TAIZÉ

Aktuelles

Ukraine | Eine Solidaritätsinitiative für die Aufnahme von Flüchtlingen

Angesichts der humanitären Krise, die durch den Krieg in der Ukraine ausgelöst wurde, hat Taizé eine Vermittlungsplattform eingerichtet, um Gastgeber und Menschen, die aus der Ukraine fliehen mussten, miteinander in Kontakt zu bringen.

In den letzten Jahren haben viele junge Ukrainer an Treffen auf dem Pilgerweg des Vertrauens in Europa teilgenommen. Jetzt müssen viele Familien, vor allem Mütter mit ihren Kindern, ihr Land verlassen, um anderswo Zuflucht zu suchen. An vielen Orten ist eine Welle der Solidarität entstanden, die Taizé mittragen möchte.

Im Kontakt mit unseren Freunden in der Ukraine und den Nachbarländern, mit Solidaritätsorganisationen und der ukrainischen Botschaft in Paris schlagen wir Kirchengemeinden und örtlichen Gruppen vor, sich auf die Aufnahme von Flüchtlingen vorzubereiten. Gleichzeitig möchten wir alle, die Menschen aufnehmen möchten, auf Folgendes hinweisen:

  • Zurzeit sammeln wir Angebote, können aber nicht versprechen, dass in nächster Zeit tatsächlich eine Familie gefunden wird. Es ist schwer, die Zahl der Ankommenden vorherzusehen.
  • Es ist auch schwierig zu sagen, wie lange diese Familien auf Ihre großherzige Aufnahme angewiesen sein werden.
  • Für Einzelpersonen und auch für einzelne Familien kann eine solche Aufnahme eine sehr große Anstrengung bedeuten. Es ist besser, sich mit anderen zusammenzutun, um dies in einer Kirchengemeinde oder einem Team zu übernehmen.
  • Taizé hilft mit dieser Initiative, Kontakte zu vermitteln, kann aber danach weder einzelne Situationen begleiten noch Hilfe oder Betreuung gewährleisten.

Bitte füllen Sie das Aufnahmeformular auf Englisch sorgfältig aus. Mit weiteren Fragen bitte an diese Adresse schreiben.

Wir danken von ganzem Herzen für Ihre Hilfsbereitschaft!

Ukraine | Ein Beitrag von Frère Alois

Die französische Wochenzeitschrift La Vie hat Frère Alois um einen Beitrag gebeten, den wir hier in voller Länge wiedergeben.

„In der Ukraine wird das Böse nicht das letzte Wort haben“

Am Beginn der diesjährigen Fastenzeit gibt es in Europa Krieg. Diese Tragödie konfrontiert uns mit dem Geheimnis des Bösen. Jesus hat es am eigenen Leib erfahren, als er den Tod am Kreuz frei annahm: Er ist bis zum Äußersten des Leidens gegangen. In dieser Zeit vor Ostern trägt uns die Hoffnung, dass Gott, über das Kreuz hinaus, durch die Auferstehung Christi der gesamten Menschheit einen Weg des Lebens öffnet.

Wie ist es möglich, dass Waffen und Bomben Völker auseinanderreißen, die sich in vielerlei Hinsicht so nahe sind? Viele Familien haben Angehörige beiderseits der Grenze ... Ich wurde Zeuge dieser Zusammengehörigkeit, als ich im Jahr 2015 auf einem Pilgerweg durch Russland, Weißrussland und die Ukraine mit einer Gruppe junger Menschen aus verschiedenen Ländern in einem Krankenhaus in Kiew verletzte ukrainische Soldaten besuchte. Damals war eine junge Frau aus Russland dabei, die sich vor wenigen Tagen, bei Ausbruch des Kriegs, an diesen Besuch erinnerte und schreibt: „Als ich das Krankenhaus betrat, war ich wie gelähmt vor Angst und Scham.

