ist immer Geschenk, das uns auf einen Weg ruft, sie uns immer tiefer anzueignen. … Die Wahrheit kann nur in der Freiheit erkannt und gelebt werden; denn wir können dem anderen die Wahrheit nicht aufzwingen. Nur wenn wir einander in Liebe begegnen, enthüllt sich die Wahrheit.“ [6]

„Die Wahrheit ist niemals Besitz eines Menschen. Sie ist immer Geschenk!“, sagt Papst Benedikt. Müsste die Theologie in den verschiedenen Kirchen nicht demütiger werden und noch mehr der Tatsache gerecht werden, dass sich Gott nicht in unsere Gedankengebäude einsperren lässt. Hier kann uns die apophatische Theologie helfen, die in der Ostkirche eine große Rolle spielt und die in erster Linie hervorhebt, was Gott nicht ist, anstatt zu versuchen, Gott zu definieren.

Dies käme auch dem Anliegen der Reformatoren entgegen, die die Unverfügbarkeit Gottes immer wieder betont haben und jeden Tauschhandel mit Gott ablehnten: Gott ist frei, „unvorhersehbar“, und seine Barmherzigkeit ist größer als alles, was wir uns vorstellen können. So ist jeglicher Handel mit ihm ausgeschlossen; wir können Gott zu nichts zwingen.

Dennoch bedeuten Freiheit und radikale Transzendenz Gottes nicht, dass die Wahrheit unerreichbar wäre. Nach den Worten des Evangelisten Johannes wird der unsichtbare und alles übersteigende Gott zugänglich in der Person Jesu und in der geschwisterlichen Liebe. „Niemand hat Gott je gesehen. Der Einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, er hat Kunde gebracht.“ [7] Und an anderer Stelle schreibt Johannes: „Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns und seine Liebe ist in uns vollendet.“ [8]Für Johannes gibt es nur einen Weg, um in der Wahrheit Christi zu bleiben: zusammenkommen und uns gemeinsam auf den Weg zu machen. Das ist, was Papst Benedikt mit den Worten ausdrückt: „Nur wenn wir einander in Liebe begegnen, enthüllt sich die Wahrheit.“

Ich möchte das Gesagte anhand der in der Apostelgeschichte überlieferten Begegnung zwischen Petrus und Kornelius veranschaulichen: Diesen beiden Menschen geht, indem sie sich begegnen, eine Wahrheit auf, die weder der eine noch der andere von ihnen vorher kannte:

In Cäsarea befiehlt ein Engel dem römischen Hauptmann Kornelius, einen gewissen Petrus aus Joppe holen zu lassen. Kornelius hat keine Ahnung, um wen es sich handelt. Zur gleichen Zeit hat Petrus in Joppe eine eigenartige Vision: Er soll alle möglichen als unrein betrachtete Tiere essen – „Vierfüßler, Kriechtiere der Erde und Vögel des Himmels“. Weder Petrus noch Kornelius verstehen, was geschieht.

Als die Boten des Kornelius zu Petrus kommen, begreift dieser zwar, dass er mitgehen soll, aber nicht warum. Und als er in Cäsarea ankommt, weiß auch Kornelius noch nicht, was Gott ihm durch diesen Jünger Jesu sagen will.

Erst im Hause des Kornelius beginnt Petrus zu begreifen, was die Vision, die er hatte, bedeutet, nämlich dass man „keinen Menschen unheilig oder unrein nennen“ und meiden darf, und dass er mit seinem Besuch bei dem Römer Kornelius nicht gegen das Gesetz verstößt. Petrus erzählt also, was er über Gott und Jesus weiß. Und zu seinem großen Erstaunen wird der Heilige Geist über Kornelius und die Seinen – also über Nicht-Juden – ausgegossen. [9]

Weder Petrus noch Kornelius wussten im Voraus, was ihnen geoffenbart werden sollte, nämlich dass Gott auch den Nicht-Juden „die Umkehr zum Leben geschenkt hat!“ Genauso wenig wie Kornelius hätte Petrus für sich allein die Wahrheit gefunden, obwohl er, der Apostel, doch in einer festen Beziehung zu Christus stand. Erst unter einem Dach und an einem gemeinsamen Tisch [10] konnte sich ihnen die Wahrheit offenbaren.