Zunächst fand ich kaum Worte. Dann erzählte ich davon, wie ich als Kind jeden Sommer zu meinem Großvater in die Ukraine fuhr und dass auch mein Cousin in der Ukraine geboren wurde. Da begann sich die Atmosphäre zu verändern. Ein ukrainischer Soldat sagte auf einmal, dass seine Frau Russin sei, und ein anderer, dass seine Eltern in Russland lebten ... Es wurde klar, dass wir uns in Wirklichkeit sehr nahe stehen, dass wir wie Brüder und Schwestern sind.“

Beten wir, dass diese Samenkörner des Miteinanderteilens und der Gemeinschaft nicht vom Wahnsinn des Krieges vernichtet werden, sondern am Ende stärker sind als die sinnlose Gewalt. Es ist vielleicht noch zu früh, diesen Wunsch auszusprechen, da die Zahl der Opfer und Verletzten täglich steigt. Dennoch sollten wir die Hoffnung, dass das Böse nicht das letzte Wort hat, tief in uns bewahren.

Papst Franziskus hat für Aschermittwoch zu einem Tag des Fastens und des Gebets aufgerufen. An vielen Orten auf der Welt kommen Gläubige zu Gebeten für den Frieden zusammen. Vor einigen Tagen schrieb uns ein orthodoxer Priester aus Russland, dass auch in seiner Gemeinde für den Frieden gebetet wird.

Ja, um in der Fastenzeit solidarisch zu sein mit denen, die unter dem Krieg auf ukrainischem Boden leiden, tragen wir in unseren Gebeten die Opfer, ihre trauernden Familien, die Verletzten und die zur Flucht Gezwungenen, all diejenigen, die fliehen möchten, es aber nicht können. Und wir beten auch für alle, die sich entschieden haben dort zu bleiben, wo sie leben. Denken wir an die Schwächsten, welche am meisten unter den Folgen der Kämpfe leiden, und an die Kinder und Jugendlichen, die Schweres durchmachen und keine Zukunft sehen.

Aber denken wir in unserem Gebet auch daran, den Heiligen Geist darum zu bitten, den politisch Verantwortlichen und all jenen, die den Lauf der Ereignisse beeinflussen können, beizustehen, damit die Waffen so schnell wie möglich zum Schweigen gebracht werden. Beten wir, dass dieser Krieg die Spaltung der Kirchen und Familien nicht noch tiefer macht, und dass die Verantwortlichen der Kirchen all jene begleiten, die von diesen schrecklichen Ereignissen betroffen sind. Weil in den Augen Gottes jedes Menschenleben zählt, denken wir an die Soldaten aus den verschiedenen beteiligten Ländern und an ihre Familien, an die Großmütter, die mit ansehen müssen, wie ihre Enkel an die Front gehen, in einen Krieg, den sie nicht gewollt haben. Vielleicht gehen sie ja eines Tages auch für den Frieden auf die Straße ...

Während der diesjährigen Fastenzeit, die unter sehr düsteren Vorzeichen beginnt, sind wir aufgerufen, vierzig Tage in Verbundenheit mit all denen zu leben, die nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt unter Gewalt leiden. Christus hat am Kreuz seine Arme ausgebreitet, um die gesamte Menschheit zu umarmen. Eine Menschheit, die allzu oft auseinandergerissen wird und im Herzen Gottes doch für immer vereint ist.

Ukraine | Gebet für den Frieden

Mittwoch, 2. März

In Verbundenheit mit der von Papst Franziskus angeregten Fasten- und Gebetsinitiative schließt sich die Communauté am Mittwoch, den 2. März dem Gebet für den Frieden in der Ukraine an.


Samstag, 26. Februar

Gestern Abend begann das Abendgebet für den Frieden in der Ukraine mit einer langen Zeit der Stille, die mit folgendem Gebet von Frère Alois eingeleitet wurde:

Christus, du bist auferstanden aus dem Tod.
Still und ohne Unterlass wollen wir beten:
Mögen in der Ukraine alle Waffen schweigen!
Nimm du in deiner Liebe alle auf,
die im Krieg durch Gewalt ihr Leben verlieren!
Tröste die Familien und steh denen bei,
die ins Exil gehen müssen!
Trotz des unfassbaren Leids glauben wir,
deine Worte der Liebe und des Friedens werden nicht vergehen.
Du hast am Kreuz dein Leben hingegeben
und allen über den Tod hinaus eine Zukunft eröffnet.
Christus, wir bitten dich: „Gib uns deinen Frieden!“
Du bist unsere Hoffnung!

Am Ende der Stille wurde der Gesang „Laudate omnes gentes“ von allen auf Ukrainisch „Славіте всі народи / Slavite vsi narody“ gesungen.