Die Wahrheit eröffnet sich nur in einer Begegnung der Liebe. Wir werden als Christen erst zu dem, was wir sind, wenn wir uns gemeinsam auf den Weg machen. So stellt sich nun konkret die Frage: Bringen wir den Mut auf, uns unter ein gemeinsames Dach und an einen gemeinsamen Tisch zu begeben, um zusammen der Wahrheit entgegenzugehen, die sich nicht anders offenbaren kann?

Auf dem Handzettel zu dieser Tagung sind die „Fünf Ökumenischen Imperative“ aus dem Dokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ erwähnt, von denen der Zweite dieselbe Frage anspricht: „Lutheraner und Katholiken müssen sich selbst ständig durch die Begegnung mit dem Anderen und durch das gegenseitige Zeugnis des Glaubens verändern lassen.“

Es ist wahr: Die Begegnung verändert; Petrus und Kornelius haben dies erfahren. Eine solche Veränderung kann schmerzhaft sein, wenn dabei unsere inneren Widerstände zutage treten, all das, worin wir die anderen insgeheim ablehnen oder verurteilen. Aber gerade dort offenbart sich die Wahrheit unserer Einheit, die sich nicht zeigen kann, solange jeder für sich bleibt.

Es war für Petrus kein leichter Schritt, zu Kornelius zu gehen und seine Gastfreundschaft anzunehmen. Und sofort wurden ihm von seinen Mitchristen Vorhaltungen gemacht. Aber die Apostelgeschichte berichtet auch, wie sich die Betroffenen, sobald sie die Wahrheit erkannten, „beruhigten und Gott priesen.“

Die Schönheit der Berufung der Kirche

Zum Abschluss möchte ich noch Folgendes sagen: Wenn die Christen an einem Ort, in einer Stadt, in einem Land und selbst weltweit versuchen, sich in Liebe zu begegnen, wie Mitglieder ein und derselben Familie, wie Bewohner eines gemeinsamen Hauses, dann legen sie Zeugnis ab für den Frieden Christi und können selbst in schwierigsten Situationen Frieden stiften.

Viele Christen und die meisten Kirchen und christlichen Gemeinschaften möchten gemeinsam solche Zeugen des Friedens sein. Die ökumenischen Gespräche haben Wege dazu gebahnt. Zögern wir also nicht länger, die Konsequenzen daraus zu ziehen und gemeinsam weiterzugehen! Gehen wir von Christus aus, der nicht geteilt ist; begeben wir uns unter ein gemeinsames Dach und gehen wir gemeinsam der Wahrheit entgegen!

Damit betreten wir Neuland und müssen uns auf das Wort des Propheten Jesaja stützen, der sagt: „Die Blinden will ich auf dem Wege leiten, den sie nicht wissen; ich will sie führen auf den Steigen, die sie nicht kennen. Ich will die Finsternis vor ihnen her zum Licht machen.“ [11]

Wir vertrauen uns dem Heiligen Geist an, der uns auf Wege führt, auf denen wir noch nie gegangen sind. Er zeigt uns, wie wir zu wahrhaftigen Zeugen der Gemeinschaft werden.

Ein „solidarischer Gemüsegarten“ in Taizé

Seit mehreren Jahren liegt ein starker Akzent der internationalen Jugendtreffen in Taizé und an anderen Orten auf der Welt auf der Suche nach neuen Wegen der Solidarität in der heutigen Gesellschaft. Die Bewahrung der Schöpfung ist einer der Aspekte dieser Suche. In einer der für dieses Jahr veröffentlichten Vorschläge schreibt Frère Alois an die Jugendlichen: „Die Erde gehört Gott, der sie den Menschen als Geschenk zur Verfügung gestellt hat. Darin liegt eine sehr große Verantwortung, für unseren Planeten Sorge zu tragen und die Ressourcen nicht zu vergeuden. Die Erde ist begrenzt, daher müssen auch die Menschen ihre Begrenztheit anerkennen.“


Aus diesen Überlegungen ist – klein, aber konkret – ein „solidarische Gemüsegarten“ in Taizé hervorgegangen.