Donnerstag, 24. Februar

Angesichts der kriegerischen Handlungen in der Ukraine sprach Frère Alois am Donnerstag beim Mittagsgebet in Taizé das folgende Gebet:

Du liebender Gott,
fassungslos stehen wir vor der Gewalt auf unserer Welt;
besonders in diesen Tagen – angesichts des Kriegs in der Ukraine.
Gib uns die Kraft, solidarisch denen nahe zu sein,
die betroffen sind und in Angst leben.
Steh all denen bei , die in diesem Teil der Welt
besonders auf Gerechtigkeit und Frieden hoffen.
Sende uns den Heiligen Geist, den Geist des Friedens,
damit die Politiker ihre Entscheidungen
in großer Verantwortlichkeit treffen.

Am Freitag um 20 Uhr werden die Brüder der Communauté und alle Jugendlichen, die in Taizé sind, in Stille für den Frieden beten. Alle, die möchten, können per Livestream an diesem Gebet teilnehmen.


Gemeinsames Gebet beim Taizé-Treffen in Lviv am 30. April 2018.

Bruderrat der Communauté: Gebet von Frère Alois

Wie jedes Jahr fand Ende Januar der Bruderrat der Communauté statt. Hier das abschließende Gebet von Frère Alois am Sonntagabend, 30. Januar 2022.


Jesus Christus, wir danken dir von ganzem Herzen. Du willst uns zu Zeugen der Liebe Gottes machen mitten in den großen Umbrüchen von Gesellschaft und Kirche heute. Wir danken dir für das Geschenk der Einheit, das du unserer kleinen Communauté machst. Sie ist ein unermesslicher Schatz, für den wir Sorge tragen wollen.

Dieser Schatz hat viele verschiedene Erscheinungsformen. Wir danken dir, dass du uns in diesen Tagen unseres Bruderrats geführt hast und unsere große Vielfalt zutage getreten ist. Du sendest uns den Heiligen Geist, der Leben schenkt, der die Kreativität jedes Einzelnen fördert und uns in der Liebe Gottes zusammenführt. Schenke uns den Glauben an seine Gegenwart.

Du, Christus, hauchst deinen Geist über uns, im Gebet genauso wie in unserem brüderlichen Leben; auch in diesem brüderlichen Leben finden wir eine Quelle deiner Gegenwart. Inmitten unseres Bemühens um ein geschwisterliches Zusammenleben, um uns immer wieder zu öffnen und auf andere zuzugehen, schenkst du uns eine Freude, deine Freude als Auferstandener.

Wir legen vor dich alles, was wir während dieses Bruderrats miteinander besprochen haben. Lass unseren Austausch Frucht bringen! Mach uns bereit, dass wir uns auch weiterhin besinnen und uns Gedanken machen über die Multikulturalität unter uns, über die persönliche Begleitung anderer, über die Verantwortung jedes Einzelnen für unser gesamtes Leben, die vielfältigen Aufgaben und Aktivitäten und über unsere Suche nach der Einheit der Christen. Erfülle uns mit Flexibilität und Mut, um auf deinen Heiligen Geist zu hören und in diesen und vielen anderen Bereichen voranzugehen.

Jesus Christus, du sendest uns in die Welt. Gelobt seist du für unsere Brüder, die in verschiedenen Ländern in kleinen Fraternitäten leben. Wir danken dir für die Schwestern, die in unserer Nähe leben und mit denen du uns auf einen gemeinsamen Weg schickst. Danke für all die Verbindungen mit so vielen Menschen in unserer Gegend. Danke für die Migranten, die bei uns aufgenommen wurden und sich immer mehr in diesem Land integrieren. Gelobt seist du für die jungen Menschen, die im Laufe dieses Jahres nach Taizé kommen. Gelobt seist du für unseren Pilgerweg des Vertrauens, der sich wie ein kleiner Bach seinen Weg auf der Welt bahnt - demnächst im Nahen Osten, im Heiligen Land.

Aber wir bekennen dir, Jesus Christus, dass wir auch manchmal versagt haben, deinen Willen der Liebe zu tun. Wir vertrauen dir insbesondere die Menschen an, die in Taizé Opfer von sexuellem oder psychischem Missbrauch oder von Übergriffen wurden. Sei in ihrer Einsamkeit bei ihnen und heile ihre Wunden. Aber gib uns auch den Mut, ihr Leid zu hören, auf ihre Bitten und ihren Rat einzugehen und ihnen, wo immer wir können, zu helfen.