Woche für Woche arbeiten Jugendliche zusammen mit einem Bruder der Communauté dort und bauen Gemüse an, mit dem karitative Organisationen in der Region unterstützt werden.

Frère Alois an Weihnachten in Syrien

Am Vorabend des Europäischen Jugendtreffens in Valencia ist Frère Alois direkt aus Syrien in Spanien eingetroffen. Er hat Weihnachten in Homs verbracht, unter Menschen, die mitten in den Ruinen dieser Stadt die Gewalt Tag für Tag hautnah erleben. Zuvor war Frère Alois mit zwei Brüdern der Communauté, die bereits seit zwei Monaten im Libanon unter Flüchtlingen leben, einige Tage in Beirut.

Am Montagabend sprach Frère Alois zu den jungen Teilnehmern des Europäischen Treffens in Valencia über seinen Aufenthalt im Nahen Osten.

Von Darfur nach Taizé – auf dem Umweg über Calais

Im Juni dieses Jahres kam eine Familie mit zwei Kindern, die 2014 aus der Nähe von Mossul in das irakische Kurdistan fliehen musste, nach Taizé. Eine irakisch-ägyptische Familie, die bereits seit mehreren Jahren in Taizé lebt, half ihr, Fuß zu fassen.

Die Communauté hatte sich bereiterklärt, weitere Flüchtlinge aufzunehmen, und so kamen am letzten Donnerstag schließlich sieben junge Flüchtlinge aus dem „Dschungel von Calais“ nach Taizé. Sie stammen alle aus dem Nordsudan, sind zwischen 19 und 26 Jahre alt, und haben mehrere ihrer Angehörigen in den kriegerischen Auseinandersetzungen in Darfur verloren. Ihre Familien leben dort in verschiedenen Flüchtlingslagern. Die Jugendlichen wurden in einem Haus im Dorf untergebracht, wo sie auch die übrigen Einwohner von Taizé sehr herzlich aufgenommen haben.

Vor Kurzem sind weitere Jugendliche aus dem Sudan und aus Afghanistan in Taizé eingetroffen.


Die Communauté wird vom Gemeinderat des Dorfes, dem Gemeindeverbund von Cluny sowie von örtlichen Vereinen und Privatpersonen bei der Aufnahme dieser Jugendlichen unterstützt. Orsi aus Taizé hilft seit dem ersten Tag tatkräftig mit:

Sie kamen an einem nebligen und kalten Herbsttag direkt aus Calais in Taizé an. Sie waren müde, verschüchtert, orientierungslos und hatten Hunger. Sie wussten nicht, wer wir waren, und sie trauten uns nicht. Niemand hatte ihnen gesagt, wohin sie kämen. Jeder Einzelne von ihnen hat Schreckliches erlebt und jetzt einen Antrag auf Asyl gestellt. Sie sind Muslime.
 
Die Nachricht von den Ereignissen in Paris am Vorabend des 14. November war für sie ein schwerer Schlag. Ihr erster Satz war: „Das tut uns aufrichtig leid, das hat nichts mit dem Islam zu tun!“ Sie wiederholten diesen Satz immer wieder und fragten uns, ob sie für die Opfer und deren Familien beten könnten. Wir haben natürlich ja gesagt, und sie taten es. Dann haben wir gemeinsam geweint. Am Sonntagabend um 18:30 Uhr war wie jede Woche ein stilles Gebet für den Frieden in der Welt. Sie waren froh, mit uns zusammen dort hinzugehen.
 
Ich glaube, dass wir angesichts der schwierigen Ereignisse um uns herum noch mehr auf die anderen zugehen müssen, den Austausch suchen, gemeinsam überlegen und versuchen, den anderen zu verstehen. Wie kann man zeigen, dass das Gute stärker ist als das Böse, dass die Freude stärker ist als der Schrecken, die Hoffnung stärker als die Dunkelheit, das Leben stärker als der Tod?

Zehn Tage nach den Anschlägen von Paris lud der interreligiöse Arbeitskreis des Departements Saône-et-Loire zu einem Gebet im Andenken an die Opfer in die evangelische Kirche von Chalon-sur-Saône ein. Zwei Brüder der Communauté nahmen zusammen mit den sieben jungen Sudanesen daran teil.