Dir, Christus, wenden wir uns zu. Zu wem sollten wir sonst gehen? Du hast Worte des Lebens. Wir bitten dich: Begleite die Kirche und die gesamte Menschheit, die sich wie auf einem Exodus befinden, auf einem Übergang zu etwas Neuem, auf einem Weg durch die Wüste. Wie so viele Menschen wissen auch wir momentan nicht, was die Zukunft bringen wird. Aber du schenkst uns in dir neue Kraft und machst uns fähig, Einheit zu stiften. Voll Vertrauen sagen wir mit den Worten eines Psalms zu dir: „ Lass nicht ab vom Werk deiner Hände!“


Gebetswoche für die Einheit der Christen

Jedes Jahr findet vom 18. bis 25. Januar Christen auf der ganzen Welt eine Gebetswoche für die Einheit der Christen statt. Sie wurde dieses Jahr vom Rat der Kirchen im Nahen Osten vorbereitet. Hier einige Möglichkeiten, in Verbindung mit Taizé an dieser Woche teilzunehmen.

Gebet mit dem Rat der Kirchen des Mittleren Ostens

Das vom Rat der Kirchen im Nahen Osten ausgewählte Thema lautet in diesem Jahr: „Wir haben seinen Stern im Osten gesehen und sind gekommen, ihn anzubeten.“ Materialien für ein gemeinsames Gebet

Die „Vorschläge für das Jahr 2022“ lesen

Die „Vorschläge für das Jahr 2022“ aus Taizé haben den Titel: „Einheit stiften“. Der fünfte Vorschlag betrifft speziell die Einheit der Christen. Zum vollständigen Text

Das gemeinsame Gebet anlässlich der Gebetswoche in Taizé

Am Dienstag, den 18. Januar um 18 Uhr fand in Taizé ein Gebet mit Vertretern verschiedener Konfessionen statt, das als Video zur Verfügung steht:

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Taizé-Podcast

Als Podcast erschien diese Woche ein Interview (auf Französisch) mit Pfarrerin Anne-Laure Danet, die bei der Fédération protestante de France für die Beziehungen zwischen den christlichen Kirchen zuständig ist. Zum Nachhören auf den wichtigsten Podcast-Plattformen

Grußbotschaften anlässlich des Europäischen Treffens in Turin

Wie jedes Jahr richten katholische, evangelische und orthodoxe Kirchenverantwortliche Grußbotschaften an die Teilnehmer des Europäischen Treffens.

Vortrag von Frère Alois zum Thema Einheit anhören

Im vergangenen Jahr war Frère Alois zu einem längeren Vortrag über das Thema „Einheit“ im Angelicum in Rom eingeladen. Zum Nachhören auf Italienisch, mit französischen Untertiteln

Botschaft von Frère Alois

Im Andenken an Desmond Tutu

Liebe Angehörige,
liebe Freunde,

an diesem Tag, an dem Erzbischof Desmond Tutu in das Leben der Ewigkeit eingegangen ist, möchte ich Ihnen meine Zuneigung und die der gesamten Communauté von Taizé zum Ausdruck bringen. Fast fünfundsechzig Jahre lang haben Sie sein Leben und seinen kämpferischen Einsatz geteilt.

Der Geist des auferstandenen Christus hat ihn zu einer Quelle der Weisheit und des Mutes für Südafrika und die übrige Welt gemacht – in den dunkelsten Stunden der Apartheid und auf dem langen Weg hin zu Gerechtigkeit und Versöhnung in Ihrem Land.

Wir sind dankbar für die Freundschaft, die Erzbischof Tutu und unsere Communauté bereits über vierzig Jahre verbindet. Seit Frère Rogers Besuch in Johannesburg im Jahr 1978 und seinem eigenen Besuch in Taizé 1979 waren wir im Gebet verbunden und teilten die gleiche Leidenschaft, die junge Generation für den Glauben zu begeistern. Im Jahr 1980 organisierte er in einer Zeit großer Spannungen in Ihrem Land, zusammen mit 144 jungen Südafrikanern unterschiedlicher Herkunft, Konfessionen und sozialer Schichten, einen Pilgerweg der Versöhnung nach Taizé. Seit dieser Zeit hat er treu Hunderten von jungen Südafrikanern geholfen, die von ihren Kirchen entsandt wurden, um ihr Land bei den verschiedenen Etappen des von Taizé organisierten Pilgerwegs des Vertrauens zu vertreten. Vor zwei Jahren hatte er es sich nicht nehmen lassen, mit vielen anderen am internationalen Jugendtreffen teilzunehmen, das wir in Kapstadt vorbereitet hatten.

In seiner Grußbotschaft an die Teilnehmer des von Taizé vorbereiteten Pilgerwegs im Jahr 1995 in Johannesburg schrieb er: „Das Gebet schafft einen Raum, in dem wir uns begegnen und wachsen können, indem wir einander lieben.“

Gemeinsam mit Menschen guten Willens auf der ganzen Erde und ganz besonders mit den jungen Menschen auf dem afrikanischen Kontinent danken wir für sein Leben und seinen Dienst. Desmond Tutu wird auch nach seinem Tod all diejenigen inspirieren, die nach Gerechtigkeit und Frieden suchen.

Frère Alois, Prior der Communauté von Taizé

Beim Treffen in Kapstadt, 2019

Frère Paul (1951-2021)

François Belloy, der bei seinem Eintritt in die Communauté von Taizé im Jahr 1975 den Namen Frère Paul annahm, ist am frühen Morgen des 16. Dezember 2021 im Schlaf nach einer langen und schweren Krankheit gestorben. Der Gottesdienst zu seinem Begräbnis findet am Sonntag, 19. Dezember, um 11.30 Uhr in der Versöhnungskirche von Taizé anstelle der sonntäglichen Eucharistiefeier statt.

Frère Paul wurde am 10. Juli 1951 in Châteauroux in Zentralfrankreich als zweites von sechs Geschwistern geboren. Während seines Studiums an der Breguet-Schule für Informatik in Paris lernte er die Communauté kennen, die zu dieser Zeit das Konzil der Jugend vorbereitete. In diesem Rahmen unternahm er im Sommer 1972 mit drei weiteren jungen Leuten eine Reise durch die damals kommunistisch regierte UdSSR. In Moskau entstanden auf diese Weise erste, sehr diskrete Kontakte zu jungen Menschen in diesem Land, die ihren christlichen Glauben im Geheimen leben mussten.

Ein Jahr vor Abschluss seines Studiums trat er 1975 in die Communauté ein, wo er an Ostern 1979 sein Lebensengagement ablegte. Von Anfang an brachte er seine technischen und juristischen Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen ein: Trinkwasser, Abwasser, Stromversorgung, Telekommunikation, Videoausrüstung ... Nach und nach führte er die Informatik in den Alltag der Communauté ein. Diese Fähigkeiten stellte er auch in den Dienst der Europäischen Jugendtreffen.

1983 wurde Frère Paul in den Gemeinderat von Taizé gewählt, wo die Communauté seit langem durch einen und später durch mehrere Brüder vertreten war. In dieser Funktion und vorübergehend als stellvertretender Bürgermeister setzte er sich tatkräftig für das Leben der Gemeinde und der umliegenden Region ein. Er arbeitete unter anderem in den Zweckverbänden für die Wasser- und Stromversorgung und später im Rahmen des Kommunalverbunds mit, bis seine Krankheit ihn 2020 immer mehr einschränkte.

Zu diesem Zeitpunkt war er bereits durch eine Autoimmunkrankheit geschwächt, die ihm allmählich alle körperlichen Kräfte raubte und mehrere Krankenhausaufenthalte in Paris, Mâcon und Cluny nötig machte. Er blieb jedoch bis zum Schluss bei klarem Verstand und behielt sich ein waches Interesse, sowohl für das Leben der Communauté und seiner großen Familie als auch für die Ereignisse in Kirche und Welt.

Pressemitteilung | Der Pilgerweg des Vertrauens geht nach dem Sommer weiter

Dienstag, 21. September 2021

Seit Juni waren insgesamt mehr als 7.000 Besucher in Taizé. Trotz mehrerer Covid-Fälle in der Communauté im August – zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie – konnten die Jugendtreffen durch ein mit den Behörden ausgearbeitetes Protokoll weitergehen. Die nächsten größeren Treffen werden dann über Allerheiligen stattfinden, wenn viele französische Oberstufenschüler nach Taizé kommen.