Frère Denis (1934-2015)

Frère Denis lebte mit mehreren Brüdern der Communauté in einer Fraternität in Nairobi, Kenia. Vor einigen Wochen kam er nach Frankreich zurück. Er wurde umgehend nach Lyon ins Krankenhaus gebracht, wo ein unheilbarer Gehirntumor festgestellt wurde. Am 10. November kam er aus dem Krankenhaus nach Taizé zurück. In der Nacht zum Samstag, den 28. November, dem Vorabend des ersten Advents, starb er im Schlaf.

Vor über einem halben Jahrhundert projektierte und leitete er in Taizé den Bau der Versöhnungskirche. Darüber hinaus entwarf er unter anderem auch die Kirche der Gemeinde „Josef der Arbeiter“ im Armenviertel Kangemi, in Nairobi, das Papst Franziskus am 27. November diesen Jahres im Rahmen einer Afrikareise besuchte.

Noch vor wenigen Monaten hatte Frère Denis aus Baumrinde eine Ikonenreihe geschaffen, die Szenen aus dem Evangelium darstellt und entlang des Weges von Taizé hinab zur Quelle Saint-Étienne aufgestellt wurde. Dieser „Evangeliumsweg“ sowie eine Sonderausstellung mit einer Reihe seiner Werke sind auf den verlinkten Seiten beschrieben.


Zu Beginn seines Begräbnisgottesdienstes am 1. Dezember sprach Frère Alois folgendes Gebet:

Jesus Christus, wir vertrauen dir unseren Bruder Denis an, den du zu dir in das Leben von Ewigkeit aufnimmst. In Demut und Aufrichtigkeit hat er an dich geglaubt und ist deinem Ruf gefolgt. Er hat sich mit seiner großen schöpferischen Begabung in deinen Dienst gestellt. Gemeinsam mit seinen Brüdern – in Taizé und in den Fraternitäten – war er ein Zeuge deiner Liebe. Er liebte Afrika und die Menschen, in deren Nähe er in Kenia und im Senegal gelebt hat. Wir loben dich für sein Leben in unserer Mitte und vertrauen auf deine Barmherzigkeit. Heiliger Geist, du erfüllst uns, wie unseren Bruder Denis, mit Hoffnung, sodass wir dir auch mit einem ganz geringen Glauben durch unser Leben sagen können: „Christus ist auferstanden!“

[Nairobi, 2008]

Gebet von Frère Alois für die Opfer der tragischen Ereignisse in Paris

Während des Mittagsgebets am heutigen Samstag betete Frère Alois für die Opfer der Anschläge in Beirut und in Paris in der Nacht vom 13. auf den 14. November:

Ewiger Gott, wir möchten uns in unserem Tun und Denken immer wieder auf deine Gegenwart stützen, hier finden wir die Quelle unserer Hoffnung. Wir vertrauen dir die Opfer der Anschläge von Paris und Beirut an, ihre Familien und Angehörigen in ihrer Trauer. Gemeinsam mit Glaubenden auf der ganzen Erde, rufen wir deinen Namen an und beten: Dein Friede komme in unsere Welt.

Ebenfalls wird in den Fürbitten im heutigen Abendgebet der Opfer der Anschläge von Paris und Beirut sowie ihrer Angehörigen gedacht.

Frère Alois hat auch verschiedenen muslimischen Freunden in mehreren Städten Frankreichs geschrieben.

Taizé und die Vorbereitung der COP21

Zahlreiche Initiativen christlicher Kirchen entstehen zurzeit im Vorfeld der COP21 in Paris. Hier einige Ereignisse, an denen sie beteiligt ist:

Samstag, 14. November: „People’s Pilgrimage“ macht in Taizé Station

Unter dem Namen „People’s Pilgrimage“ werden auf allen fünf Kontinenten interreligiöse Pilgerwege organisiert, um einstimmig für Maßnahmen einzutreten, die den verheerenden Folgen des Klimawandels entgegenwirken.

Im Mai dieses Jahres hat der ehemalige Botschafter der Philippinen, Yeb Saño, der seinerzeit für die Verhandlungen über Maßnahmen zum Klimaschutz zuständig war, seinen Posten aufgegeben und sich zu Fuß für mehrere Monate auf den Weg nach Paris und zur COP21 begeben.