Das nächste Europäische Jugendtreffen findet vom 28. Dezember bis zum 1. Januar 2022 in Turin, Italien, statt. In den nächsten Tagen fahren drei Brüder der Communauté nach Turin, um mit den Jugendlichen vor Ort und den verschiedenen Kirchenverantwortlichen die bereits begonnenen Vorbereitungen in den örtlichen Gemeinden fortzusetzen und Gastgeber für die jungen Teilnehmer des Treffens zu suchen. Einige Veranstaltungen werden online übertragen, um von überallher die Teilnahme zu ermöglichen.

Frère Alois fährt fort: „Angesichts der schwierigen Situation aufgrund der Pandemie blicken viele Menschen mit Sorge in die Zukunft; gleichzeitig nimmt die Polarisierung in unserer Gesellschaft zu. Deshalb ist es so wichtig, einander zu begegnen, miteinander zu beten, sich auszutauschen und zuzuhören. So sind wir sehr dankbar, dass der Sommer in Taizé gut verlaufen ist.“

Neues in Kürze

  • Die Kirchen von Glasgow haben Taizé eingeladen, während der COP26 ein Abendgebet mit Studenten und jungen Menschen in Glasgow vorzubereiten. Zwei Brüder der Communauté werden aus diesem Anlass vom 7. bis 12. November in Glasgow sein.
  • Seit einigen Monaten gibt es die „Taizé-Podcasts“ mit Aufnahmen der gemeinsamen Gebete, Bibeleinführungen und Betrachtungen sowie Interviews mit Menschen aus allen Lebensbereichen, die in Taizé mitleben oder der Communauté nahestehen.

Akkreditierung

Weitere Informationen für einen Artikel, hochauflösende Fotos oder Interviews mit Brüdern oder Freiwilligen unter.

Worte von Frère Alois zur Eröffnung des synodalen Wegs

Frère Alois war eingeladen worden, am Samstag, den 9. Oktober 2021 in Rom zur Eröffnung des zweijährigen synodalen Prozesses der katholischen Kirche über das Thema Synodalität zu sprechen. Hier der Text seiner Ansprache.


Ich danke Ihnen, Heiliger Vater, für die Einberufung dieser Synode. Wir haben uns in Taizé über die Einladung zu seiner Eröffnung sehr gefreut und möchten Ihnen auch für die Tradition danken, Delegierte anderer Kirchen einzuladen. Es wird sehr hilfreich sein, von deren Erfahrung mit Synodalität zu hören, von ihrem Nutzen und ihren Grenzen.

Dieser synodale Prozess kommt in einem Moment der Geschichte, in dem wir zwei gegensätzliche Entwicklungen beobachten: Zum einen wird der Menschheit immer mehr bewusst, dass wir alle sowohl untereinander als auch mit der gesamten Schöpfung verbunden sind. Zum anderen kommt es auf sozialer, politischer und ethischer Ebene zu einer immer stärkeren Polarisierung, die zu neuen Spaltungen führt – in der Gesellschaft, zwischen Ländern und sogar in Familien.

Leider führen auch Unterschiede zwischen und innerhalb unserer Kirchen zu Trennungen, wo doch unser Zeugnis des Friedens so wichtig wäre.

Wie können wir die Einheit der Christen vorantreiben? Diese Frage habe ich vor Kurzem Pastor Larry Miller, dem früheren Generalsekretär des Global Christian Forum, gestellt. Er hat mir geantwortet: „Es ist nicht gut, dass wir immer sagen: ‚Wir sind diese oder jene und haben aus folgenden Gründen Recht.‘ Wir müssen vielmehr unsere Fehler erkennen und die anderen Kirchen um Hilfe bitten, um zu empfangen, was uns fehlt. Eine solche empfangende Ökumene hilft uns, vom anderen etwas anzunehmen.“ Ist es nicht richtig, was dieser Pfarrer sagt? Wir alle tragen den Schatz Christi in irdenen Gefäßen, und er strahlt vielleicht noch mehr, wenn wir in Demut bekennen, was uns fehlt.

Diese Synode wird innerhalb der katholischen Kirche eine große Vielfalt zum Vorschein bringen. Diese Vielfalt wird umso mehr Frucht bringen, je mehr sie mit einer intensiven Suche nach Gemeinschaft einhergeht. Dabei sollen bestehende Konflikten nicht übergangen, sondern ein versöhnender Dialog gefördert werden.