Nach einem Zwischenhalt in Rom waren die Teilnehmer dieses Pilgerwegs über 700 km in Italien unterwegs und haben am 6. November nach der Alpenüberquerung von Genf kommend Frankreich erreicht.

Am Freitag, den 13. November werden sie in Cluny empfangen und am Samstagvormittag zu Fuß in Taizé eintreffen. Dort findet am Samstag, den 14. November um 15:15 Uhr ein Thementreffen mit den Teilnehmern dieses Pilgerwegs statt, zu dem alle eingeladen sind.


Freitag, 27. November: Empfang der Pilger in Paris

Während der Klimaverhandlungen der COP21 im Dezember organisieren viele verschiedene Glaubensgemeinschaften aus der ganzen Welt Veranstaltungen in Paris: Mahnwachen, Treffen, Festivals, Gebete, Pilgerwege … Eine Liste dieser verschiedenen Veranstaltungen ist im Internet zugänglich. Unter anderem werden die Pilger, die aus den vier Himmelsrichtungen in Paris eintreffen, in der Kirchengemeinde Saint Merry mit einem besonderen Programm empfangen.


Donnerstag, 3. Dezember: Ökumenisches Gebet in Notre-Dame

Auf Einladung des Pariser Kardinals André Vingt-Trois und des Rats der christlichen Kirchen Frankreichs, kommen zahlreiche Kirchenverantwortliche – unter ihnen auch Patriarch Bartholomäus von Konstantinopel – am 3. Dezember in der Kathedrale Notre-Dame von Paris zum Gebet zusammen. Frère Alois wird ebenfalls an diesem Gebet teilnehmen.


Samstag, 5. Dezember: Abendgebet mit Gesängen aus Taizé in der Kirche Saint-Ignace in Paris

In Zusammenarbeit mit dem Rat der christlichen Kirchen Frankreichs und der Erzdiözese von Paris findet am Samstag, den 5. Dezember um 20:30 Uhr in der Kirche Saint Ignace, 33, rue de Sèvres, ein Abendgebet mit Gesängen aus Taizé statt. Frère Alois und weitere Brüder der Communauté nehmen daran teil. Wer bei der Vorbereitung dieses Gebets mithelfen kann bzw. von auswärts anreist, möchte sich [vorab meldeninfo2015 taize.fr.

Ostern – Die Freude der Auferstehung in Gemeinschaft mit denen, die auf der Welt leiden

In den Wochen um Ostern sind über 6000 Jugendliche für einige Tage auf den Hügel von Taizé gekommen. Auch zahlreiche Besucher aus der näheren und weiteren Umgebung von Taizé haben mit den Brüdern der Communauté und den Jugendlichen gemeinsam Ostern gefeiert. In diesem Jahr wurde vor dem Auferstehungsgottesdienst ein großes Feuer vor der Versöhnungskirche angezündet, an dem die Osterkerze entzündet wurde. Danach zogen alle gemeinsam in die Kirche. Eine weitere Neuigkeit: So wie Frauen das leere Grab fanden und die Auferstehung den Jüngern verkündeten, haben in diesem Jahr Schwestern der verschiedenen in Taizé vertretenen Ordensgemeinschaften in über zwanzig verschiedenen Sprachen den Ostergruß ausgerufen: „Christus ist auferstanden“.

Mittlerweile hat der Frühling auf dem Hügel endgültig Einzug gehalten und die Jugendtreffen gehen weiter. In diesen Wochen sind besonders viele Jugendliche aus Deutschland und Frankreich da; unter ihnen sind auch viele evangelische Pfarrer, die die Jugendlichen begleiten. Außerdem ist momentan eine Gruppe einer orthodoxen Gemeinde aus Moskau, die jedes Jahr um diese Zeit nach Taizé kommt, bei uns. Erst vor über drei Wochen hatten sie mehrere Brüder der Communauté und Jugendliche für die Ostertage bei sich aufgenommen.

Frère Alois hat in den letzten Wochen in Mittagsgebet mehrmals Menschen erwähnt, die zur Zeit in besonderer Weise leiden: unter dem Krieg in der Ostukraine, die ertrunkenen Flüchtlinge im Mittelmeer, die Opfer der Erdbeben in Nepal. Dies lässt uns hellhörig werden für die Anliegen der Welt, dort, wo jeder von uns lebt. Timothée, ein junger Franzose, schreibt: Nach einer Woche in Taizé geht es darum, „wieder nach Hause zu fahren, wo das Leben weniger fröhlich und auch weniger lichterfüllt ist, als in Taizé. Aber wir müssen das Licht, das wir empfangen haben, in unserer Umgebung weitergeben, damit es in unserem oft trübsinnigen Alltag scheint.“

Konferenzen zur Fastenzeit in Paris

Am Sonntag, den 8. März hielt Frère Alois einen Vortrag im Rahmen der „Konferenzen zur Fastenzeit“ in Notre-Dame von Paris. Das Thema lautete: „Ein Leben, das zu einem Zeichen wird.“ Der Text des Vortrags (auf Französisch) auf den Internetseiten der Erzdiözese von Paris.

Frère Jean-Philippe (1946 – 2014)

Am 10. November starb Frère Jean-Philippe in Taizé im Alter von 68 Jahren. Er stammte aus dem schweizerischen Lausanne und trat nach seinem Studium der Literaturwissenschaft 1968 in die Communauté ein.

Frère Jean-Philippe war seit langem wegen eines Herzleidens in Behandlung und starb völlig überraschend, während er sich in seinem Zimmer aufhielt. Die Begräbnisfeier fand am 15. November in der Versöhnungskirche von Taizé im Beisein seiner Schwester, seines Schwagers und deren vier Söhne, statt.

Frère Roger erkannte sehr bald die Fähigkeiten von Frère Jean-Philippe und vertraute ihm sehr verantwortungsvolle Aufgaben an, unter anderem im finanziellen Bereich des Lebens der Communauté sowie der Verlagsarbeit der Presses de Taizé.

Gegen Ende der 1980-er und zu Beginn der 1990-er Jahre bat Frère Roger ihn, jeweils für einige Zeit die Brüder zu unterstützen, die damals in den Vereinigten Staaten lebten. Er verbrachte mehrere Monate mit ihnen in New York, im damals als Hell’s Kitchen berüchtigten Stadtteil sowie in einem afroamerikanischen Stadtteil von Milwaukee. Zusammen mit anderen Brüdern reiste er durch die amerikanischen Bundesstaaten des Mittleren Westens und durch Texas, um Jugendliche für das nordamerikanische Treffen vorzubereiten, das von Taizé organisiert wurde und 1992 in Dayton, Ohio, stattfand.

Danach kehrte Frère Jean-Philippe nach Taizé zurück und kümmerte sich unter vielen anderen Dingen auch um die Visa der Jugendlichen, die aus vielen verschiedenen Ländern an den internationalen Jugendtreffen in Taizé teilnehmen.

Als zu Beginn der 1990-er Jahre der Krieg im früheren Jugoslawien ausbrach, fuhr er nach Kroatien, wo sich damals zahlreiche Flüchtlinge aufhielten. Er bereitete auch den Aufenthalt mehrere Kindergruppen aus Bosnien in Taizé vor, die sich auf diese Weise bei uns erholen konnten. Ebenso kümmerte er sich um die Übersiedelung einer Familie von Sarajevo nach Taizé, die bis heute noch hier in Taizé lebt.

Frère Jean-Philippe war sehr gebildet, ausgesprochen gütig und demütig, und er liebte das Schöne. Er interessierte sich leidenschaftlich für Bücher und hatte jederzeit für seine Brüder einen guten Rat, was eine bestimmte gute Lektüre betraf.

Sein ganzes Leben hindurch hat Frère Jean-Philippe Menschen geistlich begleitet, die heute übereinstimmend davon berichten, mit wie viel Einfühlungsvermögen, Respekt und Gelassenheit er jedem zuhören konnte.

Papst Franziskus über die von Taizé organisierten Jugendtreffen und die Suche nach der Einheit der Christen

Am Vormittag des 30. November nahm Papst Franziskus im Rahmen seiner apostolischen Reise in die Türkei an einer vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus von Konstantinopel gefeierten Göttlichen Liturgie teil. Diese fand in der Patriarchalkirche St. Georg im Phanar in Istanbul statt.