Deshalb wäre es schön, wenn im Laufe dieser Synode wie kleine Atempausen stattfänden, um innezuhalten, um die in Christus bereits bestehende Einheit zu feiern und sichtbar zum Ausdruck zu bringen.

Heiliger Vater, Sie laden uns zum Träumen ein. Deshalb möchte ich an dieser Stelle sagen, wovon ich träume: Könnten im Rahmen dieses synodalen Wegs einmal nicht nur Delegierte, sondern das Volk Gottes, nicht nur Katholiken, sondern die Glaubenden der verschiedenen Kirchen zu einem großen ökumenischen Treffen eingeladen werden? Durch die Taufe und die heilige Schrift sind wir doch Schwestern und Brüder in Christus, und bilden eine zwar noch unvollkommene, aber reale Gemeinschaft, auch wenn es theologische Fragen gibt, die noch nicht geklärt sind.

Im Mittelpunkt einer solchen Versammlung stünde – hier in Rom und zur gleichen Zeit anderswo auf der Welt – eine schlichte Liturgie, bei der wir das Wort Gottes hören, mit einem langen Moment der Stille und einem Gebet für den Frieden. Könnten junge Menschen die Protagonisten eines solchen Gebets sein? Könnte diese Feier in ein Gespräch zwischen den Konfessionen übergehen? Wir würden dabei entdecken, dass wir dort, wo wir in Christus vereint sind, zu Friedensstiftern werden.

Die Erfahrung unseres Lebens in Taizé ermutigt mich, diesen Vorschlag zu machen. In unserer Communauté kommen wir aus verschiedenen Konfessionen und leben unter ein- und demselben Dach. Seit über sechzig Jahren nehmen wir junge Menschen auf, die einer der verschiedenen Kirchen angehören oder einfach auf der Suche nach dem Sinn ihres Lebens sind. Dabei suchen wir nicht nach dem uns allen gemeinsamen Minimum; die Quelle des Evangeliums zieht uns stets an, der auferstandene Christus, der uns gemeinsam, durch den Heiligen Geist, zum Vater ausnahmslos aller Menschen führt.

Foto: Tilen Čebulj

Geschwisterlicher Besuch in Taizé

Ende August ging die Communauté einen besonderen und neuen Schritt: Sie empfing geschwisterlichen Besuch. Frère Alois erklärt, was damit gemeint ist:

Um besser zu verstehen, was Gott von unserer Communauté in dieser Zeit der großen Veränderungen in der Welt und in der Kirche erwartet, haben wir beschlossen, mit einigen Personen von außerhalb unserer Communauté über unser Leben und die Herausforderungen für die Zukunft zu sprechen.

Dazu haben wir zwei Frauen und zwei Männer unterschiedlicher konfessioneller Herkunft und mit verschiedenen Aufgaben innerhalb der Kirche zu einem „geschwisterlichen Besuch“ nach Taizé eingeladen. Sie verbringen bis Ende August sechs Tage bei uns, um die verschiedenen Aspekte unserer Gemeinschaft näher kennenzulernen und zu verstehen. Alle Brüder, die dies möchten, können persönlich mit ihnen über das Gemeinschaftsleben sprechen und dazu Vorschläge machen. Die Brüder, die in kleinen Fraternitäten in anderen Teilen der Welt leben, haben ebenfalls die Möglichkeit zu einem solchen Gespräch per Internet. Die vier Personen, die mit uns diesen Austausch führen, teilen uns in der Folge ihre Eindrücke mit.

Der Grund zu einer solchen Initiative liegt nicht darin, dass wir eine bestimmte oder dringend anstehende Frage klären müssten, aber wir sind der Meinung, dass ein Blick von außen auf das Leben der Communauté wichtig und von Nutzen ist.

Hinsichtlich der Jugendtreffen besteht ein solcher Blick von außen bereits seit langem. Sie werden von einem Verein getragen, der aus Freunden der Communauté besteht und sich um sämtliche materiellen Aspekte im Zusammenhang mit den Treffen in Taizé kümmert. Für die Communauté selbst findet ein solcher Besuch zum ersten Mal statt.


(Foto: Cédric Nisi)