In seiner Ansprache ging Papst Franziskus auf die Suche nach der vollen Gemeinschaft zwischen den Kirchen ein und erwähnte diesbezüglich drei „Stimmen“, die unüberhörbar nach dieser Einheit verlangen: die Armen, die Opfer von Konflikten in vielen Teilen der Welt sowie die Jugendlichen. Auf die Letzteren bezogen fügte der Papst hinzu:

Gerade die Jugendlichen – ich denke zum Beispiel an die Scharen von jungen Orthodoxen, Katholiken und Protestanten, die sich auf den von der Gemeinschaft von Taizé organisierten internationalen Treffen begegnen – fordern uns heute auf, Fortschritte zur vollen Gemeinschaft hin zu machen. Und dies nicht, weil sie die Bedeutung der Unterschiede, die uns noch trennen, ignorieren, sondern weil sie weiter zu sehen vermögen und fähig sind, das Wesentliche, das uns schon eint, zu erfassen.

Der vollständige Text ist in mehreren Sprachen zugänglich.


Das nächste internationale Jugendtreffen mit jungen Christen aus ganz Europa wird von der Communauté von Taizé am Ende dieses Jahres, vom 29. Dezember bis 2. Januar, 2015 in Prag vorbereitet.

Frère Frank (1935-2014)

Am 16. Januar ist Frère Frank, der für die Fraternität der Brüder in Mymensingh/ (Bangladesch) verantwortlich war, im Alter von 78 Jahren gestorben. Er stammt aus dem niederländischen Dorf Gasselte in der Provinz Drente und war nach einem Sprachenstudium 1960 in die Communauté von Taizé eingetreten.

Frère Frank hatte seit längerer Zeit gesundheitliche Probleme, die sich vor Kurzem verschlimmerten, sodass eine unverzügliche Rückkehr nach Taizé nötig wurde. Eine Krankenschwester begleitete ihn auf dieser Reise. Während einer Zwischenlandung in Istanbul erlitt er einen Herzinfarkt und starb dort kurz darauf im Krankenhaus. Sein Leichnam wurde nach Taizé überführt, wo er am 21. Januar im Beisein seiner fünf Geschwister, von denen er der Älteste war, beigesetzt wurde.

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Frère Frank hat sein ganzes Leben für die Allerärmsten hingegeben. Wo immer er zusammen mit anderen Brüdern der Communauté lebte, ging es ihm in erster Linie darum, mit den von der Gesellschaft am meisten Verlassenen zu teilen und darin mit seinem ganzen Wesen Gott zu suchen. Ende 1964 bittet Frère Roger ihn, eine Besuchsreise in die Vereinigten Staaten zu unternehmen, aus der 1965 eine erste Fraternität auf dem amerikanischen Kontinent, im Bundesstaat Wisconsin, entsteht Von 1966 bis 1971 leitet er eine Fraternität in einem armen Stadtteil Chicagos, in der mehrere Brüder der Communauté mit einigen Franziskanern zusammenleben. Danach verbringt er ein Jahr mit Brüdern in Atlanta.

Im Jahr 1972 verlässt Frère Frank den amerikanischen Kontinent und wird nach Asien gesandt, wo er Besuche in Indien unternimmt und unter anderem die ersten Kontakte zu Mutter Teresa herstellt. In der Folgezeit macht er Besuche in Indonesien, Vietnam sowie auf den Philippinen. Ende 1974 beginnt er eine Fraternität in Chittagong, in Bangladesch, einem der ärmsten Länder der Erde. Von dort aus begibt er sich 1978 nach Japan, wo er eine Fraternität mit Brüdern in Miyadera am Stadtrand von Tokio gründet. Ende 1979 hilft er beim Aufbau einer Fraternität in Seoul/Korea, von wo aus er 1981 nach Kalkutta zurückgekehrt und 1987 endgültig wieder nach Bangladesch geht. Seither leben die Brüder dort in der Stadt Mymensingh.

Über die vielen Jahre, während der er mit armen Menschen in Bangladesch zusammenlebte, schrieb Frère Frank einmal:

Es wird uns klar, dass Gott in den Menschen unter uns lebt, die aufgrund ihrer Schwäche und scheinbaren Nutzlosigkeit aus der Gesellschaft ausgeschlossen sind. Wenn wir uns ihnen zuwenden, zeigen sie uns Schritt für Schritt einen Weg heraus aus einer Welt, in der alles nur in Wettbewerb besteht, und führen uns hin zu einer Gemeinschaft der Herzen. Die gemeinsamen Pilgerwege, die wir mit behinderten Menschen unternehmen, sind konkrete Zeichen der Gemeinschaft mit den Glaubenden des Islam und anderer Religionen. Das öffnet unser Herz. Wenn wir uns gemeinsam in den Dienst der Armen und Schwachen stellen, bringen diese uns zusammen; nicht wir, die Starken, bringen dies zustande, sondern sie, die uns einladen, in Gemeinschaft mit ihnen zusammenzukommen.

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Gebet von Frère Alois für die Menschen in Syrien und für den Frieden in der Welt

Am Samstag, den 7. September, waren die Christen auf der ganzen Welt, die Glaubenden anderer Religionen und alle Menschen, die den Frieden suchen, von Papst Franziskus zu einem Tag des Fastens und des Gebets für die Menschen in Syrien und für den Frieden in der Welt eingeladen. Die Brüder der Communauté schlossen sich zusammen mit den 1500 Teilnehmern des wöchentlichen Jugendtreffens dieser Initiative an, mit einem sehr einfachen Mittagessen und einem Abendgebet in besonderer Verbundenheit mit all denjenigen, die in Syrien und anderswo auf der Erde unter Gewalt leiden.

Liebender Gott, fassungslos stehen wir vor der Gewalt in Syrien und anderswo in der Welt. So wenden wir uns dir zu, der du uns nicht der Mutlosigkeit überlässt. Für dich hat unser Gebet und unsere Barmherzigkeit eine Bedeutung. Steh allen bei, die leiden, und sende den Heiligen Geist, damit jeder Mensch entdeckt, was er konkret für den Frieden tun kann.


Papst Franziskus, Hoffnung auf eine Erneuerung in der Kirche


Frère Alois, Prior der Communauté von Taizé:

Inmitten der riesigen Menschenmenge von Römern und Pilgern aus vielen verschiedenen Ländern auf dem Petersplatz haben mich die ersten Worte von Papst Franziskus sehr gefreut. Wir hatten von dieser Wahl etwas Neues erwartet, und so kam es auch. Dieser erste Papst vom „anderen Ende der Welt“ bringt die universale Dimension der Kirche zum Ausdruck. Der Name, den er sich gewählt hat, spricht von der Freude und von der Liebe zu den Armen, die Franziskus von Assisi zu eigen war und die bis heute im Mittelpunkt seines Lebens in Argentinien gestanden hat.
 
Er schöpft seine Sicht der Beziehung zwischen dem Volk und dessen Bischof aus dem Glauben der Christen in Lateinamerika. Er sagte: „Beginnen wir diesen Weg, der Bischof und sein Volk… einen Weg der Geschwisterlichkeit, der Liebe, des Vertrauens unter uns“ und betont mehrmals seine Sendung als Bischof von Rom. Die auf dem Platz anwesenden Menschen waren sichtlich beeindruckt, dass der neue Papst sie – bevor er sie segnete – um ihr Gebet bat und sich in einem langen Moment der Stille verbeugte.
 
Mit der Bitte um das Gebet für seinen Vorgänger Benedikt XVI. verbindet er seine Sorge um Kontinuität mit der Verheißung von etwas Neuem. Wie all die Menschen, die gekommen waren, um ihn zu begrüßen und willkommen zu heißen, war auch ich sehr berührt, wie er unseren Blick erweiterte, indem er sagte: „Beten wir für die ganze Welt, auf dass sie eine Gemeinschaft großer Brüderlichkeit werde.“
13. März 2013

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With Pope Francis

März 2013

Frère Alois in Canterbury

Am 21. März nahm Frère Alois an der Feier zur Amtseinführung des neuen Erzbischofs Justin Welby teil.

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Erzbischof Justin Welby und Frère Alois am 22. März 2013
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